Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl. Der Schriftsteller Waclaw Slovacki ist auf der Suche nach der Frau, die er einst liebte und die im faschistischen Portugal unter Salazar spurlos verschwand. Zwischen Lissabon, Macao und Neapel sucht er jene, die Isabel kannten - darunter ihre Kinderfrau, ein philosophierender Fotograf und ein Dichter, mehr Geist als Mensch. Doch ist die Geschichte eines Menschen auch seine Wahrheit? Und Isabel am Ende nur der Traum eines Dichters? Dieser Roman aus Tabucchis Nachlass ist so kunstvoll wie bewegend, ein Verwirrspiel aus Wahrheit und Erzählung über die Sehnsucht, der Wirklichkeit durch Geschichten ein Gesicht zu geben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2014
Niklas Bender verweist auf den Charakter der Publikation, ein posthumer Text, den der Autor nicht mehr überarbeiten konnte. Dass der kleine Roman von Antonio Tabucchi dennoch kein Fragment ist, sondern ein stilistisch stimmiger Text, teilt uns der Rezensent allerdings auch mit. Die Geschichte einer jungen Portugiesin im Widerstand, die auf rätselhafte Weise verschwindet, bleibt aber offen, so Bender weiter. Auf viele Fragen gebe der Text keine Antwort. Das Einzirkeln der Umstände mittels Zeitschichten und Empfindungen verschiedener Figuren ist laut Bender ein bevorzugtes Gebiet dieses Autors. So weit, so gut. Wenn Tabucchi im Buch aber eine Fledermaus sprechen lässt und die Unschärfe allzu arg vorantreibt, verliert der Rezensent beinahe den Faden beziehungsweise das Interesse.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.05.2014
Die Atmosphäre und Antonio Tabucchis Lebensthemen, hier vereint in einem kleinen Text aus dem Nachlass des Autors, machen Maike Albath diese Lektüre zum Genuss. Wie der Autor die Geschichte einer vergangenen Liebe zu Zeiten Salazars aus dem Wesen des Mandalas rekonstruiert und wiederauferstehen lässt, hat Albath sehr gefallen. Dass der von Tabucchi nicht mehr überarbeitete Text widererwarten stilistisch wie kompositorisch aus einem Guss ist und den für den Autor charakteristischen traumwandlerischen Gestus aufweist, erstaunt die Rezensentin positiv. Eine Prosa-Meditation voller Dynamik, meint sie.
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