9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
01.09.2025. In der FAZ plädieren die Informatiker Haya Schulmann und Michael Waidner für die Entwicklung einer nationalen KI-Infrastruktur. In netzpolitik fürchtet die Philosophin Maren Behrensen, KI solle uns zu optimierten Wesen machen. Die NZZ erklärt, warum Putin vielen Russen so verführerisch erscheint: Er bietet ihnen eine negative Identität. In der SZ erinnert der Historiker Michael Brenner daran, dass der Zionismus auch ein säkulares, anderen Ethnien und Religionen zugewandtes Gesicht hat. Militärisch kann man gegen die Hamas eh nix machen, es braucht den Druck aus der palästinensischen Bevölkerung, meint Zeit online.
30.08.2025. Der arabische Frühling ist gescheitert - aber nur vorerst, hofft der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad in der NZZ. Hinter den Kulissen des iranischen Regimes rumort es jedenfalls ziemlich, berichtet die FAS. Sie blickt außerdem nach Japan, wo der ultrarechte Politiker Sohei Kamiya Erfolge feiert. Die SZ fragt, warum die Arbeiter AfD wählen - weil es zu wenig "linken Populismus" gibt, antwortet die taz.
29.08.2025. Die SZ blickt auf die Annäherung zwischen China, Indien und Russland, die angesichts Donald Trumps Zollpolitik alte Konflikte überwinden wollen. Es gibt allerdings schwer vereinbare Vorstellungen über die Machtverhältnisse in Asien, erklärt der Politologe Manoj Kewalramani ebendort. In der FAZ erzählt die israelische Schriftstellerin Sarah Levy, wie sich ein Teil der israelischen Gesellschaft nach dem 7. Oktober radikalisierte. Der schwedische Schriftsteller Richard Swartz blickt derweil in der NZZ mit Sorge auf den neuen Rechtsradikalismus in Kroatien.
28.08.2025. In der Zeit antworten heute unter anderen Nancy Fraser, Eva Illouz und Thomas Ostermeier auf die Frage: "Sind die Linken selber schuld?". In der FAZ beleuchtet Hermann Parzinger, wie sich die russischen Museen mitschuldig machen am kulturellen Vernichtungsfeldzug in der Ukraine. Im SZ-Interview gibt die Soziologin Sabine Pfeiffer Entwarnung: Nein, KI wird nicht alle unsere Jobs ersetzen. In der FAZ fordert Julian Nida-Rümelin Maßnahmen gegen den "Akademisierungswahn" in Deutschland.
27.08.2025. Donald Trump versucht, seinen Einfluss nun auch auf die amerikanische Zentralbank auszuweiten - ein weiterer, massiver Angriff auf die Gewaltenteilung, warnt der US-Ökonom Rudi Bachmann bei Zeit Online. In der FAZ staunt Bülent Mumay nicht schlecht, dass die EU ein paar Zehntausend Euro an die türkische Behörde Diyanet zahlt. Die NZZ fragt, warum der rumänische Präsident Nicusor Dan ein Gesetz gegen rechtsextreme Bestrebungen in seinem Land aufhält.
26.08.2025. Russland hat sich mit dem Krieg gegen die Ukraine längst in eine strategische Sackgasse bugsiert, konstatiert die Politologin Hanna Notte auf ZeitOnline. In der SZ skizziert der Politikwissenschaftler Peter R. Neumann, wie Rechtspopulisten langfristig Diskursräume besetzen. Die taz blickt auf die immer katastrophalere Lage im Sudan. Würde die Neue Rechte in Deutschland versuchen, ihre Ideen in Russland umzusetzen, würde sie sehr schnell spüren, was eine Diktatur ist, konstatiert Helmut Lethen in der NZZ.
25.08.2025. Wir stehen zwar nicht kurz vor 1933, konstatiert Götz Aly im SpoN-Gespräch, dennoch brauche es dringend Reformen. Was die Ukraine für Russland so gefährlich macht, ist ihre funktionierende Demokratie, hält der Politikwissenschaftler Janos I. Szirtes in der NZZ fest. In der Welt blickt Michael Wolffsohn kritisch auf die politische Geschichte der deutsch-israelischen Freundschaft. Und hpd schaut auf die Doppelmoral der Kirchen in Deutschland.
23.08.2025. Die Pax Americana ist endgültig vorbei, konstatieren die Zeitungen heute einstimmig: Es kommt jetzt auf einen neuen Schulterschluss Europas gegen Russland an, ruft Herfried Münkler in der Welt. Auch der Westbalkan muss endlich politisch als Teil Europas betrachtet werden, ermutigt der serbische Schriftsteller Gojko Božović in der FAZ. Zehn Jahre nach Angela Merkels "Wir schaffen das" will die SZ von Migrationsforschern wissen: Haben wir es geschafft? In der FAZ schildert der Schriftsteller Hans-Christoph Buch den Niedergang Haitis. Und in der FR erklärt der Politologe Wolfgang Merkel den "Sultanismus" von Donald Trump.
22.08.2025. Donald Trumps Herrschaft ist vor allem durch ein Phänomen geprägt, konstatiert der Soziologe Harald Welzer bei Zeit Online: die Ersetzung der Diplomatie durch den Deal. Doch bei Putin wird er damit nicht weit kommen, meint wiederum der Philosoph Volodymyr Yermolenko in der Welt, denn dem geht es nicht ums Geld, sondern nur um Macht. Am "wilden" Donbass werden sich auch die Russen die Zähne ausbeißen, prophezeit die SZ. Der RBB ist mit seiner Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe gescheitert - gut so, meint die FAZ.
21.08.2025. Kurz vor dem Krieg war ein Staatsbankrott des NS-Staates fast unvermeidbar, hält der Historiker Götz Aly im FAZ-Gespräch fest. Andreas Molitor räumt in der Zeit mit dem Mythos von Hermann Göring als "dem freundlichen Gesicht des Nationalsozialismus" auf. Der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerasimow zeigt sich in der NZZ hoffnungslos, was die Zukunft der Ukraine angeht. Die Zeit erklärt, worum genau es bei den Verhandlungen über Gebietsabtretungen geht.