Lost in Work geht einer ebenso drängenden wie immerwährenden Frage auf den Grund: Warum macht Arbeit so viele Menschen unglücklich? Horgan versteht es, Zusammenhänge aufzuzeigen und die wirtschaftlichen Kräfte zu analysieren, die das kollektive Unbehagen verstärken. Sie beginnt ihre Recherchen mit der Identifizierung und Verurteilung der ideologischen Fantasien von Arbeit im heutigen Kapitalismus - dass es einfach sei, gut bezahlte, sichere und erfüllende Arbeit zu finden, zusammen mit dem Mythos von begehrenswerten "flexiblen" Arbeitsplätzen - und legt die harte Realität von schlecht bezahlter, prekärer Arbeit und der zunehmenden Polarisierung innerhalb des Arbeitsmarkts bloß. Sie plädiert dafür, mehr Formen der Solidarität in der Zivilgesellschaft gegen die entfremdende Atomisierung der prekär Beschäftigten zu schaffen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.08.2022
Warum gibt es eigentlich so wenig Widerstand gegen die Zumutungen einer neoliberalen Arbeitswelt zwischen Hamsterrad und Homeoffice, fragt sich Rezensentin Vera Linß bei der Lektüre dieser Streitschrift der Philosophin Amelia Horgan, die uns das Arbeitsethos "mit beißender Radikalität" auszutreiben versucht. Dem "Fortschrittsnarrativ" etwa, demzufolge Technologie Arbeit immer leichter gestalte, glaubt die Autorin kein einziges Wort. Auch den Vorstellungen, ein gut bezahlter Arbeitsplatz sei leicht zu finden, erteilt sie eine Absage. Warum also so wenig Widerstand? Weil viele Leute "schlicht abgeschirmt leben von prekären Welten" und das Arbeitsethos in den Menschen tief verankert sei, paraphrasiert Linß Horgans Befund. Die Folge daraus? Totalverweigerung - da Arbeit unter bestehenden Bedingungen immer nur Machtverhältnisse reproduziere. Daher gelte Horgans Solidarität vor allem allen Blaumachern, Krankfeierern und Raucherecken-Bewohnern, stellt Linß schmunzelnd fest - selbst wenn deren "Widerstandspraktiken" nichts grundlegendes ändern. Für das große Ganze fordert Horgan daher "zu Recht eine Neuausrichtung der Gewerkschaften" auf Grundlage eines antikapitalistischen Bewusstseins, für das dieses Buch nach Ansicht der Rezensentin hervorragende - oha! - Grundlagenarbeit leistet.
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