Die Tragödie eines Alkoholikers, der bereits mit 14 Jahren zu trinken begann und im Vollrausch seinen 15 Monaate alten Sohn erschoss. Auf der Anklagebank sitzt nicht nur der Täter, sondern auch die legale Droge Nr. 1: der Alkohol.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.10.2000
Um welche Schuld es in diesem Buch geht, verrät die Rezensentin Birgit Weidinger nicht, es sei denn, das Trinken selbst und das Verschweigen des Trinkens sind schon die Schuld des sich dieser "Fallstudie" unterziehenden Felix Heiden. Typisch ist der Lebenslauf dieses Alkoholikers zunächst nicht, schreibt sie, er wurde es erst dann, als die Sucht auf den Plan tratt. "Einstieg, Abstieg, Ausstieg", nennt sie die Phasen des Alkoholismus, und findet Typisches dann in den "kleinen Entwicklungen", die schließlich das Muster der Sucht bilden: darunter "Rausch als Ritual" unter Jugendlichen, die "Raffinesse" des Verbergens, das Wegsehen der Familienangehörigen. Die tiefgehende "Beichte" des inzwischen "trockenen" Trinkers wird gemischt mit "fachbezogenen Informationen" und kleinen Tests, denen man sich als Leser unterziehen kann - zur Klärung der eigenen Gefährdung. Die "Solidarität", in die man hineingezogen wird, schreibt Weidinger, verpflichtet auch zu Aufklärung und Selbstaufklärung als Gegengift zum "Fatalismus", der die Sucht umgibt.
Ein Schweizer namens Felix Heiden hat im Rausch seinen fünfzehnmonatigen Sohn erschossen und seine Frau nur "knapp verfehlt". Der Autor hat sich mit ihm und ehemaligen Freunden und Bekannten unterhalten und, so Rezensent Martin Ahrends, ein sowohl über seine Alkoholkrankheit als auch über die Schweiz höchst "facettenreiches" Buch geschrieben. Aufschlussreich ist die hier erzählte Geschichte auch deshalb, so der Rezensent, weil sie in vielem dem Klischee vom alkoholkranken Mann widerspricht. Hier hat nämlich ein exzessiv lebender, höchst erfolgreicher Aufsteiger seine schwer zu ergründende Verzweiflung an einem nach außen brillanten Leben in der "unterkühlten Biederkeit" des Schweizer Alltags mit Alkohol betäubt. Ahrends ist nicht ganz einverstanden mit der untergründig mitlaufenden Auffassung des Autors, die Katastrophe sei vermeidbar gewesen, wenn Felix Heiden von seinen Eltern mehr Liebe erfahren und in der Klosterschule nicht schon früh zu Alkoholexzessen verführt worden wäre. Dennoch lobt er das Engagement Holensteins als ein weit über das bei einem Sachbuchautor übliche hinausgehendes.
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