9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Heute bin ich stark

26.02.2026. In einem Offenen Brief fordern Deutsch-Iraner die Bundesregierung auf, strafrechtlich gegen die iranische Regierung zu ermitteln. Die Welt rätselt, was die Folgen für Nigel Farages Partei "Reform UK" sind, nachdem sich ein Rechtsaußen-Zweig als "Restore UK" abgespalten hat. In der NZZ erklärt Anna Schor-Tschudnowskaja, wie Putin mit dem Uni-Fach "soziale Architektur" eine vollkommen zufriedene Bevölkerung heranziehen will. China will das auch, mit der "Xi-Jinping-Lehre", informiert Zeit online. Keine Ausweispflicht im Netz, fordert der Kommunikationswissenschafter Christian Pieter Hoffmann in der NZZ.

Netz bedeutet Verstrickung

25.02.2026. Eva Illouz analysiert in einem Essay für Le Grand continent den Epstein-Skandal: Epstein ist für sie keine "Perversion", sondern er "verkörperte das Paradigma des Erfolgs im globalisierten Finanzkapitalismus". In Zeit online benennt die Osteuropahistorikerin Tanja Penter Lücken der deutschen Erinnerungskultur im Blick auf den Zweiten Weltkrieg. Polen hat trotz der inzwischen liberalen Regierung immer noch die schärfsten Abtreibungsgesetze Europas - europäische Netzwerke und Initivativen verbessern laut taz die Lage. Die taz fragt auch, ob man Ungarn nicht einfach aus der EU rausschmeißen sollte - die Antwort ist Nein.  

Enorme Anstrengungen

24.02.2026. Putins Vernichtungskrieg gegen die Ukraine geht ins fünfte Jahr. Claus Leggewie schlägt im Perlentaucher ein Russland-Tribunal vor, professionell besetzt, das schon mal zur Beweisaufnahme schreitet. Der Guardian erzählt, wie amerikanische und britische Geheimdienste Berlin und Paris über den bevorstehenden Angriff informierten - aber die wollten es nicht glauben. Der Autor Sergey Maidukov erzählt in der in der SZ, was der Krieg die Ukrainer kostet. Roderich Kiesewetter kritisiert im Ronzheimer-Podcast Friedrich Merz, der seinen Versprechen keine Taten folgen lässt. 

Palimpsest der Zerstörung

23.02.2026. Der Ukrainekrieg dauert nun fast so lange wie der Erste Weltkrieg. Der in München lehrende Slawist Riccardo Nicolosi versucht in der FAZ herauszufinden, was Putin "eigentlich will": Es könnte auf eine Ausweitung des Krieges hinauslaufen. Die Zeitungen blättern mit Befremden durch ein neues Konkurrenzprodukt: Holger Friedrichs Ostdeutsche Allgemeine. Aber auch die Jubiläumsausgabe der Zeit befremdet die FAZ. Die NZZ erzählt, wie der Iran Propaganda macht - und wieviele Millarden Dollar das Regime dafür ausgibt.

Menschen wie du und ich

21.02.2026. In der ukrainischen Armee "kämpfen ganz normale Bürger, keine Superhelden oder Außerirdischen", erinnert der ukrainische Schriftsteller und Soldat Serhij Zhadan im taz-Interview. Die FAZ überlegt, was die Verhaftung von Ex-Prinz Andrew für den Fortbestand der britischen Monarchie bedeuten könnte. In der FR glaubt der Autor Joseph Croitoru nicht an einen amerikanischen Angriff auf Iran in nächster Zeit. In der SZ erklärt die Soziologin Irène Théry, wie "MeToo" den Feminismus vorangebracht hat.  

xx und xy

20.02.2026. Wenn du als Frau eine Frau liebst, kannst du trotzdem mit Freude eine Frau sein, versichert Alice Schwarzer den jüngeren Generationen im Tagesspiegel. Schwarzer ist gar keine Feministin, findet die taz. In der FAZ erzählt Irina Rastorgujewa, wie russische Soldaten bestraft werden, wenn sie sich nicht verheizen lassen wollen. Nachdem Linksextreme in Frankreich einen Rechtsextremen ermordeten und sich herausstellte, dass diese Linksextremen der Linkspartei "Unbeugsames Frankreich" nahestehen - stellt sich die Frage nach unscharfen Rändern zur gewaltbereiten Szene, und zwar sowohl links, als auch rechts, findet lejournal.info

Man ist nie stimmungslos in der Welt

19.02.2026. In der taz fragt Nobelpreisträger Denis Mukwege: Warum interessiert sich niemand für den jetzt dreißig Jahre dauernden Krieg im Kongo? Die Demonstrationen junger Menschen in Bangladesch, Nepal oder Indonesien, die sich um eine bessere Zukunft gebracht sehen, könnten Vorbild auch im Westen sein, meint Alexander Görlach in der NZZ. Die Demokratie muss weiterentwickelt werden, wenn sie Antworten auf die Probleme dieser Zeit finden soll, denkt auch Jörg Baberowski in der FR. In der SZ wundert sich der Autor Jonathan Guggenberger über Zensurvorwürfe propalästinensischer Stimmen: sie würden sogar staatlich gefördert. Die Zeit trifft den Gründer des rechten Magazins Apollo News.

Leichtfertige Unvernunft

18.02.2026. Am Samstag demonstrierten 250.000 Menschen in München gegen die Regierung im Iran. Doch wo war die Linke, fragt die SZ. Der Tagesspiegel macht sich Sorgen um die iranische Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi, die misshandelt und herzkrank im Gefängnis sitzt. In der FR staunt der Historiker Frank Trentmann über den Provinzialismus der Europäer, die sich nicht auf ein gemeinsames Verteidigungskonzept einigen können. Le Point wundert sich nicht, dass auf einer Demo in Frankreich ein Linker einen Rechten totgetreten hat. Milliardäre wollen immer häufiger auch politische Macht, stellt Amitabh Behar von Oxfam International in der taz fest.

Eine Fülle von traumschönen Heilbädern

17.02.2026. In der NZZ erklärt der russische Wirtschaftswissenschaftler Wladislaw L. Inosemzew, was die von Russland und China gesteuerte "alternative Globalisierung" ist und wie sie Europa bedroht. Wenn jemand etwas gegen russische Einnahmen aus Energie tut, dann Trump, auch in Ungarn und der Slowakei, fällt der taz auf. Wenn es nach den Berliner Grünen geht, können Polizistinnen bald mit Kopftuch herumlaufen, berichtet die Berliner Morgenpost. Die FAZ beleuchtet das Verhältnis zwischen Jeffrey Epstein und dem deutschen KI-Forscher Joscha Bach.

Extreme Giftigkeit

16.02.2026. Es war eine der größten Demonstrationen in der Geschichte Münchens, 250.000 Exiliraner waren in die Stadt gereist - mehr als höfliches Medieninteresse lösen sie nicht aus. Alles wird überstrahlt von Marco Rubios Münchner Rede und den Standing Ovations, die laut Le Monde vor allem von deutschen Politikern in Szene gesetzt wurden. Rubios Diskurse verfangen bei den Medien nicht. Und der Mann reist ja auch schon wieder nach Ungarn ab, wo er sich Inspiration für die Gleichschaltung derselben suchen könnte, meint der Blogger Nick Cohen.