Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
28.05.2025. Die Zeit porträtiert den neuen Shooting-Star des deutschen Kinos: die Regisseurin Mascha Schilinski, die gerade in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Die FR staunt in Chemnitz über ein Stück von Karin Breece, das Vergangenheitsbewältigung als höchst realistisches Figurentheater auf die Bühne bringt. Außerdem fragt sich die Zeit: Was hat es nur mit dem Wohlfühl-Hype in der Museumswelt auf sich? Die FAZ lässt sich in einer Wiener "Tannhäuser"-Aufführung von Malin Byströms glühendem Sopran betören.
27.05.2025. In der FAZ erinnert sich der iranische Cannes-Preisträger Jafar Panahi an sein Verhör im Evin-Gefängnis. Die Feuilletons trauern um den Dokumentarfilmer Marcel Ophuls, der ein Filmleben lang gegen die "feigen Neutralisten" ankämpfte. Die taz ärgert sich über die Ignoranz deutscher Verlage gegenüber ukrainischer Literatur. Die Welt versucht sich in Baden Baden nicht von der abweisenden Würde des abstrakten Expressionisten Richard Pousette-Dart abschrecken zu lassen. Und die FAZ rät in Zeiten des wachsenden Totalitarismus Schostakowitsch zu hören.
26.05.2025. Die Goldene Palme geht in Cannes dieses Jahr an den iranischen Regisseur Jafar Panahi - eine Auszeichnung, die sowohl aus künstlerischen als auch aus politischen Gründen überzeugt und einen starken Jahrgang abschließt, meinen die Zeitungen. Die FR blickt am Schauspiel Frankfurt in die psychologischen Abgründe von E.T.A. Hoffmanns "Sandmann". Die taz sieht den EU-Granden im Mannheimer Nationaltheater zu, wie sie in einer Robert-Menasse-Dramatisierung dahinsiechen.
24.05.2025. Die Welt lässt sich in der Neuen Nationalgalerie von den "Objetos relacionais" der brasilianischen Künstlerin Lygia Clark einwickeln. Die FAZ hört bei den Ruhrfestspielen den Minotaurus singen. Die NZZ beschuldigt den Thomas-Mann-Biografen Tilmann Lahme des Voyeurismus. Die FR feiert den schönsten Film in Cannes: Oliver Hermanus' "History of Sound" über die Anfänge des American Folk. Zeit online entdeckt ganze Popwelten im neuen Album von Stereolab.
23.05.2025. Artechock wünscht sich nach erzkonservativen Filmen in Cannes dringend eine Revolution des Gegenwartskinos. Die SZ hofft, dass die Ansprachen des Rock-Veteranen Bruce Springsteen gegen Trump einen Urknall auslösen. Die Kritiker lassen sich von Florentina Holzinger auch nicht mehr provozieren, wenn sie die Volksbühne mit Kot flutet. Im Perlentaucher führt Peter Truschner in die ätherischen Blumenbilder von Kathrin Linkersdorff ein, die in Berlin zu sehen sind.
22.05.2025. Die SZ ist glücklich mit dem International Booker Prize für die indische Schriftstellerin Banu Mushtaq, die auch schon Zielscheibe einer Fatwa wurde. Die taz lernt in Jafar Panahis iranischem Cannes-Beitrag "Ein einfacher Unfall", was man als Zivilist mit Schergen des Regimes tut. Die FR wird indes in Kirill Serebrennikovs "Das Verschwinden des Josef Mengele" von der Angst vor der Gegenwart gepackt. Und die taz lässt sich in Athen aus den traurigen Augen von Mastschweinen anblicken.
21.05.2025. Die Feuilletons erinnern an Yuri Grigorovich, den nun verstorbenen langjährigen Leiter des Bolschoi-Balletts. Zu seinem Erbe, weiß die Welt, gehört nicht zuletzt das fragwürdige Frauenbild sowjetischer Tanzkunst. Der Künstler Leon Kahane fragt im SZ-Interview: Warum muss Gerhard Richter ausgerechnet in Auschwitz einen Götzen in Form eines Museumspavillons errichten? Jafar Panahi, dessen neuer Film "Ein einfaches Urteil" in Cannes uraufgeführt wird, sieht im Zeit-Gespräch das Ende des iranischen Regimes nahen. Die FR begeistert sich in Frankfurt für die zartfühlenden Pressefotos von Werner Bischof.
20.05.2025. Die Filmkritiker feiern Richard Linklaters Film über die Entstehung von Jean-Luc Godards "Außer Atem": Die FR schwebt hier auf einer Wolke aus "kreativer Energie", die Welt staunt über die detaillierte Recherchearbeit für das "Wunderwerk". Nachtkritik bekommt bei Milo Raus Inszenierung von Elfriede Jelineks Stück "Burgtheater" in Wien Atemnot, die FAZ hätte gerne mehr von den überragenden Schauspielern und weniger Moralpredigten gesehen. Jungle World erinnert an die feministische Schriftstellerin Caroline Muhr.
19.05.2025. Mit dem Countertenor JJ hat zum ersten Mal ein Opernsänger den Eurovision Song Contest gewonnen, die Zeitungen gratulieren. Die Nachtkritik verfolgt in Jette Steckels Inszenierung von Annie Ernauxs "Die Jahre" am Thalia Theater gebannt, wie eine Frau gegen gesellschaftliche Zwänge ankämpft. Sowohl Standard als auch taz sind reichlich erschöpft von den anspruchsvollen Filmen, die in Cannes auf dem Filmfestival laufen. Die NZZ bestaunt die wundersamen Pappmaché-Insekten von Monster Chetwynd im Kunsthaus Zürich. Und alle trauern um die Schauspielerin Elisabeth Orth.
17.05.2025. Die FAZ entdeckt mit Rashid Johnson im New Yorker Guggenheim zwischen Monstera und Palmen den schwarzen Beuys. Der Guardian erkennt dank Helen Chadwick im britischen Wakefield die Schönheit saftiger Würmer. Warum läuft Fatih Akins famoser Heimatfilm "Amrum" in Cannes eigentlich nicht im Wettbewerb, fragen sich FR und Welt. Die taz tauscht dank der Zürcher Designerin Bitten Stetter das hässliche Flügelhemd im Krankenhaus gegen einen frechen Turnarounder.