Im Kino

Think Pink

Die Filmkolumne. Von Stefanie Diekmann
18.08.2026. Detailfixiertes Fantum und medienwissenschaftliche Generalkompetenz geraten in Jane Schoenbruns hochreflexiven Horrorfilm "Teenage Sex and Death at Camp Miasma" aneinander. Die etwas enttäuschende Reiseroute des Films lautet: zurück zum Körper. Das Glück hingegen lauert in der Wiederholung.

Der Film "Teenage Love and Death at Camp Miasma" (USA 2026) hat einen interessanten Vorspann: zwei, drei Minuten, in denen die Story von Erfolg und Absturz eines Slasher Franchise als komprimierte Medien- und Diskursgeschichte erzählt wird. Es beginnt mit Filmplakaten, Zeitungsartikeln, Pressefotos (Topos: wütende Konservative vor Premiere-Kinos), gefolgt von Fanzines, Szenenbildern, Merchandise, den Blicken auf VHS- und DVD-Stapel mit den Sequels 1 bis 7, VoD-Ankündigungen, Branchenblätter und Zuschauerzahlen, bis irgendwann die ersten Fan-Foren im Internet auftauchen. Daran schließen Websites, Blogs sowie am Ende online publizierte Artikel eines bestimmten Typs an, deren Überschriften eine queerfeministische Lektüre ankündigen und die transphobe Ausrichtung des fiktiven Horrorklassikers "Camp Miasma" in den Blick nehmen.

Der filmtheoretischen Hypothese, dass der Vorspann eines Spielfilms immer auch als Reflexion der folgenden Handlung zu betrachten sei, entsprechen die zwei, drei Minuten zu Beginn geradezu perfekt. Nicht nur, weil obsessive Medienbeziehungen bereits in dieser Initialphase eine Rolle spielen. Sondern auch, weil zwischen dem ersten Filmplakat und der letzten Online-Überschrift die Überlagerung zweier Formen des Wissens in Szene gesetzt wird. Zum einen die detailorientierte, materialfixierte Spezialkompetenz der Fans und Follower. Zum anderen das theorieaffine, akademisch geprägte Wissen (Film, Media, Queer and Gender Studies, Visual Culture), das irgendwann auf jeden Gegenstand applizierbar scheint, auch auf jenen fiktiven Slasher, der um 1990 gedreht und dann gnadenlos fortgesetzt worden ist, bis zur ersten Goldenen Himbeere und VoD-Zugriffszahlen im unteren zweitstelligen Bereich.

In der Protagonistin Kris (Hannah Einbinder), die ihre Begegnung mit dem originalen "Camp Miasma" als Epiphanie und Entdeckung ihrer queeren Sexualität beschreibt, koexistieren beide Wissensformen. Was nicht heißt, dass sie in ihr versöhnt wären. Im Gegenteil: Die Kopräsenz, die im Vorspann gekonnt beiläufig hergestellt wird, ist der zentrale Konflikt (auch: die backstory wound) dieser Figur, die den Auftrag hat, das runtergerockte Franchise für die diskriminierungssensible Gen-Z zu adaptieren, und sich ziemlich schnell mit der alten Spielregel konfrontiert sieht, dass Wunscherfüllungen die Tendenz haben, sich in Horrorstories zu transformieren. (Vergleiche Curry Barkers "Obsession", USA 2025, in dem dasselbe Prinzip offensiv auserzählt wird.)


Wie die meisten ambitionierten Horrorfilme führt auch "Teenage Love and Death", Jane Schoenbruns dritter Langfilm nach "We Are All Going to the World's Fair" (2021) und "I Saw the TV Glow" (2024) bekannte Elemente etwas angestrengt zusammen. Eine kollektive Schuld in der Vergangenheit, eine Figur, die nicht ganz tot ist. Dunkelheit und Wasser. Vorboten und Warnungen. Eine dämonische Diva und mehr als ein Moment der Angst, des Begehrens sowie der Zustände, in denen zwischen beiden nicht mehr zu unterscheiden ist. Treppen, Türen, ein paar tote Winkel. Medienapparate, die das Portal zur Begegnung mit den Geistern der Vergangenheit öffnen. Das alles ergänzt durch weitere Referenzen auf Motive und Einstellungen aus mindestens vier Jahrzehnten Filmgeschichte. Das Horrorgenre ist auch ein Genre der Wiederholungen, die sich in ihm nicht exklusiv, aber besonders programmatisch und lustvoll entfalten. Auf Lust und die Bedingungen ihrer Entfaltung kommt es in "Teenage Love and Death" letztlich an.

Die Storyline, die sich daraus ergibt, erscheint in mancher Hinsicht konventionell, wenn nicht konservativ. "She lives more in her head than in her body", sagt die dämonische Diva Billy Preston (Gillian Anderson; ziemlich toll) nach dem ersten gemeinsamen Abend über Kris, womit die Reiseroute für den Rest des Films vorgegeben ist: zurück zum Körper. Allerdings: Zurück zum Körper geht im Kino selten ohne Sex, und Sex geht im Horrorfilm selten ohne Gemetzel; die Makro-Dramaturgie des Franchise allerdings bietet die Perspektive, dass das Gemetzel nicht unbedingt als final betrachtet werden muss, was erst einmal verstörend klingt, in manchen Fällen aber auch eine Idee ist, mit der man sich anfreunden kann.

Das Glück, das in der Wiederholung besteht, schimmert in den letzten Minuten von "Teenage Love and Death at Camp Miasma" in vielen Rosatönen, die sich im Verlauf des Films hier und da ankündigen und am Ende die ganze Leinwand füllen. Think Pink: Wer begehrt und nach Wunscherfüllung strebt, sollte sich besser nicht zu sehr fürchten. Zumal der kleine Tod, der in der Tiefe des Sees wohnt, früher oder später zurückkehren wird.

Stefanie Diekmann

Teenage Love and Death at Camp Miasma - USA 2026 - Regie: Jane Schönbrunn - Darsteller: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Jack Haven, Arthur Conti, Eva Victor - Laufzeit: 112 Minuten.