Ca7riel & Paco Amoroso aus Buenos Aires begreifen die "Pop- und Jazzgeschichte als Selbstbedienungsladen mit Express-Checkout" und mauserten sich damit in den spanischsprachigen Ländern und auch schon in den USA zu einer absoluten "Popsensation", schwärmt Andrian Kreye in der SZ. Aktuell ist das Duo auch auf Stippvisite in den deutschsprachigen Ländern. "Jazzfunk, Hip-Hop und der ganz große Mitpfeif-Pop sind das Fundament, auf dem sie die Bälle dann hüpfen lassen. Keine Nische ist zu klein, als dass sie nicht besucht wird. Solche Melangen wirken in der Beschreibung schnell beliebig. In den Händen von Könnern verschmilzt das durchaus zu einem großen Ganzen." Die Texte sind "in all ihrer Direktheit" geradezu unübersetzbar eindeutig zweideutig. "Auf der Bühne unterstreichen die beiden das dann noch mit einer superathletischen Körpersprache. Muss man erstmal leisten, wenn sie zum Beispiel eine Choreografie mit schweren Schwungseilen aus dem Gym durchpowern oder auch einfach so lange auf und ab springen, bis die Menge in einer einzigen Pogo-Welle explodiert."
Weiteres: Die aktuelle Kontroverse um EdSheeran in den letzten Tagen zeige, "wie das Konzept eines unpolitischen Popstars in der Gegenwart an seine Grenzen gerät", schreibt Sinem Kılıç auf ZeitOnline. Dem Regisseur ShakedGoren ist es für seinen eben in Israel gezeigten Dokumentarfilm "Esther" gelungen, den einstigen Schlagerstar Esther Ofarim nach vielen Jahren des Schweigens zumindest via Telefoninterviews zurück in die Öffentlichkeit zu bringen, schreibt Tal Sterngast in der FAZ. Besprochen werden das vierte von insgesamt 26 Comeback-Konzerten von CélineDion in Paris (Welt) und der Auftritt von Evanescence in Frankfurt (FR).
In der Frankfurter Pop-Anthologie der FAZ schreibt Jens Buchholz über Annette und Inga Humpes "Don't know where I belong" von 1985: "ein Song über Orientierungslosigkeit, über die Flucht vor der Vergangenheit und die Suche nach Heimat und Identität" nach dem Ende der NDW, in der die Humpes bekannt wurden.
Bei den MünchnerPhilharmonikern hat LahavShani sein Antrittskonzert als neuer Chefdirigent gegeben. Er tritt damit die Nachfolge von ValeryGergiev an, der für seine russischen Verstrickungen 2022 vorzeitig gekündigt wurde. "Wo bei Gergiev musikalische Macht und groß besetzte romantische Symphonik dominierten, schlägt Shani zum Start (...) mit einem modernen, diskursivenProgramm auf", schreibt Rita Argauer in der SZ: "nur Musik des 20. Jahrhunderts, neben Bernstein noch Ravels Klavierkonzert in G-Dur (Solistin MarthaArgerich: großartig, voller Präsenz und trotzdem mit einer souveränen Lässigkeit) und Strawinskys 'Le Sacre du printemps'. ... Shani ist mit 37 Jahren der jüngste Philharmoniker-Chef seit hundert Jahren, das hört man, und die Philharmoniker wollen mit diesem Programm auch unbedingt zeigen, wozu sie in der Lage sind. Das Orchester setzt damit aber auch die Linie fort, die es in den chefdirigentenlosen Jahren nach Gergievs Weggang begonnen hat: frische Programme, die näher an der Gegenwart und vor allem energetisch und gestisch ganz im Jetzt musiziert sind." Das Konzert steht bei Arte online:
