Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
15.07.2025. Aktualisiert: Der Georg-Büchner-Preis geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin Ursula Krechel, melden die Agenturen. Die FAZ entdeckt im Franz-Marc-Museum in Kochel die künstlerische Faszination für Tiergärten und lässt sich von Oskar Kokoschkas "Tigerlöwe" anspringen. Die NZZ erklärt das Kino für tot, hofft aber auf eine Wiedergeburt. Die SZ feiert den Festivalsommer der großen Nostalgie mit Revivals und Abschieden von Oasis, Black Sabbath, ELO, AC/DC und den Sex Pistols. Und der Tagesspiegel zieht den Architekten Ossip Klarwein zurück ins Licht der Architekturgeschichte.
14.07.2025. Dass die Schlösser von Ludwig II. jetzt Weltkulturerbe sind, ist für die Welt Grund, über die "Rehabilitation des Historismus" zu jubeln. Die FAZ fragt sich allerdings, ob das wohl im Sinne des Erbauers war. Die FR langweilt sich ein wenig auf den Nibelungenfestspielen in Worms, das Rad wird auch von Roland Schimmelpfennig nicht neu erfunden, die SZ hingegen freut sich über die anspruchsvolle Inszenierung von Mina Salehpour. Justin Biebers neues Album kann weder Zeit noch NZZ überzeugen. Laut den Jazz-Musikern Terri Lyne Carrington und Christie Dashiell ist Jazz keine per se aktivistische Musikform.
12.07.2025. Die FAS sieht die Zukunft der Kunst zwischen neuen Steckdosen und alten Amphoren in einem Hamam in Prizren. Mit dem Abschied der Schriftkultur wird der Tanz tonangebend auf der Bühne, erkennt die Welt beim Festival in Avignon. In der Musik kann uns KI neue Perspektiven eröffnen, lernt die NZZ von dem Komponisten Ali Nikrang. Die taz erkennt im griechischen Herodeon, wie lang der Ruhm von Mäzenen andauern kann.
11.07.2025. Im Monopol-Gespräch verteidigt sich Kathleen Reinhardt, Direktorin des Berliner Kolbe-Museums, gegen den Vorwurf, sie verschleiere den Raubkunst-Hintergrund des Tänzerinnen-Brunnens. Die FAZ blickt in Cottbus in die kantigen Gesichter der legendären Ostfrauen. Die Welt glaubt noch nicht an Bauen mit Hilfe von KI. Geht ja auch gut von Hand für nur 700.000 Taler, lernt die FAZ im Alten Museum in Berlin. Die Jüdische Allgemeine blickt auf Antisemitismus in Hollywood. Und Van stellt fest: Nicht alles, was Franz Liszt komponierte, war erste Sahne.
10.07.2025. Im von der Welt übersetzten Figaro-Gespräch erklärt der Philosoph Jean-François Colosimo die Verurteilung Boualem Sansals: Das oligarchische System Algeriens muss Frankreich als seinen ewigen Feind darstellen, um zu überleben. Die FAZ bewundert beim Festival d'Aix en Provence zahlreiche Produktionen aus dem Nahen Osten. Der Guardian betrachtet in der Londoner Tate Modern Fußabdrücke von Emus auf den Gemälden der Aborigine-Künstlerin Emily Kame Kngwarreye. Antisemitismus ist jetzt eine hippe Jugendbewegung, stellt die Jungle World mit Blick auf die Musikszene fest.
09.07.2025. Die propagandistische Trickfilmserie "Sandpit" präsentiert einen niedlichen Putin mit Kulleraugen - und zielt damit womöglich nicht nur auf russische Kinder, sondern auch auf westliche Erwachsene, meint Zeit Online. Die Welt schwärmt von "La Callisto", einer Barockoper Francesco Cavallis voller "Crossdresser, Metrosexuellen und Transen", beim Festival in Aix-en-Provence. Wird KI die Musikbranche killen? Der Standard fürchtet, mit Blick auf den Erfolg der komplett algorithmischen Band The Velvet Sundown: ja.
08.07.2025. Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune hat die westliche Öffentlichkeit verhöhnt, aber Algerien hat durch die Sansal-Affäre kaum an internationalem Ansehen verloren, konstatiert Claus Leggewie in der FR. Die Welt reist auf die Ile de Porquerolles an der Côte d'Azur, um in abstrakten Gemälden zu baden. Sollen die Schlösser Ludwig II. Weltkulturerbe werden? Unbedingt, meint die SZ und erinnert an Ludwigs Münchner Dachgarten, der samt Schwänen im künstlichen See abgeräumt wurde. Die NZZ schaut vom Hindu-Nationalismus geprägte Bollywood-Filme.
07.07.2025. In Frankreich herrscht Empörung über die ausbleibende Amnestie für Boualem Sansal. Die NZZ begibt sich mit Steve McQueen in eine klaustrophobe Klanginstallation. Marko Perkovics Konzert in Zagreb war eines der größten, die es je in Europa gab, für die FAZ ist das wegen der dort gebrüllten Ustascha-Relativierungen beunruhigend. Henrik Ibsen ist auch nicht mehr das Wahre, wenn die "Wildente" ihrer Titelfigur quasi beraubt wird, findet die Nachtkritik. Die taz macht sich Gedanken über die schwierige Situation der Provenienzforschung.
05.07.2025. Anders als erhofft wird Boualem Sansal heute nicht begnadigt, meldet Le Monde. In Le Point erinnert Kamel Daoud daran, dass vor Sansal schon ein anderer großer Autor im Gefängnis von Algier schmachtete: Miguel de Cervantes. Die FAZ träumt sich beim Holland Festival mit dem Tänzer Trajal Harrell aus ihrem Körper. Außerdem werden ihr in einer Pariser Ausstellung über die "Mission Dakar-Djibouti - Contre-enquête 1931-33" die unfeinen Methoden der Aneignung kultureller Artefakte aus Afrika vorgeführt. epd film bewundert die Melange aus Wehmut und Skepsis, die einen Liebling unserer Urgroßeltern auszeichnete: Willi Forst.
04.07.2025. Die FAZ reist nach Cherbourg, wo es der Comiczeichner Brecht Evens farbige Papierfetzen regnen lässt. In Wien begleitet sie mit Hito Steyerl Microworker bei der Drohnen-Optimierung in nordirakischen Flüchtlingslagern. Die NZZ kann sich der zeitlosen Schönheit der Handwerkskunst der Shaker im Vitra Design Museum nicht entziehen. Der Standard denkt über einen Boykott von Spotify nach. Und die SZ trauert um Michael Madsen, den Tarantino-Star der zweiten Reihe.