Adam Soboczynski

Kleist

Vom Glück des Untergangs
Cover: Kleist
Luchterhand Literaturverlag, München 2011
ISBN 9783630873633
Gebunden, 96 Seiten, 14,99 EUR

Klappentext

Der 21. November 1811 ist ein kalter Herbsttag. Die Wirtsleute des Gasthofs Stimmings Krug am Kleinen Wannsee bei Berlin sind verwundert, als ein Paar, beide Anfang dreißig, Kaffee und Rum ans Ufer bestellt. Die beiden sind heiter, geradezu euphorisch. Ein Tagelöhner der kleinen Gaststätte wird später zu Protokoll geben, er habe sie schäkernd am Ufer entlanglaufen sehen, sich jagend wie kleine Kinder. Kurz darauf hallen zwei Schüsse durch die Herbstlandschaft. Heinrich von Kleist hat Henriette Vogel erst kurz vor dem gemeinsamen Selbstmord kennengelernt. Sie war an Krebs erkrankt, Kleist hat ihr Leiden abgekürzt. Am Vorabend des Selbstmords ist Kleist finanziell ruiniert, dem breiten Lesepublikum unbekannt, von Preußen enttäuscht. Selbst die eigene Familie bescheinigt ihm, er sei ein "nichtsnütziges Glied der menschlichen Gesellschaft".
So kennen wir Heinrich von Kleist: als Klassiker der Zerrissenheit, der Gewalt, der modernen Unbehaustheit. Adam Soboczynski stellt diesem Bild einen anderen, überraschenden Kleist entgegen, einen Kleist der Versöhnung, des unbeschreiblichen Glücks.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2011

Edo Reents wirkt etwas ermüdet angesichts der Flut von biografischer Literatur zu Kleists 200. Todestag und ist darum höchst erfreut, dass Adam Soboczynski jetzt einen gerade mal 90-seitigen biografischen Essay vorgelegt hat. Und er versichert, dass der Zeit-Redakteur trotz der Kürze und obwohl er auf Fußnoten verzichtet, dennoch zu luziden Thesen kommt, die er überzeugend darzulegen weiß. So findet es der Rezensent sehr plausibel, dass der Autor beispielsweise Kleists geheimnisumwitterte Reise nach Würzburg schlicht als Flucht vor einer "ungemütlichen gesellschaftlichen Situation" interpretiert und daraus ein "Muster" für Kleists Umgang mit ihn belastenden Ansprüchen erkennt. Insgesamt stellt Soboczynskis Essay eindrucksvoll unter Beweis, dass er auch in aller Knappheit "Wesentliches" zu fassen kriegt, lobt der Rezensent nachdrücklich.
Stichwörter

Themengebiete


Beliebte Bücher

Tony Tulathimutte. Fiasko - Fiktionen . dtv, München, 2026.Tony Tulathimutte: Fiasko
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Heinz Strunk. Memories of Heidelberg - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Heinz Strunk: Memories of Heidelberg
Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub…
Miriam Carbe. Unerwünschte Töchter - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter
Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…