9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Unser Gefühl von Verlorenheit

14.02.2026. Heute wird in München die große Demo für den Iran stattfinden, so schlecht wären die Vroaussetzungen für einen Regime Change auch innerhalb des Landes nicht,  glaubt die taz. In den Tagen der Münchner Sicherheitskonferenz wird in den Zeitungen viel über die tektonischen Verschiebungen der letzten Jahre nachgedacht: Nach 1989 gehen Totalitarismus und Kapitalismus stillschweigend Hand in Hand, fürchtet der exilchinesische Autor Yang Lian in der FAZ. Europa muss neu über seine Souveränität nachdenken, meint Leander Scholz in der NZZ. Die FAS beschreibt, wie es sich die AfD im Komfort der Demokratie gemütlich macht.

Aus Dämmer und Schwarz

13.02.2026. Die Münchner Sicherheitskonferenz ist eröffnet: Zeit online veröffentlicht Serhij Zhadans Rede. In der taz erklärt der SPD-Politiker Danial Ilkhanipour, warum er in München an der Seite von Reza Pahlavi demonstrieren wird. Scharouns Staatsbibliothek in Berlin wird demnächst für elf Jahre schließen, berichten die Zeitungen. Die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten Gebiete Palästinas Francesca Albanese soll zurücktreten, fordern die Außenminister Deutschlands und Frankreichs. Der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für Meinungsfreiheit, David Kaye, fordert in der SZ Meinungsfreiheit, auch für die Parole "From the River to the Sea..."

Eine mysteriöse Realität

12.02.2026. Die FAZ versucht Noam Chomskys Sympathie für Jeffrey Epstein mit Chomskys Sprachtheorie zu enträtseln. In der Zeit denkt der Philosoph Luca Di Blasi über das Geschäftsmodell der Tech-Konzerne nach, während er ohne Smartwatch spazieren geht. Der Medienwissenschaftler Tilman Baumgärtel fragt sich in der taz, warum er auf seine Printartikel kaum noch Reaktionen erhält: Soll er sie als Video-Reels anbieten? Ebenfalls in der taz antwortet der Grünen-Politiker Winfried Nachtwei auf den Brief eines ehemaligen Parteikollegens, der den Grünen "einseitige Militarisierung" vorgeworfen hat und ausgetreten ist.

Wow!!!

11.02.2026. Mehr Zirkus als Aufklärung: Die FAZ ist entsetzt von der Debattenkultur, die die Veröffentlichung der Epstein-Akten in den USA offenbart. Und selbst in diesem Zirkus spielen nur die Männer eine Rolle, klagt die SZ. Wie leicht Epstein die nur nicht gerade arme Prominenz ködern konnte, zeigt Le Monde das Beispiel der Tochter Jack Langs. In der NZZ  hat der Politikwissenschaftler Mahdi Rezaei-Tazik wenig Hoffnung, dass die Amerikaner den Demonstranten im Iran helfen.

Knieschoner an alle

10.02.2026. Die taz erklärt, was "Deathonomics" ist: das Putinsche Wirtschaftssystem, das die Konjunktur mit toten Rekruten heizt. taz und FAZ wundern sich nicht wenig über die Norweger, die sich doch recht intensiv von Jeffrey Epstein bezirzen ließen. Den Ostdeutschen ginge es heute besser, wenn die Jewish Claims Conference keine Entschädigungsforderungen gestellt hätte, meint der Berliner-Zeitung-Verleger Holger Friedrich laut Jüdischer Zeitung. In der SZ rät Literaturwissenschaftler Steffen Martus mit Blick auf Trump Feuer mit Feuer zu bekämpfen.

Und das System versagte

09.02.2026. In der SZ markiert Gary Marcus die Grenzen der Künstlichen Intelligenz. Die taz untersucht das pathologische Verhältnis der westlichen Linken zum Mullah-Regime im Iran. Die taz hat es auch hingekriegt, dass in Oldenburg ein Museum umbenannt wird. In der FAZ fragt der Jurist Uwe Volkmann, ob Demokraten die Schmittsche Freund-Feind-Unterscheidung auf die AfD anwenden sollten. In der SZ macht die Schriftstellerin Shida Bazyar nochmal das Ausmaß der Gewalt gegen iranische Protestierende deutlich.

Futter für geflügelte Katzen

07.02.2026. Europa muss sich wappnen, rät der Politikwissenschaftler Robert Kagan im SZ-Interview, es wird sonst von den drei neuen Raubtierimperien zerfleischt. Der Meinungsforscher Lew Gudkow erklärt in der FAS, warum die Russen in Umfragen angeben, zufrieden mit ihrem Land zu sein, aber eigentlich nur Angst haben. Die Schriftstellerin Judith Schalansky hat in ihrer Dankesrede zum Lessing-Preis, die die FAZ abdruckt, angesichts mächtiger Algorithmen wenig Hoffnung für die Philosophie. Der Medienwissenschaftler Martin Andree fordert in der FAS: Das Internet muss wieder uns allen gehören!

So ziemlich das gesamte Kulturressort

06.02.2026. Warum verschwindet das Thema Ukraine immer mehr aus den Schlagzeilen, fragt die SZ. Die Epstein Files sorgen nach wie vor für viel Aufsehen: Warum sind viele Opfer in den geleakten Dokumenten sichtbar, fragen Tagesspiegel und SZ. taz und FAZ erzählen, wie Jeff Bezos die Washington Post zerstört. In der FAZ erklärt Marion Ackermann von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, warum sie nun auch das Museum Europäischer Kulturen ins Humboldt-Forum aufnehmen will.  

Behauptungen und Indizien

05.02.2026. Im Iran haben die geistlichen Führer wohl mehr als 30.000 Menschen umgebracht - Die SZ kommt auf die Massaker zurück und auf die Verzweiflung, die jetzt in der iranischen Bevölkerung herrschen muss. Nützt die Veröffentlichung der Epstein-Files vor allem Donald Trump, fragt ebenfalls die SZ. Der noch in Moskau lebende Autor Andrei Kolesnikow schildert in der NZZ den wohl trübsten Winter in der Stadt seit langem. Die FAZ meint: Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche reicht nicht aus - der Staat sei aufgefordert, "sein Wächteramt auch gegenüber Volljährigen auszuüben ".

Europa ist auch von unten her gewachsen

04.02.2026. Die Ukraine erfriert! In der FAZ rufen die Historiker Karl Schlögel und Gerd Koenen zu einer konzertierten Hilfsaktion auf. Trumps Außenpolitik folgt guter alter amerikanischer Tradition, meint in der FR der deutsch-amerikanische Philosoph Christian Lotz. Wenn den Spaniern Juan Carlos I. zur Demokratie verhalf, warum sollte Reza Pahlavi das nicht im Iran können, fragt in der Welt die Autorin Sineb el Masrar. In der FAZ kritisiert der Historiker Jan Grabowski scharf die deutschen Holocaustforscher Andrea Löw und Stephan Lehnstaedt, die ihre polnischen Kollegen im Stich gelassen hätten.