"Unter meinen Altersgenossen hat die Klage über den Niedergang beziehungsweise das Verschwinden der Musikkritik die Klage über den Niedergang beziehungsweise das Verschwinden der Popmusik mittlerweile als Jammertopthema abgelöst", stöhnt Detlef Diederichsen in der taz. Doch "dazu gehört natürlich das selektive Vergessen", schließlich war auch früher schon bei weitem nicht jede Musikkritik Gold. "Und genau wie die interessante Musik kamen die interessanten Texte nicht etwa dort her, wo man gut verdienen konnte, sondern aus dem Selbstausbeutungsuntergrund. 'Will music criticism survive?', fragte embedded.com im Sommer etablierte US-Musikkritiker*innen. Viel fällt den von der vermeintlichen Krise primär Betroffenen nicht ein. 'Ich kann noch immer davon leben, was das Einzige ist, was mich an einem Job interessiert', meldet etwa Robert Christgau, 'dean of American rock critics'. ... Pitchfork-Kolumnist Kieran Press-Reynolds bleibt gelassen: 'Musikkritik im Video boomt, es gibt eine Menge Rezensions-Substacks und eine neue Generation. Die Frage bleibt, wie viele Leute bezahlen werden.'" Weiteres: Ulrich Gutmair spricht in der taz mit StephanEicher, der zu NDW-Zeiten bei Grauzone ("Eisbär") gespielt hat, heute aber mit Chansons vorlieb nimmt. Juliane Liebert plaudert für Zeit Online mit Beck. Für die NMZporträtiert Paul Zoder den Trompeter MarcoBlaauw. In der FAS porträtiert Alana Tongers Nate Amos, der als This is Lorelei Musik veröffentlicht. In der FAZ gratuliert Wolfgang Sandner dem Jazzsaxofonisten SteveColeman zum 70. Geburtstag. Johanna Adorján schreibt in der SZ einen Nachruf auf CatherineRinger. Sven Beckstette blickt für die taz zurück auf JohnColtrane, der vor hundert Jahren geboren wurde. Mit dem Album "A Love Supreme" gelang dem Jazzsaxofonisten jenes "Wunder, das für jede Heiligsprechung notwendig ist", schreibt Beckstette.
Besprochen werden der von Paavo Järvi dirigierte Saisonauftakt des Tonhalle-OrchestersZürich mit der Pianistin KhatiaBuniatishvili (NZZ) und "Bass Pesuades", das neue Album von MileyCyrus, die auf ihren Nachnamen nun allerdings verzichtet (Standard, Welt, SZ).
Axel Brüggemann hat in BackstageClassicalsehr viele Fragen zum Einflussöffentlich-rechtlicherSender wie ZDF und Arte mit Medienproduktionen auf den Klassik- undOpernbetrieb. Die Pressestellen haben ihm zwar knapp geantwortet, aber das Wesentliche bleibt unklar. Wenn etwa "der künstlerische Leiter eines Konzertfestivals zugleich Geschäftsführer der Produktionsfirma ist, mit der das ZDF einen Koproduktionsvertrag abschließt, wäre es schon interessant zu wissen, wie viel öffentlich-rechtliches Geld innerhalb dieses Gesamtprojektes fließt." Und "ermöglicht die Aussicht auf ZDF und ARTE erst eine andere wirtschaftliche Kalkulation - und damit vielleicht auch ein anderes Programm? Dann würde Fernsehen nicht nur darüber entscheiden, welche Kultur sichtbar wird, eine TV-Kooperation könnte auch Einfluss darauf haben, welche Kultur überhaupt finanzierbar wird." Und "was passiert, wenn ARTE, ZDF oder ORF ihre Koproduktionsanteile reduzieren? Springen dann die Opernhäuser und Orchester ein? Neue Sponsoren? Oder werden schlicht weniger Aufführungen produziert?"
Weiteres: Die Agenturen melden, dass Irland auch im nächsten Jahr den ESC wegen Israel boykottieren will. Besprochen werden CélineDions Comeback-Konzerte in Paris (NZZ) und das neue Album "Club Imperiale" des Organisten MaximeDenuc (tazler Lars Fleischman hört "Musik, die sich dem Postpathos verschrieben hat, nicht Teil der Neo-Klassik-Bewegung sein möchte, dabei aber geradezu obsessiv in Registern wie 'überwältigend' denkt").
