Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Das Geheimnis hinter dem roten Vorhang

17.01.2025. Einen wie ihn wird es im Kino nicht mehr geben: Der große, einzigartige David Lynch ist tot. Die Feuilletons trauern um einen Regisseur, der wie kein anderer die Schönheit im Schrecken fand. Die nachtkritik lernt dank Christopher Rüping am Thalia Theater Helden aus der zweiten Reihe kennen. Die FAZ verfolgt, wie sich Sigmar Polke im Madrider Prado Francisco de Goya einverleibt. Im SpOn-Interview rät der Architekt Friedrich von Borries den Kaliforniern, Los Angeles lieber erstmal nicht wieder aufzubauen. In  der SZ denkt Natan Sznaider über die Neue Sachlichkeit nach.

Die Körperlichkeit der Rhinozerosse

16.01.2025. Die Filmkritiker lassen sich von Clint Eastwoods minimalistischem Slowburner "Juror #2" über einen befangenen Geschworenen in den Bann ziehen. Monopol bewundert die Leichtigkeit, mit der Albert Oehlen die archaischen Plastiken des Holocaust-Überlebenden Hans Josephsohn in Paris arrangiert. In der FAZ will der neue Albertina-Direktor Ralph Gleis nicht auf "Zwangsbeglückung", sondern auf Partizipation in Museen setzen. Und die SZ schickt mit Selen Kara in Essen einen deutschen Gastarbeiter nach Istanbul.

Genug Glitzer

15.01.2025. Die FAZ schaut mit Jesse Eisenbergs Film "A Real Pain" nach Polen, wo um die Erinnerung an den Holocaust eine brummende Tourismusbranche entstanden ist. Darf Carrie Underwood wegen ihres Auftritts bei der Trump-Inauguration angefeindet werden? Nein, meint die SZ. Der Standard findet mit Christoph Bochdanskys und Rose Breuss' Tanzstück "Fragments of our time" am Wiener Theater Nestroyhof Hamakom verlorene Tänze wieder.

Im Inneren bewegt

14.01.2025. Die Theaterkritiker tauchen mit Johannes Eraths Inszenierung von György Kurtágs Oper "Fin de partie" in eine clowneske Weltuntergangsfantasie ein. Die Filmkritiker erwarten mit Spannung den deutschen Kinostart von Alexander Horwaths epischem Essayfilm "Henry Fonda for President", der die Geschichte nicht eines, sondern zweier Amerikas schreibt, wie die Presse festhält. Der Schriftsteller T.C. Boyle ist sich angesichts der Brände in Los Angeles im ZeitMagazin sicher: "Wir sind dem Untergang geweiht." Und alle trauern um den Werbefotografen Oliviero Toscani, der die Welt mit seinen Werken schockierte und faszinierte.

Hellwacher Spott

13.01.2025. In Stas Zhyrkovs Shakespeare-Inszenierung "Future Macbeth" am Berliner Ensemble bleibt der Mensch als "wahrhaft gewaltiges Wesen" zurück - die Nachtkritik fragt: Was bleibt dann von der Kunst? Der Produzent und ehemalige Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz fordert in der SZ "weniger Gießkanne, mehr Bestenförderung" für die Filmbranche. Bald steht ein schwedisches Sommerhaus auf dem Mond, freut sich die SZ außerdem mit Blick auf ein Projekt des Künstlers Mikael Genberg. In Los Angeles ist ein wichtiges Arnold-Schönberg-Archiv verbrannt, meldet Slipped Disc.

Wider die menschliche Hybris

11.01.2025. Tagesspiegel und FAS sind beeindruckt von Thomas Riedelsheimers Dokumentarfilm "Tracing Light", der das komplexe Wesen des Lichts ergründet. Die SZ liest Alice Munros Romane mit dem Wissen darum, dass sie ihre Tochter nicht vor dem Missbrauch durch ihren Ehemann schützte, noch einmal neu. Die FAZ muss schlucken angesichts der Bilder von Collage-Künstlerin Annegret Soltau, für die Kunst nicht Erlösung, sondern Schmerz bedeutet. Außerdem schlendert sie mit dem Medienwissenschaftler Alexander Gutzmer mit New-York-Romanen unterm Arm durch New York.

Niemals entzaubert, sondern entlastet

10.01.2025. Die FAZ geht in der Kunsthalle Recklinghausen auf eine Zeitreise in die junge Bundesrepublik. Dass um Kunstfreiheit auch zehn Jahre nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo noch gekämpft werden muss, lernt die taz in einer Karikaturen-Ausstellung in Hannover. Die SZ identifiziert den Auftragskiller als neuen romantischen Filmheld. Die Welt sieht das Ballett in der Krise. Die FR spricht mit dem iranischen Musiker Saba Alizadeh über die Restriktion der Musik in seinem Heimatland. Und alle trauern um die Wiener Theaterlegende Otto Schenk.

Picassos kugeliger Kopf

09.01.2025. Lieber polierte man zwei Tage lang einen neunzig Jahre alten Maserati, als die Verbindung zwischen Futurismus und Faschismus zu zeigen, bemerkt die NZZ in einer Ausstellung in Rom. Monopol lernt in einer Berliner Ausstellung über queere Kunst im Pazifikraum die fünf Geschlechter der Bugis kennen. Zeit und taz lassen mit Edgar Reitz und Jörg Adolph in "Filmstunde_23" ein Schulexperiment aus dem Jahr 1968 wieder aufleben. Die SZ trifft die russische Sängerin Monetotschka, die aus dem Exil versucht, ihre Fans in Russland zu ermutigen.

Schicke Nerds

08.01.2025. In Patryk Vegas hochgradig spekulativer Filmbiografie "Putin" macht sich der russische Präsident in die Windeln, dem Filmdienst wird ob der intellektuellen Schlichtheit der Unternehmung trotzdem fad. Die SZ betritt mit Alhierd Bacharevičs Roman "Europas Hunde" eine "Terra incognita der Literatur", gegen die der belarussische Staat mit Traktorenpower vorgeht. Die FAZ flaniert in Paris durch eine Warenhausausstellung und freut sich über das Comeback dieser Konsumtempel. Zeit Online widmet sich dem markanten Sägesound des Rage-Raps.

Unter dem ästhetischen Radar

07.01.2025. Die SZ trifft sich mit Michelangelo, Leonardo und Raffael in London zum Gipfeltreffen der Giganten. In der Jungle World erzählt der Autor Henryk Gericke, wie die DDR ihre Punks aus dem Straßenbild entfernte. Die Filmkritiker freuen sich über die Golden Globes für Jaques Audiards "Emilia Pérez" und Brady Corbets "Der Brutalist", auch weil sie als Gradmesser für den gesellschaftlichen Fortschritt dienen, wie der Tagesspiegel bemerkt. Der Tagesspiegel staunt außerdem, welche literarische Raketen der Kleinverlag Carcosa zündet. Die taz lernt im Berliner DAZ, wie man emanzipatorisch baut.