Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.05.2025. FR und Nachtkritik erfreuen sich an Clemens Setz' Stück "Die Erfindung" am Schauspielhaus Stuttgart, das die "hedonistische Selbstzufriedenheit" unserer Zeit aufs Korn nimmt. Die Beton-brut-Ästhetik kommt den Kunstwerken im Neubau des Musee des Beaux-Arts vom Architekturbüro Titan in Rennes entgegen, wie die NZZ staunt. Dem Musiker Christoph Annen ist es in der FAZ ganz recht, wenn die GEMA das E-Musik-Privileg abschafft. Die SZ denkt mit der Schriftstellerin Teresa Präauer über den "Old Money"-Look als Ausdruck gesellschaftlicher Unsicherheiten nach.
03.05.2025. Ausstellungen, die Stadt und das Zeitgeschehen fließen für die Kunstkritiker beim Gallery Weekend in Berlin ineinander, während sie Champagnerkorken knallen hören und in die Zelle eines russischen Straflagers blicken. "Ich stehe nie auf der Seite der Autoritäten", versichert die Autorin Rachel Kushner in der NZZ. Milo Rau erklärt der Welt seine Republik der Liebe. Die Literarische Welt durchforstet Joan Didions Nachlass. Die taz fordert mehr Tantiemen für U-Musik.
02.05.2025. Die NZZ wird in einer Ausstellung in Rom an jene Jahre erinnert, als die Kirche Caravaggio noch feierte. Nach acht Jahren PiS-Regierung sind auch wieder Themen wie Feminismus, LGBTQ-Rechte, aber auch die Shoah in der polnischen Kunst möglich, atmet Monopol auf. Die chinesische Kritikerin Chen Tian erzählt in der nachtkritik, wie die unabhängige Theaterszene Chinas die Zensur umgeht. Die SZ lässt sich von Steve Wilsons neuem Album das Hirn zerfressen. Und die taz hält nicht viel von beige-farbenen Clean Girls.
30.04.2025. Die Feuilletons stürzen sich auf Michael Lockshins Stalinismus-Satire "Meister und Margarita", die in Russland inzwischen verfemt ist: So viel Avantgarde gab's selten im russischen Kino, staunt die FR. Aber wo bleibt die Relevanz für die Gegenwart, fragt die taz. Die SZ lernt von Ed Atkins in London, was Avatare nicht können: schwitzen und riechen. taz und nachtkritik blicken auf die jüngsten Proteste gegen die Umstrukturierung der Berliner Landesbühnen. Und die Welt resümiert eine Diskussion zwischen den Soziologen Heinz Bude und Michael Hutter zum Documenta-Skandal.
29.04.2025. Die taz erfährt von Frank Auerbach-Biografin Catherine Lampert, dass der jüdische Maler, der nun erstmals in Berlin zu sehen ist, von einem Einfluss des Holocaust auf seine Bilder nichts wissen wollte. Ein obszönes Spektakel erlebt die SZ, wenn Albert Serras in seinem Dokumentarfilm über den Stierkämpfer Andrés Roca Rey den Übergang vom Leben zum Tod eines Stiers einfängt. Backstage Classical tanzt mitten im Bible Belt beim Big Ears Festival zu Avantgarde-Postrock und Noise in Kirchen. Wer nachhaltig wohnen will, muss auf Keller verzichten, lernt die Welt in Berlin.
28.04.2025. Die FAZ erinnert Rieke Süßkows Inszenierung von Jean Genets "Zofen" daran, wie radikal fremd die Avantgarde mal war, die FR findet sie eher dekorativ. Die Zivilisation ist ins Wanken geraten, lernt die FAZ von den Klimawandel dokumentierenden Fotografien in der Kunsthalle München. Backstage Classical unterhält sich mit der israelischen Sopranistin Chen Reiss über den wachsenden Antisemitismus in der E-Musik-Szene. Ist der Schweizer Pass eine Design-Ikone, möchte der Tages-Anzeiger wissen.
26.04.2025. Im FAZ-Interview ist der Filmregisseur Michael Lokshin schockiert, wie schnell sich der "neue Stalinismus" in Russland ausbreitete. Der syrische Schriftsteller Ahmad Katlesh schildert auf Zeit Online das Grauen, das ihn bei seiner Rückkehr nach Syrien erwartete. Die FAZ lernt in Chemnitz Künstler des Realismus' aus 22 Ländern kennen. Die SZ gerät in Trance, wenn Igor Levit unter Leitung von Marina Abramović dreizehn Stunden lang Erik Saties "Vexations" spielt. Und die FAS denkt heute ausgiebig über Original und Fälschung nach.
25.04.2025. Der Guardian wartet mit Antony Gormleys Menschen aus Blei bang darauf, abgefeuert zu werden. Besteht der Musikjournalismus eigentlich nur noch aus Gossip und Skandälchen, seufzt die taz. Die FAZ fragt sich, was Zootiere eigentlich von Erlebnisarchitektur halten. Der Standard stellt österreichische Literatinnen vor, die einen modernen Heimatbegriff pflegen.
24.04.2025. Der Perlentaucher hört die Farben im Laub rascheln in Naoko Yamadas synästhetischem Animefilm "The Colors Within" über zwei Mädchen in einem religiösen Internat. Die SZ staunt über die bahnbrechende Idee der Oscar-Akademie: Die Juroren sollen die Filme künftig auch anschauen. Die FAZ erfährt in den Bildern von Céline Ducrot und Cathrin Hoffmann in Gießen: Auch im Posthumanismus sind Frauen noch dem männlichen Blick unterworfen. In der Welt hält der Literaturwissenschaftler Alexander Pschera mit Blick auf dessen Briefe fest: Ernst Jünger war kein Pazifist.
23.04.2025. In der Zeit fragen Charlotte Gneuß und Dana Vowinckel, ob nicht wenigstens die jüdischen Suhrkamp-Autoren ein Recht darauf hatten zu wissen, dass Siegfried Unseld in der NSDAP war. Warum, empört sich die Welt, kaufen die Freunde der Nationalgalerie 2024 ein Werk der Künstlerin Jumana Mannas, die nach dem 7. Oktober die Mordtaten der Hamas feierte? Zwischen E und U muss in der Musik auch weiterhin unterschieden werden, sonst ist unsere geistige Versorgung in Gefahr, meint der Komponist Helmut Lachenmann ebenfalls in der FAZ. Und: Die Feuilletons trauern um den Schweizer Germanisten Peter von Matt.