Nachdem die Veranstalter der Welttournee des Schmuse-Popper EdSheeran den Rapper Macklemore als Vormusiker wegen "Free Palestine"-Sprüchen auf der Bühne ausgeladen haben, haben aus Protest auch seine anderen Vorgruppen abgesagt. Sheeran möchte sich überhaupt nicht zum Gazakonflikt äußern. Hinter der Absage, schreibt Philipp Bovermann in der SZ, stehe wohl konkret "der Milliardär RobertKraft, dem das Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts, gehört. ... Dem widersprach Kraft nicht, als er sich am Dienstag gegenüber verschiedenen Medien in einer Stellungnahme äußerte. Die Entscheidung, sagte er, beruhe nicht nur auf diesem einzelnen Auftritt des Rappers, sondern auf 'einer längeren Geschichte antisemitischer Rhetorik und Bildsprache, die unserer Meinung nach für die jüdische Gemeinschaft zutiefst beleidigend und verletzend war'." Ein Auftritt von 2014 in Kostümierung einer antisemitischen Karikatur ist tatsächlich besonders abstoßend, hier ein Artikel der BBC von damals.
Auch in Macklemores jüngerem Schaffen finden sich antisemitische Motive, schreibt Jana Kehl in der NZZ: "Seine Reden und Lieder sind durchzogen von Relativierungen der Shoah, faktischer Parteinahme für die Hamas und antisemitisch gefärbten Verschwörungstheorien. Das bekannteste Beispiel ist das im letzten Jahr veröffentlichte Lied 'Fucked Up'. Im Musikvideo dazu wird eine Dollarnote eingeblendet, die mit einer israelischen Flagge verwoben ist. ... Jüdisches Geld manipuliere Medien und 'Eliten', suggeriert Macklemore mehrfach." Jan Wiele schüttelt in der FAZ den Kopf darüber, dass das "Freihalten eines Popkonzerts von Bekenntniszwang heute nicht nur als außergewöhnlich empfunden wird, sondern als ungehörig, ja skandalös". Den Versuch, Konzerte frei von Politik zu halten, hält Wiele eigentlich sogar für "erfrischend, weil es so unglaublich langweilig und kaum weltverbessernd wäre, wenn Theateraufführungen, Filmfestivals, Buchmessen und sogar Schmusekonzerte nur noch Abschussrampen für Parolen sein sollten."
Weiteres: In der Zeit verwebt Christian Staas das letzte Interview, das JohnColtrane gegeben hat, zu einem biografischen Essay über den vor hundert Jahren geborenen Jazzsaxofon-Pionier. Besprochen werden das neue Soloalbum von FarinUrlaub (Standard) und ein Konzert von Anna Lapwood in Frankfurt (FR).
Albrecht Selge berichtet für VAN vom Musikfest Berlin, beim von VladimirJurowski dirigierten Abend mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester gab es unter anderem EdisonDenissows "Peinture" von 1970 zu hören. Der Vorab-Vortrag des Dirigenten geriet zwar etwas konfus, sodass sich "mancher Hörer warum? fragen" wollte - und war auch eher unnötig, denn das Werk "spricht eindrucksvoll für sich, so überfordert man sich beim einmaligen Hören auch fühlen mag (da es nur zehn Minuten dauert, hätte man es statt zwanzigminütiger Vorrede vielleicht zweimal spielen sollen). 'Verschönerte Zwölftonmusik', wie Jurowski das nennt, ist allerdings ein feiner Begriff. Man hört dieser Musik in betrachtender Haltung zu, und wenn man all die instrumentalen Stimmen und musikalischen Farben sich übereinander schichten erlebt, steht außer Zweifel, dass hier eines der kunstvollsten Orchestergebilde des gesamten Musikfests zu hören ist. Warum die Musik von Denissow, der ein Weggefährte von Gubaidulina und Schnittke war, hierzulande derart selten zu hören ist, lässt sich nur aus ihrem Anspruch erklären, nicht aus einem Mangel an Kunstfertigkeit."
