Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Dass Küsse fallen

08.04.2025. Die FAZ berichtet von der russischsprachigen Buchmesse "Berlin Bebelplatz", die vor allem literarischen Dissidenten Gehör verschaffen will. Die SZ hängt in einer Bochumer Ausstellung auf dem "Hug Sofa" der Künstlerin Valentina Karga ab und schaut sich dabei Videos vom Klimawandel an. Die FR würde in einer Wiesbadener Inszenierung des "Barbiers von Sevilla" am liebsten mit Nikolaus Habjans Puppen über die Bühne fliegen. Und die NZZ macht in einer Zürcher Ausstellung über die frühen Techno-Jahre die Nacht zum Tag. Und Peter Handke ist sich in der NZZ sicher: Europa hat Selenski zum Krieg ermuntert...

Sozusagen die analoge Hippie-Antwort

07.04.2025. Die SZ ist Schorsch Kamerun dankbar, dass er in seiner Musik-Revue "Große Gewinne Schwere Verluste" am Deutschen Theater Berlin die Hauptstadt mal wieder in purer Lebensfreude erstrahlen lässt. Die FAZ blickt in einer Ausstellung im Lenbachhaus wehmütig auf die Landschaften vergangener Zeiten. Die taz fühlt sich in Fleur Fortunés Science-Fiction-Film "The Assessment" an Kafka und Mondrian erinnert. Außerdem trauert sie um den Singersongwriter Michael Hurley, der alles mögliche war, aber niemals "career-minded". Die FAS greift eine amerikanische Kunstdebatte auf: Ist es reaktionär gegen "woke" zu sein?

Sprich, Cecilia, sprich!

05.04.2025. Im Perlentaucher protestiert der Schriftsteller Christian Kortmann gegen die schlechten Bedingungen, die sogenannte Schriftstellerstipendien und Stadtschreiberstellen bieten. Das Kino ist heute nicht mehr so frei wie früher, klagt der italienische Regisseur Paolo Sorrentino in der WamS. In der FAZ schwärmt der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecký von der atemberaubenden Schönheit der Cecilia Gonzaga, die Donatello in einer Büste verewigt hat, zu sehen im slowakischen Zips.

Barfuß auf der glühenden Lava

04.04.2025. Die Raubkunst-Affäre in Bayern zieht immer weitere Kreise: FAZ, SZ und NZZ vermuten, dass Bernhard Maaz als Sündenbock für das Fehlverhalten von Minister Markus Blume herhalten muss. Wie schwierig es war, im Nachwende-Osten aufzuwachsen, lernt der Tagesspiegel von Constanze Klaues Film "Mit der Faust in die Welt schlagen" nach dem Roman von Lukas Rietzschel. Kader Attous "Prélude" überzeugt die FR auf dem Tanzmainz-Festival durch seine Rhythmusbetontheit. SpOn kann in der Debatte um den Preis der Leipziger Buchmesse an Kristine Bilkau nicht nachvollziehen, woher der Vorwurf kommt, männliche Kritiker würden ihr den Preis nicht gönnen.

Als ob gerade etwas verweht

03.04.2025. Nach der Raubkunst-Affäre in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen entlässt Bayerns Kulturminister Markus Blume deren Generaldirektor Bernhard Maaz, verkündet die SZ. Es lag noch viel mehr im Argen, mutmaßt die FR. Die taz würde im Berliner Haus am Waldsee gern an Ull Hohns schwefelgelben Gemälden über amerikanischen Kolonialismus lecken. Die Zeit fühlt sich unwohl, wenn Blixa Bargeld von Claudia Roth das Bundesverdienstkreuz erhält. Und alle trauern um Hollywoods leuchtenden Boomer Val Kilmer.

Mindestens drei Promille Blutalkohol

02.04.2025. Heute vor hundert Jahren wurde Hans Rosenthal geboren. Das ZDF würdigt den Moderator mit einem Biopic von Oliver Haffner, das die Welt als Momentaufnahme eines Lands im Umbruch empfiehlt. Mohammad Rasoulof wird weiter Filme über den Iran und die Lügen des Regimes machen, berichtet er der FAZ, zur Not von Deutschland aus. Die deutschen PEN-Dependancen sollen amerikanischen Autoren Asyl anbieten, schlägt Nora Gomringer ebenfalls in der FAZ vor. Nacktheit und geistliche Musik passen erstaunlich gut zusammen, lernt die FR in einem humorvollen Tanzstück von Emese Cuhorka und Csaba Molnár.

Herber Widerstandsgeist, bezwingend ausgestaltet

01.04.2025. Die SZ legt in Rom den Menschendenker Caravaggio hinter dem Rebellen frei. Die FR betrachtet in Berlin fasziniert launische Streptomyceten auf Erbsenpflanzen, die Kathrin Linkersdorff auf Fotografien bannt. In der NZZ ruft der Filmproduzent Martin Moszkowicz dazu auf, mehr in deutschen Film zu investieren, auch weil er gern mehr verdienen würde. FAZ und FR trotzen in Frankfurt dank Daniela Löffler mit Aribert Reimanns letzter Oper dem Tod. Die SZ verneigt sich vor der norwegischen Virtuosin Vilde Frang, die Robert Schumanns Violinkonzert von 1853 die lange versagte poetische Noblesse zurückgab.

Auch böse Menschen haben Lieder

31.03.2025. "Die Hölle ist eine Zirkusmanege", erkennt die FAZ in Claudia Bauers Münchner Inszenierung von "Warten auf Godot".  Die Welt ermutigt die Theaterwelt, sich an Leoš Janáčeks Opern heranzutrauen: Es lohnt sich! Die NZZ widerspricht dem Feuilleton-Tenor: Kristine Bilkau hat den Leipziger Buchpreis durchaus verdient, findet sie. Israels elektronische Musikszene sieht sich seit dem 7.Oktober einem Boykott ausgesetzt, den sie so noch nicht erlebt hat, berichtet Zeit Online

Mit Tollkühnheit gesegnet

29.03.2025. Die nachtkritik bestaunt die Kunst des Ertrinkens in Ivan Uryvskyis Inszenierung der "Hexe von Konotop" beim Europäischen Theaterfestival in Stuttgart. Die FAS freut sich über die Aufbruchstimmung in der polnischen Kunstszene. Die Jungle World bringt anlässlich der Leipziger Buchmesse einen Schwerpunkt zu Manga- und Anime-Literatur - die allerdings nicht ganz so feministisch ist wie erhofft. Im Interview mit der FAZ spricht der syrische Künstler Bilal Shourba über Kunst und den Bürgerkrieg. Außerdem bewundert die FAZ den "Alleskönner" Igor Levit.

Wie das Glück stolperfrei zu einem fände

28.03.2025. Die Zeitungen verurteilen einstimmig das Urteil zu fünf Jahren Haft, das in Algerien über Boualem Sansal gesprochen wurde. Möglicherweise gibt es aber Hoffnung auf Begnadigung, meint die Welt. Der Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse an Kristine Bilkau ist für die Kritiker eine Überraschung. Den Sachbuchpreis erhält Irina Rastorgueva, Thomas Weiler wird in der Sparte Übersetzung ausgezeichnet. Emsige Tänzer machen die FR auf dem Tanzmainz-Festival munter. Artechock und SZ sind sich einig, dass Gilles Lelouches Film "Beating Hearts" ziemlich wuchtig daherkommt.