Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Dichterisch, frei, wild

10.02.2025. SZ und taz rollen mit einer Inszenierung von Roberto Ciulli am Theater an der Ruhr den Mordfall Pier Paolo Pasolini neu auf. Die taz findet es außerdem schlimm, dass die Transschauspielerin Karla Sofía Gascón wegen zehn Jahrer alter Tweets von aller Welt fallen gelassen wird. Der Tagesspiegel gibt sich in der Kunsthalle Hamburg malerischen Illusionen hin. Die FAZ lauscht Rolf Kühns letzter, kurz vor seinem Tod im Jahr 2022 entstandenen Studioaufnahme "Fearless".

Vielleicht ein bisschen für dich

08.02.2025. Die Feuilletons reißen sich um Tom Tykwer, dessen neuer Film "Das Licht" die Berlinale eröffnet. Die FAS sieht in der Instagram-Kunst von Sam Youkilis das Werk eines scharf beobachtenden Chronisten des Alltags. Die taz lernt die syrische Architekturmoderne kennen. Die FAZ findet es absurd, dass der Berliner Galerist Johann König gegen den Autor Christoph Peters klagt - weil er sich in einer seiner Figuren wiederzuerkennen meint. Und: Matthias Lilienthal übernimmt die Intendanz der Volksbühne - die Kritiker sind zwiegespalten.

Fürsorge während des Ausnahmezustands

07.02.2025. Der amerikanische Künstler Fareed Armaly lehnt den Käthe Kollwitz-Preis ab, weil Stimmen, die für die Rechte der Palästinenser eintreten, angeblich zensiert werden, meldet die Berliner Zeitung. Die Verwicklungen von Jazz, Imperialismus und Geopolitik verfolgen die überwiegend begeisterten Kritiker in Johan Grimoprez' Film "Soundtrack to a Coup d'État" nach. "Applaus-Rowdies" verderben Backstage Classical den Spaß am klassischen Konzert. Heute wird die Entscheidung über die neue Volksbühnen-Intendanz bekannt gegeben, die Berliner Zeitung rekapituliert, was bisher falsch lief.

Eruptionen aus einem skeptischen Hirn

06.02.2025. Der Guardian lässt sich in der Tate St. Yves von den knubbeligen Würsten der britischen Surrealistin Ithell Colquhoun hypnotisieren. Die Zeit erlebt die Granden der österreichischen Literatur im Schockzustand. Für die nachtkritik wirft die ukrainische Kulturjournalistin Olena Myashko einen Blick auf das ukrainische Theater zwischen Weltflucht und Kriegsfolgen. Der Perlentaucher feiert mit Arne Körner die vielen Leben des Dieter Kuhlbrodt. Und die NZZ zieht sich mit FKA Twigs in die Kapsel des eigenen Körpers zurück.

Psychosentiefe Lücke

05.02.2025. Die FAZ fragt: Was ist der Code of Conduct der Documenta wert, wenn er für die künstlerische Leitung nicht bindend ist? Außerdem ärgert sie sich darüber, dass Hessen seine Tanzensembles kaputtspart. Die FR dagegen erfreut sich in Kassel an Eyal Dadons huschendem, gebeugtem Tanzstück "Shaker Loop". Der Tagesspiegel stellt die ukrainische Designerin Svitlana Volkova vor, die Mode für Kriegsversehrte entwirft. Klaus Walter denkt in der FR darüber nach, warum Solokünstler besser zu unserer Welt der Zeitverträge und des Home Office passen als Bands. Die taz ist entzückt von den Hybriden zwischen Mensch und Tier, die die ukrainische Malerin Kateryna Lysovenko in Hannover ausstellt.

Zuhause bei den fernsten Dingen

04.02.2025. Monopol beugt sich über den neuen Verhaltenskodex der Documenta und fragt: Bleibt alles beim Alten? Die Welt überlegt derweil in München, ob Exzentrik nicht eine Kategorie der Kunst sein sollte. Die NZZ erlebt bei einer Filmreihe in Bern die emotionale Präsenz der Inuit in Grönland und staunt, wozu Kino in der Lage ist. FAZ und FR küren Albéric Magnards vergessene Oper "Guercoeur" in Frankfurt zum Stück der Stunde. Die Musikkritiker fragen sich: Sind die Grammys misogyn oder nicht?

Redet doch mit uns!

03.02.2025. SZ und nachtkritik tauchen ein in Evgeny Titovs schön finstere Shakespeare-Inszenierung in Düsseldorf, in der Burghart Klaußner den "König Lear" gibt. Im FR-Gespräch wundert sich die Schriftstellerin Julia Schoch, wie heutzutage über die DDR gesprochen wird: "Als ob dieser verschwundene Staat in einer Parallelwelt konserviert wäre, aus der wir uns bedienen könnten." Die SZ rollt den Skandal um die Transschauspielerin Karla Sofía Gascón auf. Der Freitag stellt die auf Unendlichkeit angelegte Konzeptmusik von Valentin Hansen vor.

Wärmende Liebesklangkraft

01.02.2025. Die FAS taucht mit der ukrainischen Künstlerin Kateryna Lysovenko in Hannover in neun Höllenkreise. Der Standard freut sich, dass das Kino den Sex wiederentdeckt. Goethes Antisemitismus war hässlich, aber er war kein Wegbereiter der Schoah, erklärt Biograf Jeremy Adler in der Literarischen Welt seinem Kollegen Daniel Wilson. In der SZ schwärmt Peter Sellars von der Arbeit mit Teodor Currentzis für Rameaus "Castor und Pollux", auch die Welt muss dem putinhörigen, aber "rasant-relevanten Rameau-Recken" Tribut zu zollen. Wenig abgewinnen kann die SZ dem Schwanengesang des waidwunden Disco-Tiers The Weeknd.

Gleichzeitigkeiten scheinen auf

31.01.2025.  Die NZZ taucht ein in verwunschene Biberteiche in einer Ausstellung mit nordischer Malerei in Basel. Die taz staunt, wie Calixto Bieito den Palast der Republik in seiner Pariser "Rheingold"-Inszenierung noch einmal untergehen lässt. Zeit Online und Welt sehen die ganze Geschichte der USA in einer Person in Alexander Horwaths brillantem Essayfilm "Henry Fonda for President". Und alle trauern um die große Marianne Faithfull, die "Ingeborg Bachmann der Popmusik", wie die SZ schreibt

Er stottert sich durch den Begriff 'Kultur'

30.01.2025. Die Filmkritiker blicken auf Brady Corbets episches Gemälde "The Brutalist": Die Welt sieht hier auch ein zaghaftes Plädoyer für den Zionismus. Der Tagesspiegel setzt sich im Berliner Haus der Kunst in ein riesiges Nest aus bunten Kabelbindern. Ebenfalls im Tagesspiegel spricht Edouard Louis über Schuld und Hass auf seine Mutter. Die NZZ staunt in Hamburg, wie Gordon Kampe eine Putin-Rede erlkönighaft in ihre Einzelteile zerlegt.