Hier eine Aufnahme aus den Neunzigern:
Weitere Artikel: Sylvia Prahl stellt in der taz die experimentellen Musikarbeiten der Berlinerin JessieMarino vor, die zwischen Folk, Jazz und Noise liegen. Auf BackstageClassicalärgert sich Werner Dabringhaus vom Klassiklabel MDG, dass Instagram dort mit Aufnahmen aus dem eigenen Katalog unterlegte Videos per KI-Beschluss vom Netz nimmt, weil diese angeblich gegen die Rechte von Sony verstoßen würden. In der NZZ porträtiert Dorothea Walchshäusl die georgische Pianistin KhatiaBuniatishvili. Dagmar Leischow spricht in der taz mit Alexander Schulz über die Lage des Reeperbahnfestivals, das er leitet. Holger Noltze erinnert in VAN an den von den Nazis einst vertriebenen Dirigenten BrunoWalter, mit dessen Aufführung von Mahlers Neunter am 16. Januar 1938 mit den WienerPhilharmonikern für Noltze das alte Europa endete - danach musste Walter fliehen. Von dem Abend gibt es ein Dokument:
Besprochen wird ein Bach-Abend mit dem Notre-Dame-Organisten OlivierLatry in Frankfurt (FR).
Und eine traurige Nachricht: CatherineRinger von "Les Rita Misouko" ist mit 68 Jahren gestorben. Das ziemlich ungewöhnliche Lied "Marcia" von 1984 war ihr größter Hit:
Christian Wildhagen resümiert für die NZZ das LucerneFestival, dessen Motto "American Dreams" sich im Programm nur mit einer "eigenartigen Halbherzigkeit" niedergeschlagen hat - und im Kernbereich der "großen Sinfoniekonzerte" war kurz nach dem Auftakt sogar "fast gar nichts mehr von dem Motto zu spüren. Dahinter steht das von vielen Veranstaltern beklagte Problem, dass führende Gastorchester während ihrer Sommertourneen immer weniger bereit sind, zusätzliche Stücke mit Bezügen auf die allfälligen Themenschwerpunkte ihrer Gastspielorte in die Programme aufzunehmen. Wenn Spitzenensembles allerdings überall dieselben Werkfolgen reproduzieren, wird der Festspielbetrieb, der eigentlich das Einzigartige bieten will, in der Perspektive austauschbar."
Weitere Artikel: Der Song "Petit Pêcheur", mit dem ManonLisa in Frankreich in den letzten Wochen einen Sommerhit landen konnte, basiert auf HeinrichBölls 1963 veröffentlichter Kurzgeschichte "Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral", erklärt Niklas Maak in der FAZ. Hans-Jürgen Linke erinnert in der FR an Heinz Werner Wunderlich, den Begründer der Frankfurter Konzertreihe "Jazz im Palmengarten", der heute 100 Jahre alt geworden wäre. Julian Weber schreibt in der taz einen Nachruf auf den US-Punkrocker CheetahChrome. Besprochen werden neue Popveröffentlichungen, darunter das neue Album von My Ugly Clementine ("altbewährt, aber gut", meint Jakob Thaller im Standard).
Julia Lorenz war für ZeitOnline in Paris, wo CélineDion nach Jahren schwerer Krankheit ihr erstes von zahlreichen Comeback-Konzerten absolviert hat. Berührend findet es Lorenz, dass sie "fast klingt wie immer - aber eben nur fast. Ein weniger roher als auf alten Aufnahmen hört sich ihre berühmte Stimme an, in manchen Momenten wie eine Raupe, die über Sandpapier kriecht. Selten geht mal ein Ton daneben, nur einmal muss sie neu ansetzen. Es wäre falsch zu sagen, dass das egal ist. Natürlich sind Patzer ein Thema im Konzert einer notorischen Perfektionistin. Aber hier und heute sind sie vor allem ziemlich wundervoll. Céline Dion klingt wie ein Mensch, der Schlimmes erlebt hat, ohne ihren Mythos zu beschädigen."
Weitere Artikel: In der NZZ porträtiert Marco Frei den brasilianischen Sopranisten BrunodeSá, dessen "Stimme die höchsten Frauensoprane überflügelt". Jan Wiele plaudert für die FAZ mit Sébastien Collin, dem Manager der Anfang des Jahres nach einem Konzert für KEXP sensationell durch die Decke gegangenen dadaistischen Math-Rock-Band AnginedePoitrine, die nur verkleidet und anonym auftritt. Jan Röhnert erinnert in den "Actionszenen der Weltliteratur" an die Entführung des italienischen Cantautores Fabrizio De André im Sommer 1979.
