Andreas B. Kilcher

Geteilte Freude

Schiller-Rezeption in der jüdischen Moderne
Cover: Geteilte Freude
Edition Lyrik Kabinett, München 2007
ISBN 9783938776018
Unbekannt, 212 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Im fortschrittsoptimistischen 19. Jahrhundert, von der Aufklärung bis hin zur zionistischen Erneuerungsbewegung um 1900, wurde der Weimarer Klassiker Friedrich Schiller zur Leitfigur der jüdischen Moderne. Er wurde dies nicht nur für die deutschen, sondern auch für die osteuropäischen Juden, für die Juden im Shtetl von Ungarn über Galizien bis Russland. Dieses außerordentliche (allerdings seit 1933 weitgehend vergessene) kulturelle Phänomen betonte und erklärte der liberale Rabbiner Meyer Kayserling anlässlich von Schillers 100. Geburtstag 1905 so: "Schiller in seinen schmerzlichen Erregungen, in seinen Leiden und Kämpfen, in seinem Sterben und Erlöschen wurde Fleisch von unserm Fleische, Blut von unserm Blute!" Das hier anzuzeigende Buch des Tübinger Literaturwissenschaftlers Andreas Kilcher analysiert diese außerordentliche Bedeutung Schillers für die jüdische Moderne nicht nur in ihren allgemeinen, kulturellen und literarischen Formationen. Er zeigt diese auch an einem signifikanten Beispiel auf: an den jiddischen und (vor allem) hebräischen Übersetzungen der Ode "An die Freude". Mit ihrer hymnischen Beschwörung von kosmopolitischer Menschheitsverbrüderung und universaler Lebensfreude erhielt sie eine symptomatische Bedeutung für die jüdische Moderne: Zwischen 1817 und 1912 wurde sie nicht weniger als fünfmal ins Hebräische übersetzt. In der Publikation (im Anschluss an den monografischen Teil) werden diese eindrucksvollen Übersetzungen erstmals ediert sowie ins Deutsche zurückübersetzt, um so ihre interkulturelle Arbeit sichtbar zu machen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.06.2007

Erhellend scheint Rezensent Steffan Martus diese Untersuchung der Schiller-Rezeption in der jüdischen Moderne, die Andreas B. Kilcher vorgelegt hat. An Kilchers exemplarischer Darstellung der Rezeption der Ode "An die Freude" im 19. und frühen 20. Jahrhundert wird für ihn der Zusammenhang der euphorischen Aufnahme Schillers seitens der jüdischen Leserschaft mit dessen Pathos des Allgemeinmenschlichen deutlich. Interessant findet er zudem die Ausführungen über die Umdeutung Schillers vor allem in der ersten hebräischen Übersetzungen sowie über das Verbot einer Lektüre seiner Werke durch rabbinische Lehrer.

Beliebte Bücher

Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Heinz Strunk. Memories of Heidelberg - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Heinz Strunk: Memories of Heidelberg
Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub…
Tony Tulathimutte. Fiasko - Fiktionen . dtv, München, 2026.Tony Tulathimutte: Fiasko
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen…
Caroline Wahl. 1999 Meter über dem Meer - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer
Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr…