Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Bei D-Dur sehe ich Gelb

26.07.2025. Literatur muss vor dem Krieg scheitern und trotzdem davon künden, erklärte Serhij Zhadan in seiner Rede zur Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur, die die taz abdruckt. Der Guardian erfährt in einer Andy Goldsworthy - Retrospektive in der Royal Academy of Scotland, wie schockierend Natur sein kann. Die FAZ lernt im "Palais de l'art déco" in Saint Quentin wie japanischer Jugendstil aussieht. Die SZ erklärt einer lange vernachlässigten Architekturform ihre Liebe: der Treppe

Der Horror, der Horror

25.07.2025. Die FR unternimmt mit der Malerin Toyin Ojih Odutola Fantasiereisen per U-Bahn vom Hamburger Bahnhof bis nach Westafrika. Die taz verschafft sich im Zürcher Cabaret Voltaire mit den Schlangen und Skorpionen von Emma Jung Zugang zum Unbewussten. Die FAZ blickt auf den Bücherherbst und birgt ein paar Schätze. Artechock ärgert sich, dass die Medien den Tod des Produzenten Rob Houwer einfach verpennt haben. Und: das Museum berlin modern wird teurer und später fertig, meldet unter anderem der Tagesspiegel.

Das ist mir wurscht!

24.07.2025. Die Zeit blickt auf das Bühnen-Imperium des russischen Dirigenten Valery Gergiev. Der Perlentaucher bewundert in Charlène Faviers Biopic über die Femen-Aktivistin Oksana Schatschko den Mut einer jungen Frau, Madonnen, die Burka tragen und Erzengel mit Sturmgewehr. FR und Zeit freuen sich tierisch über Adam Elliotts Knete-Animationsfilm "Memoiren einer Schnecke". Die NZZ erklärt, warum sich Koreaner bis ins 20. Jahrhundert nicht im Spiegel anschauten - es lag an der Architektur. 

Das ist Pop-Essenz

23.07.2025. Die Feuilletons trauern um den legendären Rocker und Fledermaus-Kopfabbeißer Ozzy Osbourne, dessen anarchische, dunkle Kraft der Standard auch noch im hohen Alter zu spüren vermochte. Die Zeit erlebt einen intensiven Abend mit Milo Raus "Prozess Pelicot" in Avignon, wo viele die Täter persönlich kennen. In Zeiten von KI wird menschliche Autorenschaft zum literarischen Gütesiegel, lernt die SZ. Die in Berlin ausgestellte Fotografin Marta Astfalck-Vietz macht sich in ihren Bildern selbst zur Spielfigur, staunt die FAZ. Die Welt schimpft über marodierende Kiffer in Mahler-Konzerten.

Beliebigkeit einer Generation Yolo

22.07.2025. Die FAZ widmet sich dem Thema Übersetzung und KI: Japanisch kann die Künstliche Intelligenz jedenfalls noch nicht so gut, stellt sie fest. Wird es in Russland bald verboten sein, Harry Potter zu streamen? Ein neues Gesetz könnte dafür sorgen, berichtet die FR. Der Guardian schwärmt in einer Ausstellung in Sydney von den "glühenden" Monden der Malerin Janet Dawson. Die Welt trauert derweil um den Deutschrap, der im Sterben liegt. 

Tempo, Tempo, Tempo

21.07.2025. Welt, nmz und FR genießen in der von Andrea Breth inszenierten Fauré-Oper "Pénélope" gediegene Langeweile und eine gefühlsintensive Partitur. Robert Prosser reist für den Standard in die Ukraine, um mit Schriftstellern zu sprechen, die auch Soldaten sind. Die FAZ bestaunt Mensch-Maschine-Überschneidungen im Werk von Rebecca Horn im Castello di Rivoli. FR und FAZ trauern um den Dirigenten Roger Norrington, der temperamentvoll die Freiräume der Musik offengelegt hat.

So gar keine Redlichkeit

19.07.2025. Die FAZ blickt im Berliner Brücke-Museum auf die würdevollen Porträts der jüdisch-südafrikanischen Expressionistin Irma Stern. Der Standard wird in der Wiener Albertina derweil erleuchtet von den binären Codes aus Nullen der Lichtpoetin Brigitte Kowanz. Zeit Online verzweifelt darüber, wie sich britische Bands, die seit vielen Jahren den BDS und andere antiisraelische Kampagnen unterstützen, ihrerseits als Opfer darstellen. Die FAZ erzählt außerdem, wie sehr die Literatur dem Nation Building der Philippinen dient. Und in der SZ rufen Weggefährten Claus Peymann nach.

Irre. Einfach irre

18.07.2025. Um Menschenrechte und Antisemitismus schert sich die Kunstwelt wenig, wenn es um Katar geht, weiß die Welt. Artechock blickt mit Vahid Vakilifars Film "K9" in die Finsternis eines hündischen Iran. Der Auftakt der Bregenzer Festspiel mit George Enescus einziger Oper "Œdipe" ist als europäisches Statement stark, als Inszenierung von Andreas Kriegenburg leider schwach, befinden taz und FAZ. Wenn die Organistin Anna Lapwood spielt, muss sogar die Polizei eingreifen, berichtet Backstage Classical.

Auf einen Kaffee mit dem Generalvikar

17.07.2025. Eine Theater-Ära geht zu Ende: Claus Peymann ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Die SZ erinnert an den Theatermacher, der stets gegen "Lebenszwerge" stänkerte, die FAZ an den "luziferischen Messias", der doch so harmlos schien. Die Welt hat die Nase voll von mit Steuermillionen subventionierten Kunstvermeidungsausstellungen wie die jüngste Berlin-Biennale. Die FAZ dringt mit Judith Schalansky zur Ursuppe des Schreibens vor. Und in Repubblica fordert Julia Nawalnaja, dass ein in Italien geplantes Konzert unter der Leitung von Putin-Freund Valery Gergiev abgesagt wird.

Rabulistische Purzelbäume

16.07.2025. Die Feuilletons gratulieren Ursula Krechel zum verdienten Büchnerpreis - eine Meisterin der schillernden, kurzen, multiperspektivischen Genres, findet die taz. Die SZ erklärt, warum die Ngonnso, eine kamerunische Statue, die von Berlin an Kamerun zurückgegeben werden soll, immer noch in Deutschland ist. Die taz porträtiert den angesagten Dramatiker Roland Schimmelpfennig, der uns Menschen in unserer kosmischen Ausgesetztheit erfasst. Die FAZ versinkt in einer Ausstellung in Monaco begeistert in den Farben der Moderne.