Ute Daniel

Im Zwischenreich

Eine Geschichte der Weimarer Republik 1918 bis 1933
Cover: Im Zwischenreich
Hamburger Edition, Hamburg 2026
ISBN 9783987220036
Gebunden, 328 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Im Rückblick beruhigen wir uns in Bezug auf das Schicksal der ersten deutschen Demokratie mit der Palliativformel, dass es nicht zwangsläufig so hätte enden müssen, wie es schließlich endete. Aber Zufall sei es auch nicht gewesen. Das ist richtig, gilt jedoch praktisch für alles, was in der Weltgeschichte je geschah.Heute sind nicht nur in der Bundesrepublik rechte Parteien wieder auf dem Vormarsch. Vorschnelle Vergleiche mit der Zwischenkriegszeit verursachen Panik. Umso dringlicher ist es, erneut über die Entwicklungen der Weimarer Republik zu reden und zu streiten. Genau dazu trägt Ute Daniel mit ihrem neuen Buch bei.Erfolge von Rechtsaußenparteien lassen sich nie allein über ihre Strategien oder Führungspersonen erklären. Das wäre auch mit Blick auf Weimar zu einfach, selbst wenn viele Menschen ab 1929 vor allem auf Adolf Hitler starrten, bewundernd oder voll Furcht. Stattdessen müssen wir rekonstruieren, so die Historikerin, wie andere politische Akteure die Situation wahrnahmen. Für die meisten von ihnen war die Weimarer Republik ein Zwischenreich, eine vorübergehende Verirrung. Ihr Handeln war ausschlaggebend für das Ende der Republik. Hitler war nur der Profiteur.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.08.2026

Rezensent Robert Probst empfiehlt das Buch der Historikerin Ute Daniel als Buch der Stunde. Zu erkennen sind damit laut Probst ausnahmsweise mal nicht die oft heraufbeschworenen Parallelen zwischen Weimar damals und Berlin heute, sondern die Versäumnisse der Politiker der Republik. Auch wenn die vielen Zitate die Lektüre für Probst mitunter erschweren, Daniels Perspektive auf die Funktionsweise der Republik als Staat innerhalb des Europas von 1918-1933 erscheint ihm wertvoll und erkenntnisreich selbst für Kenner der Materie. Ein weiterer Fokus auf dem Bündnis zwischen Herrschenden, namentlich der SPD und der Reichswehr, öffnet Probst die Augen hinsichtlich der Frage, warum die Republik nicht verteidigt wurde. Parallen und Unterschiede zwischen damals und heute werden laut Probts deutlich. Die Autorin endet ihr Geschichtsbuch mit Tipps für die politische Praxis, staunt der Rezensent. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2026

Als eine lohnende Lektüre beschreibt Rezensent Florian Keisinger Ute Daniels Buch über die Weimarer Republik. Die Historikerin Daniel erschließt darin keine neuen Quellen und ist auch nicht an einer kulturwissenschaftlichen Gesamtschau interessiert. Vielmehr geht es ihr darum, neue Perspektiven auf die politischen und auch finanzpolitischen Dynamiken der Zeit zu werfen, insbesondere mit Blick auf die Frage, weshalb die Weimarer Republik schließlich unterging. Die Hyperinflation der frühen Jahre hat eben daran einen Anteil, schreibt Daniel, gleichfalls die Sparpolitik der späten Jahre. Die antidemokratischen Tendenzen wurden außerdem insbesondere durch die privilegierte, quasi sakrosankte Stellung der Reichswehr befeuert, so ein zentrales Argument des Buches. Das war auch in anderen Teilen Europas so, in Deutschland kam noch die Last der Reparationszahlungen hinzu. Keisinger liest diese Analysen mit Gewinn, gerade auch mit Blick auf eine Gegenwart, die zum Teil ähnliche soziale Muster zeigt, sich zum Teil aber auch von der Weimarer Republik unterscheidet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2026

Ute Daniels Buch über die Weimarer Republik hält für den hier rezensierenden Historiker und Politikwissenschaftler Alexander Gallus wenig Neues bereit. Ja, die Braunschweiger Neuzeithistorikerin setze zwar ein paar individuelle "Akzente" in ihrer Suche nach den Ursachen des Demokratiescheiterns, etwa wenn sie die Machtgewinnung des Militärs als einen Hauptfaktor hervorhebt oder, für Gallus überzeugend, ein "Schulden-, Reparations- und Steuervermeidungskarussell" herausarbeitet. Aber leider mangelt es für den Kritiker trotzdem in mehreren Belangen: irritiert ist er etwa von Daniels Beschränkung auf linksliberale Stimmen; "rechtsbürgerliche", "konservativ-revolutionäre" oder kommunistische Stimmen fehlen hingegen komplett. Auch, wie Daniel kontroversere historische Positionen (etwa zur Ermordung des Finanzministers Matthias Erzberger) mit der Behauptung der Irrelevanz beiseite wische, führe zwar zu großer "Stringenz" in ihrer Argumentation, sei aber eigentlich fachlich ungenau; und auch andere Aspekte geraten dem Kritiker zu "unkritisch". Für Gallus letztlich ein "Stück wohlbekannter Pathologiehistorie".

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