Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.06.2025. Große Trauer um den Funkmusiker Sly Stone, der es laut taz, verstand, Spiritualität und Wut musikalisch zu kanalisieren. Trauer auch um den für seine Nagelreliefs berühmten Künstler Günther Uecker. Und um Frederik Forsyth: Die SZ erinnert sich an seine Thriller, in denen vor allem Präsenz und Körperlichkeit zählen. Außerdem: Eher ein Reinfall ist die Neuaufnahme der Reichstagsverhüllung per Lichtprojektion, ärgert sich die Zeit. Die Welt fragt, nachdem Demis Volpi das Hamburger Ballett verlassen hat, ob das Haus auf ewig ein Erbhof John Neumeiers bleiben wird.
10.06.2025. SZ und Welt sind schier überwältigt, wenn Barrie Kosky in Salzburg eine ganz eigene Vivaldi-Oper kreiert, in der Cecilia Bartoli und Philippe Jaroussky in einer Fülle aus Klangfarben brillieren. Die FR schwelgt in Frankfurt in den Arbeiten von 26 japanischen Künstlerinnen der 1950er Jahre bis heute. Die SZ trifft in Lübeck Thomas Manns Enkel Frido Mann, der glaubt, dass sein Großvater die heutige Welt nicht mehr verstanden hätte. Die NZZ schaut sich im Met in New York um, das gerade für zwei Milliarden renoviert wird.
07.06.2025. FAS und taz lernen bei der Buchmesse in Kyjiw, wie schwierig es ist, Kriegsslang und Kriegserfahrungen zu übersetzen - vor allem dann, wenn sich die Ukraine ständig erklären muss. Die Polyphonie der Dagmara Kraus zu übersetzen ist vermutlich unmöglich: Im Perlentaucher würdigt Marie Luise Knott die große Sprachwerkerin. Die nachtkritik wirft Milo Rau vor, einem Gewaltfetischismus zu frönen, wenn er ein Stück über eine Kriegsreporterin auf die Bühne der Wiener Festwochen bringt. Und backstageclassical ärgert sich über Michael Barenboim, der einen Boykott Israels fordert.
06.06.2025. Die Feuilletons gratulieren Thomas Mann zum 150. Geburtstag. FAZ und taz raten gerade jetzt, den politischen Mann zu hören, der vor Irrationalismus warnte. In der FR sucht Mann-Biograf Tilmann Lahme vergeblich eine bedeutende Frauenfigur im Werk des Dichters. En attendant Nadeau feiert eine Pariser Ausstellung über die Unschärfe in der Kunst. Die SZ wollte von Musikfestival-Veranstaltern wissen, was sie gegen Antisemitismus unternehmen wollen. Spoiler: Kaum jemand reagierte.
05.06.2025. Der Tagesspiegel spürt beim Literaturfestival "HeadRead" im estnischen Tallinn die unterschwellige Angst vor einem russischen Einmarsch. Der Guardian kämpft mit Yoshitomo Naras Cartoon-Girls gegen Atomkraft. In der Zeit denkt der Musikproduzent Johann Scheerer über eine genossenschaftlich organisierte Musik-Plattform nach. Und die Filmkritiker blicken mit fiesem Body-Horror von Emilie Blichfeldt durch die Augen von Cinderellas hässlicher Stiefschwester.
04.06.2025. Im Iran wurde Salman Rushdie gerade durch die Fatwa zu einer Legende, weiß Zeit Online. Die BlZ erfreut sich in einer Cottbuser Ausstellung zu DDR-Frauenbildern an sagenhaft gemalter Tristesse. Die nachtkritik nimmt in Ali Chahrouhrs Tanzstück "When I Saw the Sea" am Berliner HAU Anteil am Schicksal von Arbeitsmigranten im Libanon. In einer Münchner Ausstellung spürt die NZZ Susan Sontags Angst nach, das Leben zu versäumen. Der Perlentaucher blickt auf einen streitbaren Essay von Lars-Henrik Gass über das Gegenwartskino.
03.06.2025. Monopol spürt in Washington in einer von Trump geschmähten Ausstellung den Verbindungen von Skulptur und rassistischen Stereotypen nach. Die FAZ erfährt in der Berliner Tchoban Foundation, wovon Architekten in der DDR heimlich träumten. Von Florian Amort, dem neuen Leiter der Händel-Festspiele in Halle, will sie wissen, ob Händel ein Plagiator war. Die taz fürchtet, dass Milo Rau bei allem Widerstand die Form aus den Augen verliert. Kamel Daoud hat eine Reise nach Italien abgesagt, weil er eine Auslieferung durch Italien nach Algerien fürchtet, berichtet rupture-mag.fr.
02.06.2025. Die Romanistin Sigrid Brinkmann weist für tachles.ch auf antisemitische Beweggründe für Boualem Sansals Verhaftung hin. Marlene Streeruwitz bedauert im Standard, dass das New York der Siebziger Jahre als "Genius loci" endgültig passé ist. Der Schauspieler Charly Hübner führt am Theater Magdeburg zum ersten Mal Regie: SZ, taz und FAZ sind begeistert, wie in seiner Fassung von "Krieg und Frieden" menschlich und miteinander gegen den Krieg gerappt wird.
31.05.2025. Die Literaturkritiker freuen sich, dass Sebastian Haffners Roman "Abschied" nun zur Veröffentlichung freigegeben wurde. Die taz reist auf die Philippinen, die das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse werden. Die WamS erinnert anlässlich einer Ausstellung in Zürich an den schwarzen Maler Ed Clark, der sich vom Kunstbetrieb nie unterkriegen ließ. Und die FAS lernt in einer Ausstellung in Mailand, warum schmutzigere Architektur das Überleben der Menschheit sichern wird.
30.05.2025. Die Feuilletons trauern um den kenianischen Schriftsteller Ngũgĩ wa Thiong'o, der wie kaum ein anderer für einen radikalen Begriff von Emanzipation stand, wie die taz schreibt. Die Welt lernt bei den Wiener Festwochen dank des Künstlerduos Signa ihr "pflegebedürftiges Ich" kennen. Backstage Classical ärgert sich über Klassik-Kritiker, die sich erst auf Häppchen einladen lassen und dann distanzlose Texte abliefern. Die taz erlebt in Chemnitz ukrainische Gegenwartskunst auf der Suche nach Identität.