Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Weihnachten und Ostern an einem Tag

21.12.2024. Der Tagesspiegel verliert sich in Paris staunend in den schimmernden Fäden der kolumbianischen Webkünstlerin Olga de Amaral. Der russische Maler Nikolai Estis erklärt in der FAZ, warum er es hasst, seine Bilder zu verkaufen. Der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerassimow wirft in der NZZ Schlaglichter auf Weihnachten in Charkiw im dritten Jahr des Ukrainekriegs. Die Autorin Lea Streisand erzählt in einem FAS-Essay von Weihnachten und Sparkultur. Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof rühmt im Interview mit der taz die Kunst und den Mut der jüngsten Generation iranischer Regisseure. Van freut sich über das Weihnachtswunder Bach in der ARD.

Der Aberwitz dieser Dunkelwelt

20.12.2024. Der Filmemacher Jean-Pierre Lledo fragt sich im Gespräch mit Times of Israel, inwieweit Frankreich mit der Inhaftierung Boualem Sansals unter Druck gesetzt werden soll, die von Algerien gewollte Grenze zu Marokko zu akzeptieren. Die FAZ fährt mit Richard Strauss' "Salome" in Antwerpen Richtung Untergang. Weder FAZ noch Artechock sind mit der Novelle des Filmförderungsgesetzes zufrieden. Monopol schildert, wie sich die Jüdische Kunstschule Berlin für Verständigung und gegen Boykott einsetzt. Umweltfreundliche Architektur hat eine lange Geschichte, wie die taz in Schleswig-Holstein lernt.

Das Laster ist hier verboten

19.12.2024. Großes Aufatmen in der Kunstwelt: Mit der Entscheidung für Naomi Beckwith als Leiterin der Documenta 16 setzt die Kommission nicht mehr auf "Experimente aus dem globalen Süden". Derweil bangen die Filmkritiker angesichts der Diskussion, die heute im Bundestag über die Reform der Filmförderung geführt wird: In der FAZ fleht Volker Schlöndorff: Sichert das Überleben des Films in unserem Land. taz und FAZ blicken in Berlin mit Baudelaire in die Abgründe von Covid-Zellen und Kabuler Schönheitssalons. Und der Perlentaucher feiert mit Payal Kapadias "All We Imagine as Light" die neonlichtfunkelnde Schönheit Mumbais.

Vorzugsweise im Schlafanzug

18.12.2024. Die Berliner Zeitung verliert sich in David Schnells farbstarken Halluzinationen im Berliner Mies-van-der-Rohe-Haus. Monopol schaut Martina Morger im Baseler Museum Tinguely beim Ablecken von Schaufenstern zu. Der Tagesspiegel spaziert mit dem Verlegerpaar Angelika und Bernd Erhard Fischer durchs Berliner Umland und entdeckt Löcher in der Zeit. Die Pianistin Hanni Liang erklärt der FAZ, wie ihre Konzerte der Vereinzelung in der modernen Welt entgegen wirken. Und die SZ rät Kindern zu Gruselfilmen, um zu lernen, mit Furcht umzugehen.

Latte-Macchiato-Bourgeoisie

17.12.2024. Die FAZ jubelt: Mit seinem Beethoven-Stück "Tiefer Graben 8" findet Christoph Marthaler am Theater Basel wieder zu alter Größe zurück. In der SZ verrät der iranische, vor dem Regime geflohene, Regisseur Mohammad Rasoulof, wie man heimlich einen Film dreht. Rainald Goetz ist wieder online! So freut sich der Tagesspiegel über die heimlichen Instagram-Aktivitäten des Schriftstellers. Backstage Classical bittet um Mithilfe: die unabhängige, kritische Berichterstattung gefällt nicht allen.

