Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
19.03.2026. Die FAZ erkennt bei der Performance "This resting, patience" von Ewa Dziarnowska und Leah Marojević in Dresden, dass in der Ruhe Erotik und Kraft liegt. Vom Leben im Wohlstand können Schriftsteller heute nur noch träumen, hält die NZZ fest. Der Perlentaucher öffnet mit Lea Hartlaubs eigenwilligem Film "sr" eine "Wunderkammer des Giraffenwissens". Taz und Tagesspiegel trauern um Bettina Köster, die die Postpunk-Szene mit ihren Bands Mania D und Malaria prägte.
18.03.2026. Banksy ist (vielleicht) enttarnt, jetzt streiten die Feuilletons, ob das eine gute Sache ist. Der Tagesspiegel meint klar: nein, die SZ ist sich nicht so sicher. Die FAZ taucht in Frankfurt in die Wellen des Strands von Etretat, der zahlreiche Maler inspirierte. Außerdem unterhält sie sich mit dem Buchpreisträger Miljenko Jergović über Literatur und Kriegserfahrung. Die taz erklärt, warum Paolo Sorrentinos wunderschön fotografierter Film "La Grazia" über einen Machtpolitiker problematisch ist.
17.03.2026. Die FAZ inhaliert die Musik in Bernd Frankes neuer Oper "Coming up for air" in Leipzig ein wie ein gutes Parfum. Die taz würdigt den bosnischen Schriftsteller Miljenko Jergović, in dessen Werk sich die geballte osteuropäische Erfahrung der letzten vierzig Jahre spiegele. Die Filmkritiker denken weiter über die Oscar-Verleihung nach: politisch war alles sehr zahm, wundert sich die Welt. Die SZ findet allerdings eine Ausnahme: David Borensteins Doku "Mr Nobody Against Putin".
16.03.2026. In der Nacht wurden die Oscars verliehen - Paul Thomas Andersons "One Battle After Another" hat die meisten Auszeichnungen abgeräumt. David Borenstein, der für seinen Dokumentarfilm über Putin ausgezeichnet wurde, warnt vor der Gleichschaltung der Medien. Der Zürcher "Sommernachtstraum" in Pinar Karabuluts Regie wartet laut Nachtkritik mit seltsam schönen Feen und Geistern auf. Der frühere Rapper Kollegah betreibt nun ein Fitnessstudio mit dem Rechtsextremen Heidrich Kopelke, hat die SZ recherchiert. In der Welt plädiert die Germanistin Inge Blatt für schwierige Literatur an Schulen. Der Perlentaucher empfiehlt Abdellah Taias neuen Roman über Schwulsein in Marokko.
14.03.2026. Ist Hyperpop jetzt subversiv oder schon total kommerzialisiert? Egal, findet die Zeit, wenn er so viel Humor hat wie Danny L Harles Album "Cerulean". In der taz fühlt sich Markus Achter vom bayerischen Indie-Urgestein The Notwist zu klaustrophobisch zum Tanzen. Die FAZ feiert in "Bilder und Zeiten" den schizophrenen tschechischen Dichter Ivan Blatný. Die taz bewundert im Wuppertaler Skulpturenpark Arbeiten von Rebecca Horn. Die neue musikzeitung schwelgt in der opulenten Musik von Edouard Lalos Opernmelodram "Le Roi d'Ys". Der Filmdienst würdigt den Komiker Jerry Lewis, der am Montag Hundertsten feiern könnte.
13.03.2026. Mit Verspätung ist der Pritzker-Preis an den chilenischen Architekten Smiljan Radić Clarke verliehen worden: Ein "Lückenbüßer", meint die Welt. Wie kann Clarke den Preis überhaupt annehmen, fragt die SZ. Mit Blick auf die diesjährigen Oscarnominierungen scheinen die USA noch nicht verloren, atmet die SZ außerdem auf. Die FAZ feiert mit Amöben von Yayoi Kusama den 50. Geburtstag des Museums Ludwig. Der Tagesspiegel bewundert Sasha Waltz, die mit 63 Jahren endlich wieder selbst tanzt. Und im Perlentaucher stellt Angela Schader den Autor Rabih Alameddine vor, der sich in seinem Werk mit der traumatischen Geschichte seiner libanesischen Heimat auseinandersetzt.
12.03.2026. Bei der Biennale sollte die Kunst zählen und nicht der Pass, findet die Zeit mit Blick auf Russland. Die NZZ findet das naiv. Olesia Ostrovska, Direktorin des Kunstarsenals in Kiew, erzählt in der SZ, wie sich Museen in der Ukraine auf die Kriegsinvaliden einstellen. Die Filmkritiker begeistern sich für Mona Fastvolds "The Testament of Ann Lee" über die Gründerin der Shaker. Die FAZ schwärmt in Dessau von Sebastian Webers unwahrscheinlicher Fusion von Stepptanz und zeitgenössischem Tanz.
11.03.2026. Russland wieder auf der Biennale in Venedig? Die Feuilletons sind weiterhin nicht einverstanden. Die Welt spricht mit dem ukrainischen Künstler Pavlo Makov, den das europäische Appeasement nicht wundert. Richard Linklaters "Nouvelle Vague" zeigt, wie Godard & Co 1960 in Paris wie nebenbei ein Meisterwerk herunterkurbelten, freut sich der Perlentaucher. Die taz applaudiert der US-Indieband Geese, die nicht nur die Konzerthallen erobert, sondern auch eine eigene Memekultur hervorgebracht hat.
10.03.2026. Die FAZ ist schwer beeindruckt, wie Ilse Ritter am Hamburger Schauspielhaus Inger Christensens Gedicht "Alphabet" und die Atombombe evoziert. In Mailand schneit es aus Chiharu Shiotas Installation "The Moment the Snow Melts" auf die NZZ. Der Standard unterhält sich mit der Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen über die Tücken der Wechseljahre. Die Popkritiker trauern um Country Joe McDonald, der "Musik für irre Trips" machte.
09.03.2026. Dass Russland seinen Pavillon auf der Biennale in Venedig dieses Jahr wieder selbst bespielen soll, sorgt für großen Unmut beim Tagesspiegel. Armin Petras bringt in Bremen Tolstois "Krieg und Frieden" auf die Bühne: Ein Stück voller emotionaler Kraft und Gegenwartsbezüge, wenn auch am Ende etwas zu melodramatisch, finden die Kritiker. In Nürnberg feiert Monopol die erste Ausstellung Julia Heywards in Europa. Der Schriftsteller John Niven warnt in der SZ nicht lesende Männer vor dem Verlust ihrer Empathiefähigkeit. Die taz empfiehlt allerwärmstens Isa Willingers Doku-Film "No Mercy".