Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
23.06.2025. Putin war schon immer ein Zensor, aber "nun ist die Zeit gekommen, um die unabhängige Kultur in allen ihren Formen zu vernichten: Kino, Theater, Musik und schließlich die Literatur", schreibt Viktor Jerofejew in der FAZ. taz und FAZ lernen von Mohammad Rasoulofs Stück "Destination: Origin" in Berlin, wie sich Exilerfahrungen in Körper einschreiben. Christina Tscharyiskis Horvath-Inszenierung überzeugt die Nachtkritik durch ihre "Demaskierung des Bewusstseins." Die NZZ stellt Meinolf Brüsers Bach-Buch vor. Und die Zeitungen trauern um die Schweizer Schriftstellerin Gertrud Leutenegger.
21.06.2025. Die FAS unerhält sich mit Mika Kaurismäki über die Monheim Triennale für ungeschriebene Musik, die Kaurismäki in "Every note you play" dokumentiert hat. Die nachtkritik hätte sich mehr Zeit zum Nachdenken gewünscht in Charlotte Sprengers Mannheimer Inszenierung von Schillers "Kabale und Liebe". Die FAZ bestaunt in der Fondation Beyeler den präzisen Nachthimmel der litauische Künstlerin Vija Celmins. Zeit online hört Haim.
20.06.2025. Milo Rau inszeniert den "Prozess Pelicot" in einer Wiener Kirche als "Mosaik des Grauen", berichten die Kritiker. Einen Gottesdienst der anderen Art erlebt die FAZ, wenn Bruce Springsteen als letzter großer Transatlantiker in Frankfurt sein Herz heraussingt. Einen Film zum richtigen Zeitpunkt annonciert die taz mit Nima Sarvestanis Dokumentation über den Iran. Und Monopol blickt in Helsinki auf aufblasbare Bronze-Delfine.
19.06.2025. Der Guardian ist überwältigt von Jenny Savilles gigantischen Frauenporträts, die ihm in der National Portrait Gallery in London sehr nahe kommen. Die taz feiert Naoko Yamadas Animationsfilm "The Color within", in dem ein Mädchen die Gefühle der anderen als Farben wahrnimmt. VAN möchte mehr Mädchen in Knabenchören hören. Die taz hört derweil Jarvis Cockers Comeback-Album.
18.06.2025. Die Feuilletons trauern um den Ausnahmepianisten Alfred Brendel. Er war, womöglich, der Stellvertreter Beethovens und Schuberts auf Erden, schwärmt die Welt. Die Zeit freut sich darüber, dass auf der Berlin Biennale statt postkolonialer Sittenstrenge Comedy und lyrische Absurdität reüssieren. Die SZ startet einen weiteren Frontalangriff auf Bayerns Kunstminister Markus Blume in Sachen Raubkunstaffäre. Critic.de gedenkt der Off-Kino-Legende Bernhard Marsch. Monopol lernt bei Hermann Nitschs "6-Tage-Spiel"-Performance den Geruch von Blut kennen.
17.06.2025. FAZ und FR wird in Johannes Eraths Inszenierung der Händel-Oper "Alcina" an der Oper Frankfurt optisch einiges geboten: Variété, Zirkus und sogar eine zersägte Frau. "Für mich ist Russland im Moment ein Monster und nichts anderes", sagt die russische Filmemacherin Svetlana Rodina im Tages-Anzeiger. Zeit Online sorgt sich um die Zukunft des Musikvideos. Und die Musikkritiker trauern um den Freejazzer und Experimentalmusiker Sven-Åke Johansson.
16.06.2025. Ayşe Güvendiren erschüttert die Nachtkritik mit ihrer hochpolitischen Inszenierung des NSU-Terrors und seiner Folgen am Staatsschauspiel Dresden. Die Hilti Art Foundation zeigt der NZZ, wie die Kühle Lyonel Feiningers mit dem "ungebändigten Furor" Ernst Ludwig Kirchners kommuniziert. Die SZ braucht starke Nerven beim Bachfest in Leipzig, die FAZ lernt beim Mozartfest in Würzburg die Folgen eines delikaten Pedalgebrauchs verstehen.
14.06.2025. Die FAS findet bei der diesjährigen Berlin-Biennale heraus, wie man mit einem Kohlkopf gegen repressive Regime protestieren kann. Die SZ amüsiert sich prächtig, wenn Arthur Franck in seiner Doku "The Helsinki-Effect" die Derbheiten von Henry Kissinger und Leonid Breschnew während der KSZE-Konferenz 1975 rekonstruiert. Die FAZ fragt in einer Ausstellung in Wien, wer in der Geschichte die Hosen anhatte - und findet Meisterwerke der Textilkunst.
13.06.2025. Die FAZ tanzt im Palais Garnier mit dem israelischen Choreografen Hofesh Shechter, als wäre es die letzte Party ihres Lebens. Artechock taucht im Filmmuseum München in die Filme der iranischen Nouvelle Vague ein, die dem heutigen regimekritischen Kino den Weg bereitet hat. Wir dürfen Boualem Sansal nicht vergessen, warnt der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun bei Le Point. Zeit Online fackelt mit Progressive-Metal-Band Sleep Token nach allen Regeln der Kunst die Welt ab.
12.06.2025. Die Feuilletons trauern um den früheren Beach Boy Brian Wilson: Er war John Lennon, Paul McCartney und George Martin in Personalunion, schreibt die NZZ. Die SZ erlebt eine fulminante Mendelssohn-Inszenierung von Andreas Homoki in Zürich, in der ein grantiger Prophet "Elias" auf das Volk schimpft. Die Zeit steht in der saudischen Wüste am Grund eines gigantischen Stausees in Planung und erinnert daran, dass das Projekt "Neom" nicht nur Geld, sondern auch Leben kostet.