Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Wie ein Tornado geformt

16.05.2025. Im Tagesspiegel erklärt die im Libanon geborene Schrifstellerin Hoda Barakat, wie sie weiblichen Stimmen Gehör verschafft, ohne Feministin zu sein. In der SZ erklärt Milo Rau, weshalb es an der Zeit ist, Elfriede Jelineks in Österreich geschmähtes Stück "Burgtheater" über die NS-Verstrickungen des Hörbiger-Clans genau jetzt aufzuführen. Die taz erkennt in Sergei Loznitsas Cannes-Beitrag "Zwei Staatsanwälte" einen Appell zum Erhalt der Demokratie. Und der Perlentaucher freut sich über  seinen neuen Podcast "Bücherbrief live".

Dieses überzeitliche Mädchenwesen

15.05.2025. Die Filmkritiker freuen sich, dass mit Mascha Schilinskis "In die Sonne schauen" mal wieder ein deutscher Film in Cannes zu sehen ist, und dann noch eine solche "Sensation", wie die Zeit schwärmt. Die SZ huldigt in einer Kölner Ausstellung den Meistern der Street-Photography Garry Winogrand, Lee Friedlander und Joseph Rodríguez. Die Zeit fragt sich, warum der Goldene Löwe der klimagerechten Architekturbiennale in Venedig ausgerechnet an den Petrostaat Bahrain ging.

Knatternde Konsonanten

14.05.2025. Das gab es noch nie: Cannes eröffnet mit einem Debütfilm und zwar mit Amélie Bonnins "Partir un jour". Viel Gespür für die Irrungen und Wirrungen des Lebens macht die SZ in dem Film aus. Das Urteil gegen Gérard Depardieu markiert eine Zeitenwende in der französischen Filmbranche, sind sich die Kritiker einig. Die FAZ erklärt, warum die Münchner Alte Pinakothek zu Recht fünf Millionen Euro für ein Mariengemälde von Hans Baldung Grien bezahlt hat. Die GEMA muss ihre Verteilungsschlüssel ändern, und zwar zugunsten von Jazz und Chanson, meint Georg Oeller aus dem GEMA-Vorstand im SZ-Gespräch.

Die Duftfläschchen, symbolische Statthalter

13.05.2025. Heute beginnen die Filmfestspiele in Cannes - und angesichts des "absurd star-gespickten" Programms kann die Berlinale mal wieder nicht mithalten, konstatiert die SZ. Die FAZ bewundert im Wiener Belvedere 21 "Kleine Ausschnitte von Frauen", gezeigt von der Künstlerin Maria Hahnenkamp. Die taz erlebt in Kathrin Mayrs Inszenierung von Tena Štivičićs Stück "Drei Winter" in Osnabrück die Geschichte Kroatiens als "emotionssattes" Familienepos. 

Von glühender Radikalität

12.05.2025. Die Theaterkritiker trauern um Carl Hegemann, den "führenden Kopf der Volksbühne", wie ihn die SZ nennt. Er war die "Instanz, die über das Verhältnis von Theater und Welt" Auskunft gab, meint die Welt. Der Tagesspiegel wartet in einer Ausstellung der Künstlerin Aneta Grzeszykowska nur darauf, dass ihre ledernen Puppen plötzlich lebendig werden. Im Gespräch mit der Jungle World erklärt der frühere Charlie-Hebdo-Redakteur Luz, warum sein neuer Comic über NS-Raubkunst mit jedem Tag aktueller wird.

Kataklysmische Ereignisse im ganzen Land

10.05.2025. Festivalpräsidentin Iris Knobloch setzt in Cannes auf Parität, aber nur in der Jury, nicht bei der Filmauswahl, erzählt sie in der WamS. Die SZ sieht in Yael Ronens Stück "Collateral Damage" am Schauspiel Köln einer Familie beim moralischen Verfall zu. Die FAS besucht den Künstler Heinz Mack, der einst die "Stunde Null" der Nachkriegskunst ausrief. Die israelische Regierung hat eine Reisewarnung für Basel während des ESC-Wettbewerbs ausgerufen, berichtet die NZZ.

Die Farbe eines gekochten Hummers

09.05.2025. Die FAZ spürt im deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig die Hitze des Klimawandels am eigenen Leib. Die deutsch-algerische Autorin Naila Chikhi appelliert im Perlentaucher an die neue Bundesregierung, ein Zeichen für Boualem Sansal zu setzen. Die SZ schaut bei Francesco Filideis Vertonung von "Der Name der Rose" an der Mailänder Scala vergnügt zu, wie sich Mönche auf der Bühne prügeln. Die FR summt in einer Ausstellung in Wiesbaden mit der Biene durch die Kunstgeschichte.

Der ganze Saal hebt ab

08.05.2025. Die Filmkritiker denken mit Dag Johan Haugeruds Berlinale-Gewinnerfilm "Träume" über die Liebe und die Literatur nach. Die Zeit spürt in einer Ausstellung in der Collezione Marmotti mit Viviane Sassens Fotografien das "Entrückte im Gegenwärtigen" auf. Maxim Biller blättert ebenfalls in der Zeit fassungslos durch Jürgen Tellers Auschwitz-Fotoband. Iran will den unter Pseudonym schreibenden Dichter Peyman Farahavar hinrichten lassen, meldet die FAZ.

Gar nicht Vorschlaghammer

07.05.2025. Die FAZ wird in Wim Wenders Kurzfilm "Der Schlüssel zur Freiheit" über das Ende des Zweiten Weltkriegs von der Vergangenheit eingeholt. Endlich einmal eine Künstlerin, die weiß, was angesichts des politischen Rechtsdrifts zu tun ist, jubelt monopol in einer Monica-Bonvicini-Schau in Berlin. In Cord Meijerings Oper "Gramsci", die in Görlitz Premiere feierte, lernt die FR den Marxisten als coolen und klugen Typen kennen. Percival Everett hat den Pulitzer-Preis für seinen Roman "James" rundum verdient, findet die FAZ.

In einem sanften Rausch

06.05.2025. Die Filmkritiker schütteln den Kopf über Donald Trumps Zölle auf ausländische Filmproduktionen. Die FAZ taucht in Hamburg ein ins Werk des niederländischen Künstlers Bas Jan Ader, der vor fünfzig Jahren auf dem Atlantik verschwand. Propalästinensische Aktivisten haben es sich unter dem Motto "Escalate for Palestine" zum Ziel gesetzt, die Nova-Überlebende Yuval Raphael aus dem ESC-Wettbewerb zu mobben, berichtet der Tages-Anzeiger. Die FAZ beschäftigt sich mit der subversiven politischen Kritik in der Lyrik des russischen Exil-Dichters Igor Guberman.