Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ich bin eure Bestimmung

30.08.2025. Zeit Online liegt in Venedig Julia Roberts zu Füßen, die in Luca Guadagninos "After The Hunt" Foucaults Konzept der Bestrafung irisierende Energie verleiht. Als gute Nachricht für die Literatur und für die Kunstfreiheit wertet die FAS die gescheiterte Klage des Galeristen Johann König gegen Chistoph Peters' Roman "Innerstädtischer Tod". Die FAZ kehrt mit dem Fotografen Timm Rautert zurück nach Leipzig im Jahr 1972. Die FR blickt leicht irritiert auf die Ideen für das geplante Frankfurter Haus der Demokratie.

Für ein paar Bier

29.08.2025. Sabeha Sansal, eine der beiden Töchter von Boualem Sansal, erhebt im Figaro schwere Vorwürfe gegen Emmanuel Macron und die französische Regierung. Die FAZ amüsiert sich über die Abscheu der Kollegen bei der Vorführung von Yorgos Lanthismos' "Bugonia" in Venedig. Hyperallergic entfernt sich in London mit den surrealistisch-satirischen Bildern von Edward Burra mit hoher Geschwindigkeit von Konventionen. taz und Tagesspiegel applaudieren einmal mehr dem Gefängnistheater aufBruch, das Brechts "Mann ist Mann" auf die Bühne bringt.

Komposition der Durchlässigkeiten

28.08.2025. Die Filmkritiker feiern Mascha Schilinskis deutschen Oscar-Beitrag "In die Sonne schauen": So etwas hat man im deutschen Kino schon lange nicht mehr gesehen, staunt der Perlentaucher. In der Zeit verrät Direktorin Laurence Des Cars, wie der Louvre nach der Sanierung aussehen könnte. Ebenfalls in der Zeit erklärt Leif Randt, wie Emotionen zur Währung wurden. Die taz wird in Berlin zugleich angezogen und abgestoßen von Dylan Spaskys gehäuteten Teddybären. 

An den Randzonen der Hotspots

27.08.2025. Heute starten die Filmfestspiele in Venedig - mit vielen Stars, aber ohne die israelische Schauspielerin Gal Gadot, die nach Protesten propalästinensischer Aktivisten abgesagt hat. Die FAZ möchte derweil Woody Allen nicht für dessen virtuelle Beteiligung an einem russischen Filmfestival verurteilen. Die taz begeistert sich in Braunschweig für die Pop-Art-Künstlerin Sine Hansen, bei der Zangen zu beseelten Wesen werden. Die Zeit hat die Nase voll von zeitgenössischer Architektur. Sind Julien Gosselins Theaterarbeiten bloßes Kunsthandwerk oder höhere Bühnenmagie? Dieser Frage spürt die Welt nach.

Allem begründeten Pessimismus zum Trotz

26.08.2025. taz und Nachtkritik hören beim Kunstfest Weimar der russischen Journalistin Jelena Kostjutschenko beim Streiten mit ihrer putin-treuen Mutter zu. Es ist immer noch besser, sich eine düstere Zukunft vorstellen zu können, als gar keine, meint im Zeit-Online-Gespräch die Schriftstellerin Fiona Sironics. Die FAZ feiert den Pianisten Alexander Lonquich. Monopol lässt sich von der südafrikanischen Künstlerin Helena Uambembe durch ein Dorf führen, in dem nur noch Blumen wohnen. 

Verdichtung durch Verzicht

25.08.2025. Die Zeit würde Filmkömodien gerne unter Artenschutz stellen, so selten sind sie im Kino geworden. Für den abstrakt-expressionistischen Künstler Clyfford Still fährt die FAZ gerne nach Denver. Die Welt sieht mit Paul Poirets Kreationen, wie sich die Damenmode im 20. Jahrhundert zu mehr Bequemlichkeit entwickelte, ohne an Schmuck einzubüßen. Die NZZ bewundert beim Lucerne Festival Dirigentenkunst, die im "Grenzbereich zur Magie und zum Irrationalen" liegt. 

Weg mit allen Schnörkeln, Spielereien und Regeln

23.08.2025. Mascha Schilinskis Cannes-Erfolg "In die Sonne schauen" soll bei den Oscars antreten - "mutig" findet die Welt das, ob des hohen Anspruchs. Die Literaturwelt trauert um den Jahrhundertdichter Eugen Gomringer: Seine Lyrik stand mitten im "gelebten Leben", erinnert die SZ. FAZ und nachtkritik feiern in Ivo van Hoves Musical-Hybrid "I Did It My Way" bei der Ruhrtriennale weniger den Star Lars Eidinger als die "provokant schillernde" Sängerin Larissa Sirah Herden

Mit endlos entspannter Hyperaktivität

22.08.2025. Die Welt verfällt der verstörenden Sogkraft der kollektiven Alpträume von Kaari Upson, die in Humlebæk die Beine ihrer Mutter von der Decke baumeln lässt. Katrin Jaquet projiziert in ihrem Fotobuch "fam" indes ihre Mutter in die eigene Mundhöhle, staunt Peter Truschner im Perlentaucher-Fotolot. Mutig findet es die SZ, dass Mascha Schilinskis Mehr-Generationen-Porträt "In die Sonne schauen" als deutscher Beitrag ins Oscarrennen geht. Zeit Online und SZ feiern den Zuckerschock-Soul auf dem neuen Album von Dijon.

Über dem Eingang leuchtet das Rotlichtlämpchen

21.08.2025. Die taz reist zum Freedom Festival ins estnische Narva und erlebt nicht nur widerständiges politsches Theater, sondern auch eine russischsprachige Bevölkerung, die keineswegs "heimgeholt" werden will. Die FAZ bewundert die neue deutsche Botschaft in Wien, die gegen Spähangriffe durch Russland geschützt wurde. Die Welt räumt ein, dass die Denkmalschutzbehörden nicht ganz unschuldig an den vielen Abrissen sind. Und dem Perlentaucher werden in Celine Songs RomCom über das Datingverhalten moderner Großstädter dann doch zu viele Probleme gewälzt.

12:8 für die Frauen

20.08.2025. Die Feuilletons diskutieren die gestern erschienene Longlist für den Deutschen Buchpreis. Die SZ lobt die ausgewogene Besetzung der Liste, die FAZ legt sich bereits auf einen Favoriten fest. Die Documenta stellt derweil das künstlerische Leitungsteam für die kommende Ausgabe vor - und geht dabei auf Nummer sicher, findet die Welt. Die Zeit gedenkt des Labelbetreibers Alfred Hilsberg, der sich um die deutsche Nischenmusik von Punk bis Hamburger Schule verdient gemacht hat. Die FAZ ärgert sich darüber, dass der literarische Trend zur Autofiktion mehr und mehr in Authentizitäts-Kitsch erstarrt.