9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
31.05.2025. In der NZZ skizziert der Schriftsteller Michail Schischkin die radikale Verwüstung der russischen Kultur. Die FAS zitiert aus einem offenen Brief, in dem mehr als tausend israelische Akademiker der Regierung "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vorwerfen. Auch immer mehr Militärs kritisieren Armeeführung und Politik, sekundiert Zeit Online. Der erste Araber, der zu Verhandlungen mit Israel aufrief, war der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser, entnimmt der Schriftsteller Najem Wali in der FAZ einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1970. Kann Papst Leo XIV. im Krieg gegen die Ukraine vermitteln, fragt sich der Historiker Volker Reinhardt im Spiegel.
30.05.2025. Packt die Badehose ein: "Vielleicht ist es der letzte Sommer in Frieden", warnt der Militärhistoriker Sönke Neitzel in der taz, und wenn Putin angreifen würde, könnte er den 9.000 Nato-Soldaten in Estland mal eben eine Truppe von 100.000 Mann entgegenstellen. In der Zeit fragt sich die Harvard-Professorin Sheila Jasanoff, was die Universitäten selbst dazu beitrugen, sich so angreifbar zu machen. Im Perlentaucher denkt Pascal Bruckner über die Pathologie der algerisch-französischen Beziehungen nach. In der Welt beobachtet Michael Wolffsohn, wie sich der Genozidvorwurf gegen Israel durchsetzt, auch wenn er falsch ist.
28.05.2025. In der SZ denkt Timothy Garton Ash über den am wenigsten unrealistischen Weg zur Beendigung des Ukrainekriegs nach. In der FAZ erklärt der Jurist Michael Meyer-Resende, wie aussagelos Begriffe wie links und rechts, liberal oder illiberal geworden sind. Die taz fürchtet um die Sicherheit der Juden hierzulande (natürlich nur von rechts), wenn die deutsche Regierung Israel weiter unterstützt. Natürlich muss Benjamin Netanjahu in Deutschland verhaftet werden, ruft die SZ. In der Zeit erklärt der britische Historiker Richard Evans die Vor- und Nachteile von kontrafaktischer Geschichtsschreibung.
27.05.2025. "Ich halte zu Israel, weil es ein winziges Land ist, unendlich zerbrechlich und von allen Seiten bedroht", sagt Bernard-Henri Lévy in einer Rede, die er in Israel hielt - aber er warnt auch vor den Rechtsextremen in Netanjahus Regierung. Die taz besucht den NSU-Gedenkort in Chemnitz - nur Michael Kretschmer fehlte bei der Eröffnung. Auf geschichtedergegenwart.ch erzählt Claus Leggewie, wie die amerikanische Regierung anfängt, die Geschichte zu bereinigen. Verhandlungen bringen nichts, meint der Osteuropa-Experte Andreas Umland in der NZZ - Russland braucht eine demütigende Niederlage.
26.05.2025. In der SZ kritisiert Etgar Keret sehr scharf die israelische Regierung: "Es gibt wirklich nur sehr wenige Menschen auf diesem Planeten, die denken, dass das, was gerade hier passiert, Sinn ergibt." Die taz stellt die polnische Autorin Klementyna Suchanow vor, die zu der von Putin gesponsorten weltweiten "Pro Life"-Bewegung recherchiert. Die FAZ bringt Dan Diners Börne-Preis-Rede: eine Meditation über die Börne-Zeit und die Gegenwart. Die Jüdische Allgemeine sammelt Stilblüten zu Israel, die taz "kontextualisiert".
24.05.2025. Die New York Times schildert den Hergang des antisemitischen Mords an Sarah Milgrim, 26, und Yaron Lischinsky, 30, in Washington. Deutsche Zeitungen beschäftigen sich mit Trumps Hass-Aktion gegen Harvard. SZ und taz erörtern die Frage, wie Deutschland sich zu Israel stellen soll. In der NZZ schildert Sonja Margolina das heikle russische Selbstbild: Aus sich heraus ist man nur halb. Das Deutsche Historische Museum erinnert an das Erinnern - Raphael Gross, Direktor des DHM, erklärt in der FAS, warum das sinnvoll ist. "Am 7. Oktober wurden wir wieder zu Juden", sagt die israelische Autorin Lee Yaron in der taz.
23.05.2025. "Wir sind in keinem Jahr 1933", sagt der Historiker Michael Wildt in der FR mit Blick auf die AfD: Ein Verbot der Partei befürwortet er unter Bedingungen trotzdem. Finster auch der militante Rechtsextremismus unter Jugendlichen, so Zeit online. In Frankreich zeigt der Regierungsbericht über die Muslimbrüder, wie diese auf lokaler Ebene agieren - Le Point kommentiert. Empörung löst eine Kampagne des Verlegers Holger Friedrich gegen den Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen, Philipp Peyman Engel, aus.
22.05.2025. Es sieht ganz danach aus, als wolle die israelische Regierung die Palästinenser zwangsumsiedeln, meint der israelische Rechtsanwalt Michael Sfard in einem Kommentar für Haaretz, den die FAZ abdruckt. "Antisemitismus wird von Parteien und Organisationen immer dann kritisiert, wenn es ins eigene Narrativ passt", kritisiert der neue Präsident der Jüdischen Studentenunion Ron Dekel im taz-Interview mit Blick auf die Links-Partei. Der Kurator und Filmemacher Hans-Peter Riegel erklärt im Welt-Interview das haarsträubende Geschichtsbild der Anthroposophen.
21.05.2025. Die Linke braucht wieder eine Vorstellung von nationaler Gemeinschaft, wenn sie den Rechten das Wasser abgraben will, meint Kenneth Roth, ehemaliger Director von Human Rights Watch, in Foreign Policy. Wenn die linke Brandmauer fällt, dann fällt auch die rechte, warnt die FAZ. In der NZZ erklärt der amerikanische Soziologe Musa al-Gharbi, wie leicht sich soziales Bewusstsein in Doppelmoral auflöst. In der FR warnt der Unternehmer Sebastian Klein vor toxischen Reichen.
20.05.2025. Erleichterung nach den rumänischen Wahlen: Die Zeitungen bringen einige interessante Analysen. Marc Knobel schreibt in La Règle du Jeu über einen Streit unter französischen Juden: Natürlich geht's um Israel. hpd.de erklärt, was "kulturell intime Fotos" sind und warum ihr Besitz in Großbritannien verboten werden könnte. Dem Abbau der Rechtsstaatlichkeit in Amerika haben Juristen leider Vorschub geleistet, meint die Historikerin und Juristin Rebecca Roiphe in Persuasion. Warum kümmern sich Christen nicht um Christenverfolgung, fragt die NZZ.