Mit Mitte dreißig verlässt Nina ihren langjährigen Partner in Los Angeles und kehrt zurück in die Schweiz zu ihrer Freundin Sarah, inzwischen eine erfolgreiche Menschenrechtsanwältin. Eine Woche, bevor Nina sich entscheiden muss, für einen Partner, für oder gegen Kinder, einen Wohnort, den Beruf. Rasante Motorradfahrten durch die flirrende Berglandschaft, Nacktbaden in kühlen Bergseen - für Nina ist der Trip ein großes Revival der Freiheit, doch Sarah sieht darin den Beginn einer langen Partnerschaft. Und ein Sommerfest in ihrer Villa am Bielersee soll ihr Anfang sein …Wieviel Freiheit verträgt der Mensch, wieviel Einfluss tut ihm gut?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.07.2022
Rezensent Anton Beck liest den dritten Teil von Tom Kummers fiktionalisierter Auseinandersetzung mit der Beziehung zu seiner verstorbenen Ehefrau mit Spannung. Dass Kummer diesmal abseits der "großen biografischen Linien" des Paares unterwegs ist und das Verhältnis der Geschlechter ins Zentrum der Erzählung rückt, indem er Nina bei einem Trip zu einer Jugendfreundin in die Schweiz begleitet, findet Beck interessant. Es geht um den Hang zur Selbstzerstörung, die Frage, woher das kommt, und eine Antwort, die an den Männern kein gutes Haar lässt, erklärt der Rezensent. Das Buch ist fesselnd und auf eine "anstößige Art geistreich", meint Beck.
Rezensentin Ingeborg Harms würde Tom Kummer gern Tipps geben, wie der Autor mit seinem Talent zur Vermengung von Fakt und Fiktion einen wirklich mitreißenden Roman schaffen könnte, etwa, indem er das unbekannte Leben der Stars thematisierte. Allerdimgs scheint die Rezensentin nicht wirklich an Kummers Einsicht und Willen zu glauben. Kummers neuer Text jedenfalls überzeugt sie ganz und gar nicht. Der in der Schweiz spielenden sadomasochistisch grundierten Dreiecksgeschichte zwischen einer jungen Frau, ihrer dominanten Freundin und einem sich immer wieder kommentierend ins Geschehen einschaltenden Erzähler mangelt es laut Harms an mehrdimensionalen Figuren. Kein Mangel herrscht dagegen an "klischeehaft" dargestellten männlichen Phantasmen und "unterkomplexen" Feindbildern, ärgert sich die Rezensentin.
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