Gesichter hinterlassen heute digitale Spuren: Von allgegenwärtigen Kameras erfasst und algorithmisch ausgewertet, werden sie massenhaft zu personalisierten Profilen verknüpft. Operative Porträts geht den verstreuten Anfängen dieser Entwicklung nach und wirft einen neuen Blick auf die Geschichte des Gesichts unter den Bedingungen seiner technischen Reproduzierbarkeit. Wie wurden Bilder von Gesichtern zu Objekten eines identifizierenden Blicks, der sie in lesbare Information zu verwandeln versucht? Wann wurde es denkbar und schließlich gar selbstverständlich, dass von jedem Individuum endlose Bilderserien zirkulieren? Und welche Vorstellungen von menschlicher Individualität sind in die Verfahren algorithmischer Erkennung eingeflossen? Das Buch verfolgt diese Fragen entlang sonst meist getrennt verhandelter Stränge einer Bildgeschichte der Identifizierbarkeit. Es erzählt eine Geschichte privater Porträtpraktiken - von Lavaters Schattenrissen bis hin zu Facebook -, wirft Schlaglichter auf ästhetische Neubestimmungen des Porträts in der Moderne und unternimmt eine Medienarchäologie der Identifizierung von der frühen Kriminalistik bis zur automatisierten Gesichtserkennung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2019
Wichtig findet Rezensent Jan von Brevern die Studie des Kunst- und Medienwissenschaftlers Roland Meyer insofern, als der Autor uns die Geschichte des operativen Porträts von Lavater über kriminalanthropologische Entwicklungen im 19. Jahrhundert bis zur Rasterfahndung und schließlich zum digitalen Bild nachvollziehen lässt. Erkennbar wird für den Rezensenten, wie sich die Versprechen der analogen Fotografie erst im digitalen Zeitalter zu erfüllen beginnen, sichtbar werden für ihn historische Kontinuitäten und Brüche.
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