Peter Nadas

Die Bibel

Erzählung
Cover: Die Bibel
Berlin Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783827007124
Gebunden, 95 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Ruth Futaky. Als 1965 dieser Erstling des damals 23-jährigen Peter Nadas in Ungarn erschien, erregte schon der Titel Aufmerksamkeit. Und das Thema, mit dem er sein späteres Opus magnum "Buch der Erinnerung" vorwegnahm, war nicht weniger skandalös: die Bewältigung einer Kindheit in der stalinistischen Rakosi-Ära. Ein Junge lebt mit seinen Eltern und Großeltern in einer Villa auf dem "Hügel", einem privilegierten Stadtbezirk von Budapest. Für die Hausarbeit "nimmt" man sich ein Mädchen vom Land. Die Eltern, hohe Funktionäre, haben wenig Zeit für ihren Sohn, unbeaufsichtigt kann er seine Umgebung erforschen und seine sadistischen Neigungen am neuen Dienstmädchen ausprobieren. An der Bibel, die er eines Tages im elterlichen Bücherschrank entdeckt und vor den Augen des gläubigen Mädchens zerreißt, um es zu provozieren, entzündet sich der Konflikt: Für das Bauernmädchen ist das Buch der Bücher ein Quell des Trostes und der moralischen Haltung und für die Mutter ein teures Andenken an die heroischen Zeiten des Widerstands, als sie Flugblätter in ihrem Korb mit dieser Bibel tarnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2010

Dirk Schümer erscheint dieser kleine, gehaltvolle Erstling als guter Einstieg ins Werk von Peter Nadas. Keine Bibel, aber ein Buch, das für Schümer in der scheinbar beiläufigen Schilderung späthabsburgischer ("strindbergscher") Bürgerlichkeit auf den Villenhügeln von Budapest eine ganze (reichlich gefühlsarme) Welt detailliert abbildet. Glaubwürdiges Personal, eine an Hemingway geschulte Detailfreude, wie Schümer erkennt, und ein für den Zeitpunkt der Veröffentlichung 1965 provokanter Umgang mit den Lebenslügen der ideologisch ferngesteuerten kommunistischen Oberschicht lassen den Rezensenten das Buch als frühen Geniestreich verbuchen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2009

Rezensent Jörg Plath begrüßt Peter Nadas' Erzähldebüt "Die Bibel" aus dem Jahr 1962, das nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt. Die kurze, aber intensive Erzählung zeigt in seinen Augen einen "unbekannten Nadas", einen Autor der "kühlen Grausamkeit". Die mit "harten Strichen" erzählte Geschichte um einen Heranwachsenden, der einen Hund erschlägt und dem Dienstmädchen seiner Eltern zusetzt, handelt für ihn von der Erniedrigung des Menschen im Sozialismus und von den Gepflogenheiten der privilegierten "neuen Klasse". Fast erstaunt zeigt er sich darüber, wie "direkt und ökonomisch" der Autor von dieser Zeit erzählt. Das Buch, das sich für Plath auch durch seine "ungeheure Wucht" auszeichnet, macht auch deutlich, welch weiten Weg Nadas seit damals zurückgelegt hat.

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