Originalausgabe. Er schrieb in einer Sprache, die als aussterbend galt. Im amerikanischen Exil. Wo entsprechende Buchladenbesitzer - jedenfalls in einer seiner Geschichten - weniger das Bestohlenwerden als das Einschmuggeln weiterer unverkäuflicher Werke fürchteten: Isaac Bashevis Singer. Nobelpreisträger für Literatur 1978. Ein Mann der Widersprüche, von Anfang an. Der Sohn eines frommen chassidischen Rabbiners, der der elterlichen Welt in die Literatur entflieht, um sie mit der ganzen Kraft seines Talents schriftstellerisch wieder zu beleben. Der sich in seinen Arbeiten fast ausschließlich auf die eng begrenzte Sphäre des jiddischsprachigen Judentums bezieht und daraus Weltliteratur gestaltet.
Zum "Heulen und zum Wehklagen" findet Rezensentin Gabriele Killert die Biografie, die Stephen Tree jetzt anscheinend "unter Terminzwang" geschrieben hat. Zwar hat Killert schon gewusst, dass gegen biografischen Voyeurismus "kein Kraut gewachsen" ist; dass Tree sich aber in weiten Teilen den Ess-, Schlaf- und Beischlafgewohnheiten Singers widmet, ohne einen Blick auf die "literarische Textur, die obsessiven Parameter" des Erzählwerks zu werfen, ärgert sie dann doch. Zwar lasse der Autor Singers Werk ausgiebig "als vermeintlich authentische Quelle" sprudeln, verkürze es dabei aber ums "Ästhetische". Die Quellenlage der Biografie scheint der Rezensentin ebenso verstümmelt - sie besteht vorwiegend aus zwei amerikanischen Biografien - wie die Sprache. In "teilweise aberwitzigem" Deutsch ist das Buch geschrieben, das dem Deutschen Taschenbuchverlag, der mit solchen "biografischen Schnellschüssen" schon mehrfach seinen Ruf aufs Spiel gesetzt habe, nicht zur Ehre gereicht, findet Killert.
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