Besprochen werden ein Konzert der Toten Hosen in Wien (Standard) und die von Philipp von Steinaecker dirigierte, auf Originalinstrumenten eingespielte Aufnahme von Mahlers fünfter Sinfonie ("Hier kommt Rettung für alle, die der Mahler-Überdrussgepackthat", jubelt Clemens Haustein in der FAZ).
In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Timas Deppert über 2Pacs "So Many Tears":
Bestellen Sie bei eichendorff21!Schon 2020 hatte sich der Musikjournalist Moritz Weber in einem Radiofeature für den SRF anhand der zärtlichen, erotisch aufgeladenen Briefe an Tytus Woyciechowski mit Frédéric Chopins mutmaßlicher Homosexualität beschäftigt. Nun hat er seine Recherchen vertieft und mit "Chopins Männer" ein umfangreiches Buch veröffentlicht (mehr dazu bereits hier). War Chopin also schwul? "Diese Diskussion ist nötig", schreibt Jan Brachmann in der FAZ, zumal von Biografen und Folkloristen frei erfundene Liebesbeziehungen mit Frauen weiterhin zur Deutung mancher Chopin-Werke herangezogen werden. "Homosexuelle Beziehungen werden als irrelevant für die Kunstleistung eines Autors abgetan, während die Beziehungen von Robert zu Clara Schumann, von Richard Wagner zu Mathilde Wesendonck oder von Ludwig van Beethoven zu Josephine von Brunswick als zentral angesehen werden." Doch "so wie Robert Schumann seine fis-Moll-Klaviersonate als einen einzigen Schrei nach Clara beschrieb, beschreibt freilich auch Chopin seinen Des-Dur-Walzer als klingende Gegenwart des Mannes, den er liebte."
Weitere Artikel: Dirk Schneider spricht für die taz mit KevinRowland, dem Sänger der DexysMidnightRunners, die mit "Love" gerade ein neues Album veröffentlicht haben. Für die Seite Drei der SZ berichtet Oliver Meiler aus Paris, wo CelineDion nach langer Krankheit satte 16 Comeback-Konzerte geben wird (mehr dazu auch im Standard). Martin Scholz plaudert in der WamS mit dem Comedian BülentCeylan, der gerade sein zweites Metal-Album veröffentlicht hat.
Besprochen werden ChristophSators Buch "La Vie en Rose. Frankreich in 100 Chansons" (FR), Jorja Smiths Album "What Are the Odds" ("Der für sie charakteristische, lasziv-getragene Gesang steht in einem reizvollen Paradoxon zur Musik", schreibt Stefan Michalzik in der FR) und "Typologie eines Lebens", das neue Album der Berliner Rapperin Ebow (Zeit Online).
Einerseits ist das natürlich erfreulich, wenn die BerlinerPhilharmoniker Bilanz ziehen und stolz verkünden, welchen Wert sie Berlin liefern, schreibt Karl Keller auf Backstage Classical. Doch sind solche Kalkulationen mindestens ein zweischneidiges Schwert: "Jede Rechnung dieser Art verschiebt den Streit von der Kunstfreiheit zur Zweckmäßigkeit - und dort ist Kultur nicht geschützt. Das Wirtschaftlichkeitsargument ist dann kein Ziel mehr, sondern ein praktischer Türöffner. Die Freiheit der Kunst steht im Grundgesetz. Wer sie beschneiden will, muss damit rechnen, in Karlsruhe zu landen. Wer das Geld streicht, braucht nur eine Mehrheit. Ein Orchester, das sich selbst zum 'effizienten Kulturbetrieb' erklärt, hat die Diskussion damit freundlicherweise schon in den kleineren Raum verlegt."
In den Neunzigern zählte die amerikanische Punkband TeamDresch zur Speerspitze von RiotGrrrl und Queercore, nach dreißig Jahren kehrt die Band nun in Originalbesetzung mit dem neuen Album "Furthermore" zurück. Die Platte "aktualisiert die Haltung des Quintetts angesichts einer Gegenwart, die weltweit von Rechtsruck, einem Rollback von sexueller Selbstbestimmung und Hassattacken auf queere Menschen gekennzeichnet ist", schreibt Jana Sotzko in der taz. "Insbesondere das Debütalbum 'Personal Best' gilt als Musterbeispiel explosiver Punkenergie, mit dem Auftaktsong 'Fagetarian and Dyke' als Einfallstor in eine Ästhetik der Dringlichkeit. Im Vergleich beginnt 'Furthermore' verhaltener, macht aber mit dem vertrackten Rhythmus der Vorabsingle "One Song" deutlich, dass das Songwriting aktuell mindestens so smart ist."
