Anthony Passeron

Jacky

Roman
Cover: Jacky
Piper Verlag, München 2026
ISBN 9783492074544
Gebunden, 176 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Lena Müller. Anthony Passeron erzählt von einem Vater, der mit den Toden seiner Brüder rang und dabei seine eigene Familientragödie auslöste. Ein kurzer Roman um Zuneigung und zu langes Schweigen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.08.2026

Anthony Passeron legt hier ein außergewöhnliches, starkes Stück Autofiktion vor, findet Rezensent Gustav Seibt,  Seibt liest das Buch als Komplementärwerk zu Passerons gut besprochenem Vorgänger "Die Schlafenden", in dem es vor allem um die AIDS-Erkrankung von Passerons Onkels ging. Diesmal stehen die Computerspiele im Zentrum, die der Erzähler und sein Bruder ab den frühen 1990ern spielen. Geschickt verknüpft Passeron dabei die Geschichte der anfangs noch jungen Computerspielindustrie einerseits mit dem industriellen Niedergang der Kleinstadt, in der die Handlung angesiedelt ist, andererseits mit einem Familiendrama: Der Vater verlässt die Familie, als der Erzähler zwölf ist, die Computerspiele erweisen sich als "das eigentliche Medium der Liebe", das die Familie zusammenhält. Beeindruckend, wie der Autor das alles auf vergleichsweise wenigen Seiten unterbringt, findet Seibt. Hier schafft es einer, dem Genre der Autofiktion tatsächlich noch einmal einen ganz neuen Dreh zu geben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.05.2026

Rezensent Dirk Fuhrig kann sich für Anthony Passerons "bittersüßen" Familienroman erwärmen. Erzählt wird von einem zwar fürsorglichen, aber zunehmend resignierenden Familienvater (Jacques alias Jacky) und seinen Kindern; während sein Metzgerei-Geschäft im Umkreis von Nizza langsam vor die Hunde geht, überschüttet er seine beiden Söhne mit Videospielkonsolen - bevor ihm schließlich alles zu viel wird und er die Familie sitzenlässt. Gut geschrieben, nämlich "dokumentarisch-abgeklärt", findet der Kritiker dabei, wie der Vater langsam "zerfällt"; es gehe dem Autor dabei auch um eine Erkundung der "Umstände" der familiären Tragödien (es gibt noch mehrere Sterbefälle), die wohl auch autobiografischer Natur sind, vermittelt Fuhrig. Trotz des nüchternen Stils ein "hochmelancholischer" Roman über väterliches Versagen, der den Respekt des Kritikers zu ernten scheint. Nur die zwischenmontierten ausführlichen Exkurse in die Geschichte diverser Tech-Firmen findet der Kritiker "sperrig".

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