Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.08.2025. Die Welt lässt sich von Christoph Wiesner, Chef der Rencontres d'Arles, erklären, wie Bilder Widerstand leisten. In der Zeit erzählt Thriller-Autor Marc Elsberg, wie ihm Künstliche Intelligenz die Arbeit erleichtert. Die FR amüsiert sich in Bayreuth mit Karikaturen zu Richard Wagners Musik. Die FAZ hört tiefe Trauer und einen Unterton von Gewalt, wenn Igor Levit bei den Salzburger Festspielen eine Klaviersonate von Schostakowitsch spielt.
06.08.2025. FAZ und SZ ziehen sich in der Münchner Ausstellung "Für Kinder" in einen zeltartigen Mutterleib zurück. In der Welt erklärt der Psychologe und Schriftsteller Leon Engler, was die moderne Psychologie mit Botanik zu tun hat. Der Guardian reist in New York durch achtzig Jahre amerikanische Kunstgeschichte. Die FAZ porträtiert den Designer Rafael Horzon, der "neue Wirklichkeiten" schafft, aber anwaltlich verfügt hat, nicht Künstler genannt zu werden. Und der Filmdienst schaut Helge Schneider bestens gelaunt dabei zu, wenn er im "Klimperclown" sein geglücktes Leben dokumentiert.
05.08.2025. Die SZ erzählt eine Literaturgeschichte des Autounfalls. Die FAZ bringt ein dringendes Plädoyer für Tim Ellrichs Debütfilm "Im Haus meiner Eltern", der in der Mediathek des ZDF zu sehen ist. In Kiel betrachtet die taz Philip-Lorca diCorcias Porträts männlicher Prostituierter aus derr Reagan-Ära porträtierte. Die Theaterkritiker feiern Oliver Mommsen, der an der Komödie am Kurfürstendamm alle Charaktere von Tschechows "Onkel Wanja" verkörpert. Die SZ denkt mit Musik der Spice Girls darüber nach, wo die Neunziger feministisch so standen.
04.08.2025. Die taz hat ausgeprägte Zweifel, ob Wolfram Weimers Filmförderung den deutschen Film wirklich konkurrenzfähig machen wird. Die Welt lässt sich auf dem Jerusalem Film Festival von Nadav Lapids wilder Satire auf Israels unmoralische Eliten begeistern. Die Kritiker treffen sich in Salzburg bei Ulrich Rasches Donizetti-Inszenierung "Maria Stuarda": Der Standard lobt die Stimmen, der Tagesspiegel betont den politischen Charakter des Stücks. Die NZZ bestaunt den tintenklecksförmigen Neubau des LA County Museum of Art von Peter Zumthor.
02.08.2025. Die Theaterkritiker trauern um Robert Wilson, den unbeugsamen Radikalen unter den Theatermachern. Außerdem: Die FAZ bestaunt in Paris die fantastischen Roben von Charles Frederick Worth und Paul Poiret. Die SZ versteht, warum der Schauspieler Pedro Pascal derzeit so beliebt ist: Er ist so nett! Die FAZ versteht, warum die Arbeiterfotografie der Weimarer Republik derzeit so beliebt ist: Sie ist so emotional. Die FR verzweifelt an der Pop-Linken und ihrer Hamas-Verehrung. Im Interview mit der FAS spricht der Autor Jiaming Tang über Homosexualität in China, wo sie kulturell nicht existiert.
01.08.2025. "Schreiben wird zur Wunschtechnik", fürchtet Clemens J. Setz mit Blick auf die Zukunft der KI in der Literatur. Das Visuelle ist politisch, lernt die SZ in der radikalen Wolfgang-Tillmans-Schau im Centre Pompidou. Die FAZ bohrt sich mit dem Fotografen Gregor Sailer unter die Baustelle des Brenner Basistunnels. Der Freitag schaut gern zu, wenn die patente DDR-Elektrikerin Wilma in Maren-Kea Freeses "Wilma will mehr" Pech in persönliches Glück verwandelt. Und die Agenturen melden den Tod des Regisseurs Robert Wilson.
31.07.2025. Ein echtes Theaterjuwel findet die SZ im Salzburger Marionettentheater mit Igor Strawinskys "Geschichte vom Soldaten", die mit Puppen von Georg Baselitz erzählt wird. Im Zeit-Interview spricht Isabel Allende über ihren Roman "Mein Name ist Emilia", der vom Militärputsch in Chile im 19. Jahrhundert handelt. Die FAZ bestaunt derweil das nachhaltige Bauprojekt Thoravej 29 in Kopenhagen. Die FR jubelt über die befreiende Nichtsnutzigkeit von Akiva Schaffers Reboot des Nonsense-Klassikers "Die Nackte Kanone".
30.07.2025. Die Schreihälse, die die Eröffnung der Salzburger Festspiele störten, sind keine Friedensaktivisten, sondern Hamas-Fans, stellt der Spiegel klar. Theater gespielt wird in Salzburg aber auch: An Julien Gosselins in Salzburg aufgeführtem Bühnenspektakel "La Passe" scheiden sich die Geister. Vor allem das irre Lachen der Hauptdarstellerin Victoria Quesnel findet großen Anklang bei der Nachtkritik, der SZ ist das alles ein bisschen zu hysterisch. Die Reform der Filmförderung kommt dank geschickter Lobbyarbeit womöglich doch noch in Schwung, hofft die FAZ. Kaum noch Gegenwart, nur noch aufgewärmte Vergangenheit bietet die Popmusik dieser Tage, stöhnt die Welt.
29.07.2025. Die FAZ sieht sich in der russischen Kunstszene um, in der das Tabu, den Krieg nicht zu thematisieren, nicht gilt, wenn die "militärische Spezialoperation" gefeiert wird. In Bonn begegnet die FAZ derweil dem treuesten Begleiter des Menschen. Dank Peter Sellars erfahren die Theaterkritiker bei den Salzburger Festspielen, wie sehr Mahler und Schönberg harmonieren. Die SZ schwebt wie eine klirrende Partikelwolke durch Nikias Chryssos' und Viktor Jakovleskis Techno-Film "Rave On". Und Zeit Online überlegt, ob enge Fan-Beziehungen Spotify die Kunden abgraben.
28.07.2025. Die Kritiker geben sich auf dem grünen Hügel die Klinke in die Hand: Die FAZ bestaunt eine bunte Kuh als Zeichen für die Aufgeblasenheit der Debatte um Kunst als Ausdruck von Nationalstolz, die SZ ärgert sich über die Harmlosigkeit der "Meistersinger"-Inszenierung von Matthias Davids. Die FAZ sieht mit den Kunstwerken von Lovis Corinth, wie erratisch die Auswahl verbotener Werke durch die Nazis wirklich war. Und sie macht sich Gedanken, was es bedeutet, wenn Curtis Yarvin die Biennale in Venedig kapert. Die Welt erinnert an die schwarze Komponistin Florence Price. Und die FAZ trauert um den Designer Peter Schmidt.