Auf Kante nähen

16.12.2024. Die iranische Sängerin Parastoo Ahmadi, die ein Konzert ohne Kopftuch gab, ist nach ihrer Verhaftung wieder frei, berichtet unter anderen die taz. Die FAZ staunt im niederländischen Wassenaar über die Keramik-Figuren von Musiker Nick Cave, der sich selbst zum Teufel macht. Yael Ronen breitet mit ihrem neuen Stück "Replay" in Berlin ein großes Geschichts-Tableau vor den Kritikern aus, die damit aber nicht ganz glücklich werden.

Kleine Schnittchen der Theorie

14.12.2024. PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel mahnt im SZ-Gespräch mit Blick auf den aktuellen Streit um eine Nahostkonflikt-Resolution, sich mehr auf Gemeinsamkeiten als auf Unterschiede zu konzentrieren. Saba-Nur Cheema und Meron Mendel attestieren der Pro-Palästina-Fraktion um Per Leo in der FAZ hingegen Eitelkeit und Narzissmus. Die Kritiker nehmen mit "Der Schnittchenkauf" an der Volksbühne endgültig Abschied von René Pollesch. Und die Filmkritiker trauern um den Regisseur Wolfgang Becker, der die "Jammerzeit" des deutschen Kino der Neunziger beendete.

Gegen den gefürchteten Geist aus den Mauern

13.12.2024. "Wie schwierig es ist, ein Schriftsteller und zugleich ein freier Algerier zu sein", erinnert Kamel Daoud in seiner Le Point-Kolumne, in der er Boualem Sansal gegen Vorwürfe des Rechtsextremismus verteidigt. Auch dessen Anwalt fordert eine "Schriftstellerfront für die Meinungsfreiheit." Die NZZ findet in Zürich "letzte Zuflucht bei der Malerei" in den Werken des Kanadiers Matthew Wong und seines Seelenverwandten Vincent van Gogh. Die Berliner Zeitung macht sich Sorgen um die Zukunft der Volksbühne. Artechock möchte verstehen, was "europäischer Film" heutzutage bedeutet. Raven ist politisch, lernt die taz von georgischen DJs.

Was hast du getan, als die Welt brannte?

12.12.2024. Boualem Sansal bleibt weiterhin in Haft, sein Anwalt durfte nicht nach Algerien einreisen, meldet Le Point. Derweil zerlegt sich der PEN Berlin weiter selbst: Im Freitag führt Jörg Phil Friedrich der Gruppe um Per Leo nochmal vor Augen, welche zwielichtigen Gestalten sie da als Kollegen bezeichnen. In der Berliner Zeitung meint Deniz Yücel: Das ist Demokratie. Die Zeit notiert in Mannheim: Die Neue Sachlichkeit ist die Kunst der Stunde, warnt aber vor der Agonie der Zeitgenossen. Außerdem reibt die Zeit Balzac mit Balsamico ein. Die Welt rauft sich die Haare, wenn Rosa von Praunheim in Berlin Alice Weidel als Hitler gegen Sahra Wagenknecht als Stalin mit Pimmelwürsten kämpfen lässt.

Bis die Finger blutig sind

11.12.2024. Amnesty International bekleckert sich in Sachen Boualem Sansal nicht gerade mit Ruhm, kritisiert lejournal.info. Die Kampagne für Sansal wird intensiviert. Die Feuilletons laben sich an Jon M. Chus Filmmusical "Wicked" - drüber, aber toll, findet der Tagesspiegel. Der Streit um die Nahostkonflikt-Resolution des PEN Berlin eskaliert - unnötigerweise, findet die Zeit. Jetzt sind Teile der propalästinensischen Fraktion ausgetreten. Amoaka Boafas Kunst zerlegt Klischees schwarzer Macho-Männlichkeit, freut sich die taz in einer Ausstellung im Wiener Belvedere. Elfriede Jelinek fällt nicht viel Erhellendes zu Trump ein, ärgert sich die FAZ in der Premiere von "Endsieg" am Schauspielhaus Hamburg.