Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.11.2024. Im Tagesspiegel erzählt die ukrainische Schriftstellerin Sofia Andruchowytsch, wie sie nach dem Beginn des Krieges eine neue Sprache finden musste. Die FAZ muss sich bei Björn Reinkes Inszenierung der Haydn-Oper "Armida" in Potsdam zwischen "Myrte und Maschinengewehr" entscheiden. Im Standard stellt der Schriftsteller Karl-Markus Gauß bestürzt fest: Wir leben in einer Epoche des "Librizids". Die NZZ freut sich, dass die Stadt Ferrara ihrem bedeutenden Sohn Michelangelo Antonioni ein Museum gewidmet hat.
16.11.2024. In Mailand möchte das Kino Orfei Ruggero Gabbais Dokumentarfilm "Liliana" über die Holocaustüberlebende Liliana Segre nicht zeigen - aus Angst vor antisemitischen Demonstranten, berichtet die SZ. In der taz beklagt Etgar Keret die intellektuelle Faulheit von Sally Rooney und co. NZZ, FAZ und SZ blicken in Genf unterscheidlich ergriffen auf Sidi Larbi Cherkaouiers den Spuren seines marokkanischen Vaters folgende Choreografie "Ihsane". Der Tagesspiegel unterhält sich mit Gregor Schneider über sein Projekt Ars Moriendi, das die Toten in den Münchner Stadtraum holen will. Critic.de gewinnt einen Eindruck tierischer Autonomie in Romuald Karmakars Doku "Der unsichtbare Zoo".
15.11.2024. Die FAZ besucht in Wien ein Symposium für inhaftierte russische Künstler. Die Filmkritiker streiten über die Frage, ob man dem Dokumentarfilm "No Other Land" über das Westjordanland nun Antisemitismus vorwerfen kann oder nicht. Auch über die Berufung von Cagla Ilk als neuer Intendantin des Maxim Gorki-Theaters herrscht Uneinigkeit: Die Berliner Zeitung freut sich auf ihren Theater und Kunst mischenden Ansatz, der Tagesspiegel ist skeptisch, weil Joe Chialo im Alleingang entschieden hat.
14.11.2024. Samantha Harveys Roman "Orbital" gewinnt den Booker Prize: "der ultimative Kommentar zu unserer Gegenwart", findet der Tagesspiegel. Maxim Biller bescheinigt der literarischen Israel-Boykottbewegung um Sally Rooney in der Zeit eine handfeste Psychose. Die Welt schüttelt den Kopf angesichts politischen "Architektur-Bashings". Der Perlentaucher ist schwer beeindruckt von Veronika Franz' und Severin Fialas Folk-Horrorfilm "Des Teufels Bad". SZ und NZZ trauern um den Schlagzeuger Roy Haynes, der in den frühen Fünfzigern sein Metier revolutionierte.
13.11.2024. Die SZ fragt angesichts einer Ausstellung in Münster: War Otto Mueller Sexist, Rassist und Antiziganist - oder träumte er einfach nur mit dem Pinsel? Karim Aïnouz, Regisseur des Films "Motel Destino", springt in der taz für mehr Kino-Sex in die Bresche. Wird die Literaturszene bald nach Israel auch die USA boykottieren? Die SZ glaubt nicht daran und wittert Doppelmoral. Die Feuilletons trauern um den Maler Frank Auerbach und den Jazzer Lou Donaldson.
12.11.2024. Die FAZ ist ganz benommen vor Glück nach Julia Burbachs Inszenierung der Händel-Oper "Partenope" in Frankfurt. Die taz verliert sich gerne in der fremdartigen Hamburger Installation "Spacewalks" des Künstlers Simon Hehemann. Die SZ meint, wer die Cowboy-Ranch-Serie "Yellowstone" aufmerksam geschaut hat, konnte das Wahlergebnis in den USA ohne Probleme vorhersagen. Das FAZ-Feuilletonteam denkt über das Lesen im Wandel nach.
11.11.2024. Die taz öffnet mit den Textilarbeiten der aus Rumänien stammenden Künstlerin Marion Baruch, die sie in Aachen und Krefeld bewundert, eine Tür ins Nichts. Die SZ erfährt von Nicholas Potter und Stefan Lauer, die zum Thema Antisemitismus forschen: In der linken Clubkultur ist Antisemitismus angesagt. Die Kritiker trauern um den Schriftsteller Jürgen Becker. Die SZ begibt sich mit Stefan Bachmanns Wiener Inszenierung von Stefano Massinis "Manhattan Project" auf einen rasanten Ritt durch die Geschichte der Atombombe.
09.11.2024. Die FAZ sammelt Stimmen zum Antisemitismus im Literaturbetrieb. Die Welt blickt mit Gregor Schneider in die Leere, die einst Lützerath war. Der taz ist das neue Interesse an der DDR-Architekturmoderne nicht ganz geheuer. Die SZ berauscht sich an einer Flaschenpost von Chopin aus dem Jenseits. Ronya Othmann erzählt in der FAS von ihrer Reise zum Ukrainischen Literaturfestival und Lyrikerinnen an der Front.
08.11.2024. Die Zeitungen trauern um den Künstler Daniel Spoerri, der im Alter von 94 Jahren gestorben ist. Tagesspiegel und Zeit fragen sich, wie Popkultur und Wahlniederlage von Kamela Harris zusammenhängen. Was Antigones Schwester Ismene von deren Märtyrertum hält und wie das mit heutigen Protestbewegungen zusammenhängt, lernt der Tagesspiegel bei Athena Farrokhzad und Farnaz Arabi am Theater an der Parkaue. Artechock freut sich, dass gelungene Bandenkrieg-Thriller auf dem Filmfest Mannheim-Heidelberg gezeigt werden.
07.11.2024. Die Kritiker feiern Ali Ahmadzadehs iranischen Thriller "Critical Zone": Die FAZ dringt hier weit vor ins "Nachtgewebe" Teherans, die FR erlebt ein "Kinowunder". Der Hanser-Verlag trennt sich von seiner Literaturzeitschrift Akzente: Die SZ blickt wehmütig in die Zeit zurück, in der Verlage und Literaturzeitschriften selbstverständlich zusammen gehörten. Der Tagesspiegel freut sich über das neue Museum für Moderne Kunst in Warschau und findet gar nicht, dass es wie ein Schuhkarton aussieht. Die FAZ bewundert die Malerin Elfriede Lohse-Wächtler in Hamburg als "stilistisch virtuose Inszenatorin ihrer selbst."