Text von Martin Prinzhorn. Auf insgesamt 40 mittelformatigen Farbfotografien schickt uns Walter Niedermayr in die Welt des ewigen Eises: auf den über 3000 m hoch gelegenen Schweizer Titlis-Gletscher, der sich stolz über die Begrenzung von Raum und Zeit erhebt. Nur die Menschen, die sich in bunter Freizeitkleidung in der entrückt wirkenden Landschaft bewegen, zeugen von einem zivilisatorischen Eingriff. Sie transformieren den alpinen Raum - ehemals Paradigma einer Ästhetik des Erhabenen - in einen trivialen Freizeitort, der von den Gesetzen des Konsums bestimmt wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.03.2004
Daniel Kothenschulte ist sich nicht ganz sicher, ob man die Fotografiegeschichte tatsächlich auf die Entwicklung von der Kunstfotografie zur Fotokunst reduzieren darf. Denn wie, fragt er, habe man dann den Umstand zu interpretieren, dass sich einige Künstler neuerdings wieder mit dem "alten Piktoralismus" und den "Verlockungen malerischer Aura" befassten und sich damit in die Tradition der Jahrhundertwende stellten? Zu diesen Künstlern gehören laut Kothenschulte der Deutsche Elgar Esser mit seinen Postkartenlandschaften und der Italiener Walter Niedermayr, der die pathetische Bergfotografie für sich entdeckt hat. Niedermayrs gewaltige Formate ersetzten ein anderes Medium des 19. Jahrhundert, analysiert Kothenschulte: das Panorama. Der Schweizer Titlisgletscher, den Niedermayr fotografiert hat, ist heute ein bequemer Erlebnispark, weiß der Rezensent, wo man der Natur "ein virtuelles Panorama" errichtet habe. Indem Niedermayr sich dessen bediene, verschwinde das stolze Bergpanorama seltsamerweise in konturenlosem wattigen Weiß, stellt Kothenschulte erstaunt fest: der einstige stolze Rahmen der Malereitradition entfalle damit.
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