Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
17.10.2025. In der FR fordert Claus Leggewie die europäischen Regierungen auf, Algerien mit Blick auf die Haft von Boualem Sansal ein Ultimatum zu stellen. Die SZ bermerkt besorgt, dass Justiziare der Verlage immer häufiger in die Gestalt von Büchern eingreifen. Tagesspiegel und Welt bewundern im Berliner Gropiusbau, wie radikal und respektvoll sich Diane Arbus den Rändern der Gesellschaft näherte. Ganz bescheiden wird das Berlin Modern nun als 'Erweiterung' der Neuen Nationalgalerie bezeichnet, weniger bescheiden sind die inzwischen eingeplanten 600 Millionen Euro Baukosten, notiert der Tagesspiegel fassungslos.
16.10.2025. Die Zeit sieht hinter der "hippiesken Farbenfroheit" der Werke der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama in Basel das "Fratzenhafte der Welt" hervorblitzen. Die FAZ bewundert in einer Ausstellung in der Tate Modern zur nigerianischen Moderne die Skulpturen Ben Enwonwus. Die Welt attestiert Luca Guadagninos Film "After the Hunt" mit Julia Roberts eine kaum erträgliche "kühle Distanz". Die Musikkritiker trauern um den Sänger D'Angelo, Revolutionär des Soul.
15.10.2025. Zeit Online fragt sich, wie es in Sachen Israelboykott nach dem Waffenstillstand in Gaza weitergeht - konkretes Beispiel: Eurovision. Die FAZ lernt in einer Nürnberger Ausstellung, wie Dürers Dudelsackspieler bereits im Mittelalter nach Ceylon gelangten. Die taz versinkt auf der diesjährigen Musikbiennale in Venedigs molto-crazy-Atmosphäre. Der Tagesspiegel freut sich über Kelly Reichardts "The Mastermind", ein auf links gedrehtes Heist-Movie.
14.10.2025. Der Deutsche Buchpreis ging an Dorothee Elmiger für "Die Holländerinnen": Die Literaturkritiker sind mehrheitlich zufrieden mit der Wahl dieses "literarischen Plädoyers für das Rätselhafte", wie die Welt anmerkt. Radu Judes neuen Film "Kontinental '25" findet die SZ "aufregend sarkastisch", die taz attestiert "große Eleganz". Die FR ergründet in einer Ausstellung in Bad Homburg die Geheimnisse der Nacht. Die taz entdeckt in einer Kölner Ausstellung die Freundschafts - und Liebesbeziehungen der Künstler John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Cy Twombly.
13.10.2025. Die Feuilletons trauern um Diane Keaton: Sie erinnern an eine Frau, die ihren Rollen eine völlig neue, radikale Haltung des Frau-selbst-seins verliehen hat und auch an eine Stilikone. FAZ, taz und FR treffen sich am Schauspiel Frankfurt, wo Anja Hillings Stück zu KI in der Erziehung Unbehagen erzeugt. Die NZZ porträtiert die russische Sängerin Monetotscka, die wenig Hoffnung hat, aus dem Exil zurückkehren zu können. In der FAZ singt die philippinische Senatorin Loren Legarda ein Loblied auf die Literatur ihres Landes.
11.10.2025. Die FAZ ist enttäuscht über die geringe Ausbeute philippinischer Literatur zur Frankfurter Buchmesse. In der taz berichtet Übersetzerin Annette Hug von den Schwierigkeiten, philippinische Geisternamen ins Deutsche zu übertragen. Der Tagesspiegel verliert sich bei Yuval Baers Installation "Flüssige Matrix" in Berlin im Rausch der Farben und Formen. Die Nachtkritik ist zwiegespalten angesichts Elsa-Sophie Jachs Inszenierung von Rainald Goetz' "unaufführbarem" Stück "Lapidarium" am Müncher Residenztheater.
10.10.2025. Zufrieden quittieren die Literaturkritiker den Literatur-Nobelpreis für den ungarischen Schriftsteller László Krasznahorkai - auch weil die Jury "beinharte Literatur" aus dem ebenso "fruchtbaren wie wagemutigen Mitteleuropa" auszeichnet. Die FAZ erkennt in Frankfurt: Suzanne Duchamp musste sich hinter ihrem Bruder Marcel wahrlich nicht verstecken. Artechock berichtet, wie deutschen Filmemachern das Drehen in Israel und den arabischen Nachbarstaaten madig gemacht wird. Und die nachtkritik pilgert zum Marthaler-Gottesdienst nach Hamburg.
09.10.2025. Die FAZ erhält in einer Ausstellung in Oxford faszinierende Einblicke in die Schreibwerkstatt John Le Carrés. Der Perlentaucher versucht mit Kathryn Bigelow und ihrem Action-Thriller "House of Dynamite" einen Atomschlag abzuwenden. Der Tagesspiegel kauert sich in einer Ausstellung in Berlin in die "Shacks" der afro-amerikanischen Künstlerin Beverly Buchanan. "Die Avantgarde ist wieder feministisch", ruft die Zeit bei der Fashion Week in Paris.
08.10.2025. Die Welt feiert in einer Wiener Ausstellung die Barockmalerin Michaelina Wautier - unter anderem gibt es in der Schau ein wunderbar herzhaftes Butterbrot zu entdecken. Theatermacher Alexander Karschnia wendet sich in der nachtkritik an Milo Rau und kritisiert, dass dieser keine Distanz wahrt zu radikalen Israelhassern. Ein in Wien aufgeführtes Theaterstück der Schweizerin Anaïs Clerc spürt auf schelmische Weise düsteren Familiengeheimnissen nach, freut sich der Standard. Die taz denkt über kybernetische Kunst und Smart Cities nach. Endlich wieder Bewegungsfreiheit: Die SZ bejubelt den neuen Chanel-Designer Matthieu Blazy.
07.10.2025. Erschüttert kommen taz und Tagesspiegel aus der Ausstellung "The Moment Music Stood Still", die Fotos der am 7. Oktober Ermordeten und deren Hinterlassenschaften zeigt. Die FAZ streift mit den Splitternackten von Johannes Grützke in Aschaffenburg durch ein Panoptikum menschlicher Versagensweisen. In der taz beklagt die Schriftstellerin Bettina Wilpert, dass Verlage nur Budget für Top-Titel einplanen. Und die SZ fragt sich in Stefan Herheims Wiener Strauß-Inszenierung, was Nazis mit der "Fledermaus" zu tun haben.