Vor 50 Jahren starb Therese Giehse, eine deutsche Ausnahme-Schauspielerin. Barbara Yelin erzählt Therese Giehses Leben in Ausschnitten und Rückblicken: Ende der 1920er-Jahre bereits ein Star der Münchner Kammerspiele, floh sie 1933 als linke, jüdische und queere Frau aus Deutschland in die Schweiz und hat danach rastlos schauspielernd das Weltgeschehen kommentiert, karikiert und dramatisiert - überbordend auf der Bühne, ungehörig präsent und widerständig auch in ihrem Engagement gegen Nationalsozialismus und Krieg und für eine offene Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.01.2026
Als ein Comic "mit Bildungsauftrag" beschreibt Rezensentin Christiane Lutz Barbara Yelins Graphic Novel über die Schauspielerin Therese Giehse. In Auftrag gegeben wurde der Band von den Münchner Kammerspielen, die sehr um das Andenken Giehses besorgt sind, eine in München geborene Schauspielerin, die gegen die Nationalsozialisten Partei ergriff und von 1933 bis 1945 im Exil lebte. Das ganze Leben Giehses findet Platz in diesem Band, so Lutz, die Bilder sind freundlich, es dominieren Gold und Schwarz, Originalzitate Giehses tauchen ebenfalls auf. Yelin hat offensichtlich großen Respekt vor Giehses Lebensleistung, wobei Lutz dann doch eine Passage am besten gefällt, in der sich die Comic-Künstlerin ein wenig von der Titelfigur emanzipiert und eine Theaterszene mit Giehse beim Gulaschessen imaginiert. Vor allem hier bekommt der schöne Band etwas zu fassen von der Kunst der Giehse, freut sich Lutz.
Rezensentin Katharina Granzin vergräbt sich nur zu gerne mit Barbara Yelin in das Leben von Therese Giehse. Viel Quellmaterial habe die mehrfach ausgezeichnete Comic-Zeichnerin auch diesmal wieder ausgewertet über die jüdische Theaterschauspielerin, die zwar zahlreiche Interviews gab, aber, der Graphic Novel mottoartig vorangestellt, betonte: "Aber über mich red ich nicht." Wie Yelin diese eingeforderte Privatsphäre der Porträtierten wahrt, etwa in puncto Liebesleben, dabei trotzdem sensibel eintaucht in ihre bewegte Biografie zwischen Emigration und Schauspielerei, vor allem unter Brecht, findet Granzin wieder hervorragend gelungen. Sie staunt auch über die leicht "entrückte" Bildebene, die alle Figuren immer nur aus der Ferne und leicht verschwommen zeige, bis auf Giehses Gesicht in Großaufnahme. Auch wie Yelin mit einfachen Mitteln eine zweite Erzählebene einzieht, indem sie Direktzitate von Giehse in einer anderen Farbe unterlegt als die der Erzählstimme, funktioniert für Granzin bestens. Eine fesselnde Graphic Novel, die ein komplexes Künstlerinnenleben in "überschaubare Form" gebracht hat, applaudiert die Kritikerin.
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