Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
06.01.2025. In der NZZ fragt sich der israelische Schriftsteller Ron Segal, warum das deutsche Außenministerium den Vorschlag Israels abgelehnt hat, zur Feier von 60 Jahren diplomatischer Beziehungen, einen gemeinsamen Stand an der Frankfurter Buchmesse auszurichten. Dass die Literaturbranche mit der KI "Demandsens" zukünftig Manuskripte auf ihren Marktwert hin analysieren kann, schockiert die Welt nicht besonders. Nachtkritik unternimmt mit Klaus Gehres Darmstadter Inszenierung von "Interstellar. Zwischen den Sternen" eine prächtige, aber etwas verwirrende Weltraumreise.
04.01.2025. SZ und Welt sind tief beeindruckt von Tim Fehlbaums News-Thriller "September 5" über das Olympia-Attentat von 1972. Im Interview mit der FAZ erklärt Dirigent Iván Fischer, warum Operninszenierungen immer von der Musik ausgehen sollten. Die taz sucht Alternativen zu Kafka. Und die SZ porträtiert den großartigen Essayisten Eliot Weinberger.
03.01.2025. Der Tagesspiegel erlebt mit Philippe Parreno, Susanne Daubner und einer KI in München ein apokalyptisches Gesamtkunstwerk. Im Monopol-Magazin verteidigt Kuratorin Tanja Pirsig-Marshall die viel gescholtene Otto Mueller-Ausstellung in Münster. Die FAZ fragt sich, warum das Auswärtige Amt anlässlich von sechzig Jahren diplomatischer Beziehungen zu Israel kein Interesse an einem gemeinsamen Stand auf der Frankfurter Buchmesse hat. Außerdem beginnt sie das neue Jahr in Berlin mit klingenden Licht-Metaphern von Felix Mendelssohn Bartholdy.
02.01.2025. So hin- und hergerissen wie der Film selbst, sind auch die Kritiker von Robert Eggers' Nosferatu-Remake "The Witch". Lebendiger erscheint ihnen Luca Guadagninos "Queer", der einen Schmierbolzen im mexikanischen Exil seinem schwulen Begehren nachforschen lässt. Der Standard bewundert in Wien den Champagnergeist Dagobert Peche, dessen knallige Wiener Werkstätte-Entwürfe die Pop-Kultur bis heute prägen. Die SZ knetet mit Francis Bacon in London die Gesichter von Freunden.
31.12.2024. Dass Feuerwerk auch eine Kunst sein kann, lernt die taz in einer Berliner Ausstellung. Auf critic.de erzählt Lukas Foerster von seinem Mammut-Projekt: alle deutschen Filme mit Kinostart aus dem Jahr 2024 gesehen zu haben. Boualem Sansal wird bei der Neujahrsamnestie des algerischen Präsidenten nicht freigelassen, meldet sein französisches Unterstützerkomitee. Kunst ist keine Wohlfühloase, erinnert in der Zeit Rainer Moritz. Die taz betrachtet die Architektur in Bulgarien. Die Zeit trauert um den Berliner Watergate-Club, der im neuen Jahr dicht macht.
30.12.2024. Die Initiativen für die Freilassung von Boualem Sansal lassen nicht nach: Eine Gruppe aus Autoren und Universitätsleuten veröffentlicht einen Aufruf in L'Express. Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune griff Sansal in seiner Neujahrsansprache derweil scharf an, berichtet Marianne. Die FAZ amüsiert sich in Tallinn mit den Bildern des estnischen "Kosmo-Erotikers" Ülo Sooster, dem auch die Sowjets das Lachen nicht austreiben konnten. Die Filmkritiker bejubeln Dominik Grafs neuen "Polizeiruf"-Krimi "Jenseits des Rechts".
28.12.2024. Der Guardian gleitet auf Zen-Wolken in London durch die superflachen Gemälde von Takashi Murakami. Politische Kunst verlor ihre Bedeutung, als Haltungen selbst zur Marke der Künstler wurden, konstatiert Zeit Online. Die FAZ lacht, seufzt und grübelt in Fritz Senns im Laufe von Jahrzehnten aufgebauter James-Joyce-Spezialbibliothek in Zürich. Die SZ nimmt Abschied vom guten alten Esszimmer. Und alle trauern um Hannelore Hoger, die kühle Laborantin mit dem rauen Charme, wie die FR schreibt.
27.12.2024. Monopol gibt sich im Museum Küppersmühle Miquel Barcelós rauschhaften Genüssen hin. In der Welt erzählt die iranische Schauspielerin und Frauenrechtlerin Mahsa Rostami von ihrer schmerzhaften Begegnung mit der iranischen Polizei. Die FAZ besucht in Nordostnorwegen das erste samische Theater von Snøhetta. Die GEMA verklagt OpenAI wegen Urheberrechtsbedenken, die SZ berichtet. Alle Jahre wieder lauschen Medium und Tagesspiegel Bachs Weihnachtsoratorium mit dem Rundfunk Sinfonieorchester Berlin.
24.12.2024. Frauen müssen mindestens einen Löwen zähmen, um zur Ikone zu werden, lernt der Tagesspiegel in Frankfurt. In der Zeit erkennt Navid Kermani in Mohammad Rasoulofs "Die Saat des heiligen Feigenbaums" das mythische Drama der iranischen Gesellschaft. Ebenfalls in der Zeit erklärt Han Kang, welche Bedeutung Träume für ihre Romane haben. Die FAZ gibt sich in Paris mit Hexern, Göttern und Zombis auf einem haitianischen Friedhof die Klinke in die Hand. Und die Welt fragt fassungslos: Warum braucht Berlin vier Jahrzehnte, um am Molkenmarkt drei Blocks zu bebauen?
23.12.2024. Die Kritiker sind begeistert von Mohammad Rasoulofs heimlich im Iran gedrehten Film "Die Saat des heiligen Feigenbaums". Die Nachtkritik freut sich in Hakan Savaş Micans Berliner Adaption von Necati Öziris Roman "Vatermal" über "schön rotzige" Frauenfiguren. Der Filmdienst führt durch das ungarische Gegenwartskino unter Viktor Orbán. Zeit Online erklärt uns, wie sich die Musik der Neuen Neuen Deutsche Welle nochmal genau anhört. Und die NZZ stellt fest: Die Luxusmodemarken haben es die letzten Jahre übertrieben mit der scheinbaren Exklusivität.