Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
17.03.2025. Der Tagesspiegel wird mitgerissen von der "archaischen Kraft" in Barrie Koskys Inszenierung der Glass-Oper "Echnaton". Die FAZ kritisiert das Bolschoi-Ballett, das eine Choreografie des Putinkritikers Alexei Ratmansky aufführt, ohne seinen Namen zu nennen. Zeit Online staunt beim International Countryfestival in Berlin über die immense Popularität dieser Musik: Liegt es an der Ehrlichkeit des Genres? In der FAZ erinnert der Literaturwissenschaftler Wolfgang Hottner an den norwegischen Schriftsteller Dag Solstad.
15.03.2025. Die Theaterkritiker schmelzen in Christoph Marthalers Volksbühnen-Inszenierung "Wachs oder Wirklichkeit" dahin: wundervoll verspult, schwärmt die Welt, aber auch tief schürfend, versichert die nachtkritik, FAZ und Tagesspiegel stimmen in das Lob ein. Die SZ erzählt die Geschichte der riesigen Kunstsammlung des Schweizer Immobilienbesitzers Bruno Stefanini, der neben Bildern auch die Turnschuhe von Sissi sammelte oder Wollknäuel und Metallstäbchen. Brauchen wir das Museum wirklich als moralische Anstalt, fragt die FAZ.
14.03.2025. In der SZ erzählt Yasmina Reza vom "alltäglichen Unglück", das es bei Gerichtsprozessen zu beobachten gibt. Fasziniert besucht die nachtkritik das Hamburger Schauspielhaus, in dem Karin Henkel Tove Ditlevsens "Die Abweichlerin" auf die Bühne gebracht hat. Die FAZ betrachtet im Rijksmuseum Amsterdam, wie der amerikanische Foto-Kanon neu justiert wird. Der Perlentaucher feierte gestern 25-jähriges Jubiläum im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Und alle trauern um die Komponistin Sofia Gubaidulina.
13.03.2025. Die Filmkritiker sind sich uneins über Walter Salles' "Für immer hier" über die brutalen Übergriffe in den Siebzigern der brasilianischen Diktatur auf die linksbürgerliche Paiva-Familie: Einen wirklich wichtigen Film sehen Perlentaucher und FAZ, die NZZ meint, hier werde nur das Leid von Privilegierten gezeigt. Die FAZ lässt sich in Düsseldorf alle Formen von Mutterschaft von Mama bis Merkel vorführen. Bei VAN erklärt die Geigerin Lisa Batiashvili, warum sie nicht mehr in Russland, aber immer noch in den USA auftritt. Und die nachtkritik zieht Bilanz nach 20 Jahren postmigrantischem Theater.
12.03.2025. Der Perlentaucher resümiert seine Kritikerumfrage zur deutschen Gegenwartsliteratur: Aus einem breit gefächerten Feld ragt Emine Sevgi Özdamar heraus. Ein Keith-Jarrett-Film ohne Keith-Jarrett-Musik: Regisseur Ido Fluk erzählt in seinem neuen Film vom legendären "Köln-Concert" des Pianisten - der leider die Rechte zu den Aufnahmen seines Spiels nicht freigibt, berichtet critic.de. Der Standard freut sich darüber, dass die Band Burning Hell in ihrem neuen Album alles und jeden unterbringt - von Baudrillard bis Klimawandel.
11.03.2025. Der Perlentaucher veröffentlicht Thierry Chervels Interview mit Kamel Daoud, der mit ihm über die fatale Situation seines Freundes Boualem Sansal und die Machtdemonstrationen des algerischen Regimes gesprochen hat. Die FAZ erkennt dank Isa Genzken im Frankfurter Liebieghaus, dass die Gottkönigin Nofretete mit Sonnenbrille sogar noch eleganter ausgesehen hätte. Jungle World widmet Hirokazu Koreedas feinsinniger Mini-Serie "Asura" über ein japanisches Kleinfamilien-Chaos endlich die verdiente Aufmerksamkeit.
10.03.2025. Die FAZ erschauert abwechselnd vor Lust und vor Grauen, wenn Joana Mallwitz Ravels "La Valse" bei den Berliner Philharmonikern in den Abgrund führt. Die taz spürt göttliche Kräfte in Emanuel Gats Tanzstück "Freedom Sonata" am Haus der Berliner Festspiele. Im Perlentaucher stellt Angela Schader die amerikanische Autorin Sarah Bernstein vor, die die Frage nach dem Zusammenleben europäischer Juden und Nichtjuden im Schatten der Shoah stellt. Sieglinde Geisel und Marc Reichwein antworten außerdem auf die Perlentaucher-Kritikerumfrage.
08.03.2025. Die Welt berichtet vom Solidaritäts-Abend für Boualem Sansal, bei dem Kamel Daoud mit wenig Hoffnung auf die Situation seines Freundes blickte. Die FAZ verneigt sich bei Thomas Ostermeiers Londoner Inszenierung von Anton Tschechows "Die Möwe" vor Cate Blanchetts Performance als alternder Diva. Zeit Online ärgert sich, dass RaMell Ross' geniale Verfilmung von Colson Whiteheads Roman "Nickel Boys" von der Filmwelt größtenteils ignoriert wurde. Die Musikkritiker feiern außerdem das neue Album der "Königin des Nonsens" Lady Gaga.
07.03.2025. Ziemlich entsetzt ist der Historiker Michael Wolffsohn in der NZZ über Yuval Abrahams und Basel Adras Doku-Film "No Other Land": Zu einseitig ist ihr die propalästinensische Darstellung. Der Tagesspiegel reist nach Amsterdam, um den 80. Geburtstag des "notorischen Ruhestörers" Anselm Kiefer zu feiern. Und alle trauern um den Musiker Roy Ayers. Der Geiger Christian Tetzlaff erklärt im Podcast von Backstage Classical, warum Amerika künftig auf ihn verzichten muss.l
06.03.2025. Der Tagesspiegel lauscht den stummen Botschaften von Pilzen, die Shu Lea Cheang durchs Münchner Haus der Kunst sendet. Die SZ weiß: Seit 2022 wusste man in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, welche Werke restituiert werden müssten. Gelungener Protest oder hohler Ketamin-Rave? Die Zeit klatscht Beifall, wenn Anne Imhof Teenager gegen Trump auf SUVs toben lässt. Mehr ist nicht drin?, fragt dagegen bestürzt Hyperallergic. Die taz klärt Trump, der dem Land klassische Architektur verordnet, über Repräsentationen von Macht auf. Die Zeit trifft sich mit Christian Kracht in Kalkutta.