Weitere Artikel: Stefan Frommann spricht für die Welt mit Popstar ToveLo. Besprochen werden TySegalls neues Album "Chrome" (taz) und ein von ManfredHoneck dirigiertes Dvořák-Konzert des PittsburghSymphonyOrchestra in Wien (Standard).
Und an diesem Tag: dieser Liebesbrief der Beastie Boys aus dem Jahr 2004 an New York:
Große Konzerte, Social-Media-Interventionen und ähnliche Kampagnen: Aber was hat der große popkulturelle Aufriss vor der Wahl in Sachsen-Anhalt eigentlich genutzt, wenn am Abend dann doch die Demokratiefeinde der AfD Rekordergebnisse eingefahren haben, fragt sich Jens Balzer in der Zeit. All der Aufwand sitzt dem Irrglauben auf, dass sich mit Pop insbesondere noch jungeLeute erreichen lassen. Doch "in weiten Teilen des Landes hat sich eine rechte Jugendkultur formiert, die einen eigenenLifestyle besitzt, einen eigenen Habitus und auch eigene Codes - aber keinen eigenen Soundtrack. Es gibt keine großen rechten Popstars, denn Popmusik spielt für diese neue rechte Jugendkultur überhaupt keine Rolle mehr, jedenfalls nicht in dem Sinn, dass sich daraus politische Effekte erkennen ließen. ... Ein Künstler, der sich gegen die AfD äußert, kann nicht mehr davon ausgehen, dass seine Fans ebenfalls allesamt gegen die AfD sind - wenn er sich nicht gerade auf einer Wahlkampfveranstaltung oder einem Soli-Festival befindet."
Weiteres: Christine Lemke-Matwey spricht für die Zeit mit IgorLevit, der sich mit NoSilence ein eigenes Musiklabel aufbauen will, auf dem er Haltung "für Schönheit, für Mut, gegen Konformismus, gegen Extremismus, für Menschlichkeit" zeigen will. Auf Backstage Classicalärgert sich Axel Brüggemann, dass der SWR es bei an Brüggemann gerichtete Presseanfragen zwar ganz genau wissen will, bei entsprechenden Nachfragen an sich allerdings sehr schmallippig und einsilbig wird. Max Nyffeler erzählt in der FAZ von seinem Besuch bei der seit 2023 in der einstigen Villa des Komponisten bei Luzern ansässigen Sergei Rachmaninow Foundation, wo in Rachmaninows Musikraum nun wieder Raum für kleine Matinees ist. In der NMZdenkt Michael Kube über Raumakustik nach.
Besprochen werden ein Abend zu Ehren von CharlieParker mit dem Jan-Prax-Quartett in Frankfurt (FR), das neue Album von Tokio Hotel (Zeit) und ein italienischer Liederabend mit ChristianeKarg und MauroPeter in Frankfurt (FR).
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Christiane Solte-Gresser: Traum und Reparation Traumerzählungen bilden einen entscheidenden Teil unseres Wissens über die Shoah. Für zahlreiche Überlebende sind sie eine Strategie des Weiterlebens: Sie drücken Erfahrungen…
Alexander Demandt: Geschönte Geschichte Mit 21 Schwarzweißabbildungen und 18 Farbabbildungen in einem Tafelteil. Fake News sind eine Erfindung moderner Autokraten und irrlichternder US-Präsidenten? Keineswegs!…
Julian Nicolai Hofmann (Hg.), Veith Selk (Hg.): Postliberalismus? Die Vorherrschaft des Liberalismus scheint ihrem Ende entgegenzugehen. Angesichts sich verschärfender geopolitischer Krisen und der beschleunigten Erosion liberaler Demokratien…
Karsten Dusse: Filmriss auf Immenhof Trippel. Trappel. Tot.Die Kriminalpsychologin Sophia, geschieden, zweifache Teenager-Mutter und gerade wieder frisch getrennt, schenkt sich zum 45. Geburtstag ein Wochenende…
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