Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Eine recht handliche Keule

23.09.2025. Mariame Cléments Frankfurter "Così fan tutte"-Inszenierung wird dem Stoff mit klugen Aktualisierungen gerecht, lobt die FAZ. Zeit Online bewundert, wie energisch Spanien zum "Hollywood Europas" avancieren will. Die taz betrachtet in Oldenburg mit Begeisterung den melancholischen Herkules des Bildhauers Ludwig Münstermann. Die Musikkritiker staunen beim Musikfest Berlin über Marc Blitzsteins im Jahr 1929 komponierte Bauhaus-Oper "Parabola and Cirula". 

Die Kreons dieser Welt

22.09.2025. Das Internationale Literaturfestival Berlin hat einen Solidaritätsabend für die Ukraine veranstaltet und der Tagesspiegel lernt von Katja Petrowskaja, Yevgeniy Breyger und Tanja Maljartschuk, dass es in Kriegszeiten eigentlich unmöglich ist, Literatur zu schreiben. Michel Friedman wird vom Literaturhaus Uwe Johnson in Klütz ausgeladen, aus Angst vor den Rechten, weiß die FAZ. Die Kritiker sind begeistert von Sophokles' "Antigone", die Selen Kara mit einem umwerfenden Ensemble auf die Bühne des Schauspiels Frankfurt bringt. Das neue Schiedsgericht wird es den Museen leicht machen, sich vom Raubkunstverdacht freizusprechen, fürchtet die SZ. Der Standard berichtet, dass das von Lahav Shani dirigierte Konzert in Wien wegen Störungen propalästinensischer Aktivisten minutenlang unterbrochen werden musste.

Kühe sind hier alle

20.09.2025. Der Guardian besucht die Calder Gardens in Philadelphia und versucht eine rein ästhetische Begegnung mit dem Künstler. Die Welt versteht nicht, warum die Deutsche Filmakademie den "Fünf-Punkte-Plan gegen den Antisemitismus" nicht mittragen will. Der Standard besucht in der Wiener Albertina eine Ausstellung über den Einfluss der Gotik auf die Moderne. In Monopol erklärt Jaime Martínez, Leiter der Artbo in Bogotá, das Hauptthema moderner kolumbianischer Kunst. Zeit online hört entgeistert das Emo-Geträller von Nina Chuba. Der italienische Autor Fabio Stassi reist für die FAZ auf den Spuren von Antonio Tabucchi nach Kreta.

Das Publikum gibt sich Mühe

19.09.2025. Das van Magazin stellt Marc Blitzsteins geometrische Oper "Parabola and Circula" vor, die 96 Jahre nach ihrer Entstehung beim Musikfest Berlin uraufgeführt wird. Die Berliner Zeitung übt im Deutschen Theater begeistert Neusinn, Quersinn, Fremdsinn oder Unsinn mit Nele Stuhlers "Leichtem Gesang". Der Standard besucht die Wiener Ausstellung der queer-feministischen Künstlerin Ashley Hans Scheirl. Selbst dem Spiegel ist unwohl beim dem von Brian Eno organisierten "Together for Palestine"-Benefizfestival: Die israelischen Opfer des 7. Oktobers wurden nicht einmal erwähnt.

Das Gefühl, nicht in Sansibar zu sein

18.09.2025. Die Filmkritiker verabschieden sich mit Christian Petzolds Film "Miroirs No. 3" vom Sommer. Die taz porträtiert die ugandische Schriftstellerin Stella Nyanzi, die sich mit den Obrigkeiten ihres Heimatlandes angelegt hat und im Exil in Berlin lebt. Die Zeit berichtet, wie Ai Wei Wei mit weißgestrichenen Uniformen für Irritation in Kiew sorgt. Die FAZ tanzt bei der Ruhrtriennale Pas de deux mit der israelischen Choreografin Sharon Eyal.

Erdbeerblonder Bilderbuchamerikaner

17.09.2025. Robert Redford ist tot; die SZ erinnert an die unbefleckte Präsenz des Stars, die Zeit trauert um einen Surferboy mit linkem Gewissen. Außerdem diskutieren die Feuilletons die Buchpreis-Shortlist, die laut FAZ von komplexen Romanen über Gewalterfahrungen dominiert wird. Zeit online findet Trost in einem Konzert von Lahav Shani und den Münchner Philharmoniker, die nach ihrer Ausladung in Gent in Berlin auftraten.

Wie schrecklich der Verlust einer Kuh ist

16.09.2025. Update: Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis ist da! Die Nachtkritik verliert sich mit Freuden in den Verfremdungseffekten von Felicitas Bruckers Bühnenadaption des Haneke-Films "Caché" am Wiener Volkstheater. Die FAZ lernt in einer Ausstellung über Ernst Ludwig Kirchner in Bern einige Schrullen des Brücke-Malers kennen. Jungle World träumt nach Michael Dwecks und Gregory Kershaws Dokumentarfilm "Gaucho Gaucho" von einem Leben als Rinderhirt in der argentinischen Prärie. Die NZZ würdigt Devonté Hynes a.ka. Blood Orange anlässlich seines neuen Albums als "Doktor Faust der Pop-Musik". 

Weltraumbahnhof für das Denken

15.09.2025. Die FAZ findet die Aussagen von Jan Briers, dem Leiter des Flanders Festival in Gent, zur Causa Lahav Shani "desaströs". Nachtkritik und FR tauchen am Schauspiel Frankfurt in die originellen Bilder der Regisseurin Luise Voigt ein. Der Tagesspiegel konstatiert, dass in Hollywood kaum noch jemand zu Israel hält. Ein Grund zu Freude und Hoffnung ist für die SZ die Wiedereröffnung der Synagoge in der Münchner Reichenbachstraße.

Beim Blödsinnmachen an der Küste

13.09.2025. Die FAS ist gleichzeitig berauscht und nüchtern, wenn sie in der Julia Stoschek Foundation in Berlin Mark Leckeys sprechende Kühlschränke trifft. Die nachtkritik erlebt, wie sich in Jan Philipp Glogers Einstands-Stück am Volkstheater Wien ein Komet in die Erde verliebt. SZ und FAZ diskutieren weiter über die Ausladung der Münchner Philharmoniker und ihres israelischen Dirigenten Lahav Shani vom Flandern Festival in Gent. 

Provokation - das war in den neunziger Jahren

12.09.2025. Groß ist die Entrüstung, dass das Flandern Festival in Gent Lahav Shani abesagt hat: Eine moralische Bankrotterklärung, schimpft die Welt, ein lupenreines Beispiel für israelbezogenen Antisemitismus, meint die FAZ. Kay Voges bringt in Köln ein Nachspiel zur AfD-Recherche von Correctiv auf die Bühne: Erhellend, findet die SZ, kennt man alles schon, winkt die Welt  ab. Die NZZ lernt in Bern von Ernst Ludwig Kirchner, wie man die perfekte Ausstellung kuratiert. Ein letztes Mal brechen die Schwestern Gisela Getty und Jutta Winkelmann gemeinsam ein Tabu, erkennt der Tagesspiegel