Der Score
Wie wir aufhören, das Spiel der anderen zu spielen

C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406844140
Gebunden, 377 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Frank Lachmann. Die unheimliche Macht der Scores - wie Rankings und Punktesysteme unser Leben kapern Klickzahlen, Fitnesstracker, Bestsellerlisten, Politikerrankings: Unsere Gesellschaft ist besessen von Scores. Überall bestimmen Punktesysteme, was und wer als wertvoll gilt. Doch wann kippen Orientierungshilfen in Instrumente der Beherrschung? Der Philosoph C. Thi Nguyen deckt auf, wie Scores zu einem der prägendsten Werkzeuge unserer Zeit geworden sind - und warum wir dringend ihre Wirkungsweise verstehen müssen. Was macht Scores so mächtig und attraktiv? Statt uns mit der irritierenden Vielfalt von Meinungen und Werten zu konfrontieren, reduzieren sie diese Vielfalt auf simple Zahlen. Dadurch sagen sie uns, was wichtig ist und wonach wir streben sollten - und bringen eine verführerische Klarheit in unser Handeln. Nguyen demonstriert an lebensnahen Beispielen, dass diese scheinbar harmlosen Zahlen uns tatsächlich dazu verleiten, fremde Werte unhinterfragt zu übernehmen. Ob wir unsere Gesundheit durch Fitnesstracker optimieren, unsere Hobbys in Instagram- Likes messen oder unseren beruflichen Erfolg an Quartalszielen festmachen: Überall werden vielschichtige Motivationen durch eindimensionale Kennzahlen ersetzt. Wenn aber in unserer Beziehung zu unserer Gesundheit, unseren Jobs oder Lieblingsbeschäftigungen nur noch Scores zählen, verarmt unser Leben. Dagegen entwickelt Nguyen eine neue Philosophie der Bewertung: Er zeigt, wie wir spielerisch und bewusst mit Scores umgehen können, ohne von ihnen vereinnahmt zu werden.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2026
Mittlerweile wird alles in numerischen Bewertungssystemen erfasst und beurteilt, seufzt Rezensentin Alexandra Wach, darüber hat sich auch der Philosoph und frühere Gourmet-Journalist C. Thi Nguyen geärgert. Dass die nicht immer sinnvoll sind, macht der Autor zum Beispiel an der Bewertung von Wein deutlich: So werde beispielsweise gar nicht darauf geachtet, ob und zu welchem Essen begleitend ein Wein gedacht sei. Gepriesen werden dann etwa Weine mit intensiven Aromen, die aber zur Essensbegleitung gerade nicht geeignet sind - so wird laut Nguyen ein "künstlich stabilisierter Kontext" geschaffen, der uns eine Sicherheit in der Beurteilung vorgaukelt, die es überhaupt nicht gibt, liest Wach. Nguyen kritisiert in seinem Buch, dass diese Scoring-Systeme in der Lage sind, Prioritäten und Ziele zu verändern. Nicht alles, was gezählt wird, zählt wirklich, ließe sich mit Blick auf Fitness-Tracker und Likes in sozialen Medien festhalten, lesen wir, das hat der Autor auch bei Universitätsrankings entdeckt, die seines Erachtens unterkomplexe Feststellungen über die Ränge treffen, auf denen Institute eingeordnet werden. Dass diese "Jagd nach Wertmaximierung" nur dazu führt, dass man nur noch arbiträre Ziele im Blick hat, ohne sich selbst den Raum zu geben, eine "ästhetische Haltung" zu entwickeln, dem kann die Kritikerin zustimmen. Sie hätte sich in dem ansonsten ansprechend selbstironischen und klugen Buch aber auch noch Passagen dazu gewünscht, was passiert, wenn man diese Leistungsmaximierung und Bewertung verweigert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.04.2026
Ein starkes Buch über ein wichtiges Thema ist das, findet Rezensentin Vera Linß. Der Philosoph C. Thi Nguyen beschäftigt sich darin mit den allgegenwärtigen Scores, die in unserer modernen Welt mal dieses, mal jenes messen. Nguyen fragt sich, wie Scores so mächtig geworden sind und untersucht zu diesem Zweck vier Prinzipien, die das Scoring anleiten: Regeln, Skalierung, Kontrolle und Teile. Nguyen zeigt auf, wie diese Prinzipien einerseits in vielen Situationen hilfreich sind, andererseits auch Schwierigkeiten mit sich bringen. Dasselbe gilt für die Scores an sich: Nguyen will sie keineswegs abschaffen, zeigt aber auf, dass es beispielsweise problematisch ist, wenn sich Studenten bei der Uniwahl nur nach Rankings und nicht nach eigenen Vorlieben richten. Als Lösung empfiehlt der Autor einen bewussteren Umgang mit Scores und eine stärkere Orientierung am eigenen Wertesystem. "Leichter gesagt als getan", meint Linß dazu, die gleichwohl der Meinung ist, dass Nguyen uns hier sinnvolle Anregung für einen besseren Umgang mit Scores an die Hand gibt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026
Rezensent Andrian Kreye wertschätzt den amerikanischen Autor C. Thi Nguyen zwar als "Philosophen", macht aber ebenso deutlich, dass Nguyen als Journalist gearbeitet hat und daher recht populär und vergnüglich schreibt. Sein Buch "The Score" liest Kreye als Streitschrift gegen die durchdigitalisierte Meritokratie, in der die Menschen nicht mehr eigenen Zielen und Wünschen folgen, sondern den Bewertungen der Sozialen Medien, der Spielindustrie oder der Gesundheits-Apps. "Status triumphiert über Erkenntnis", lernt Kreye, und das nicht nur im Privaten, sondern auch in den Institutionen der Gesellschaft. Dass Nguyen gegen permanenten Wettbewerb und manipulative Algorithmen ausgerechnet auf das analoge Spielen setzt, verwundert den Rezensenten zunächst etwas, aber dann erkennt doch auch er im Fliegenfischen, Bouldern und Jojo-Spielen taugliche Allegorien auf eine nicht-metrifizierte Welt.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 07.03.2026
Rezensent Jens Ulrich Eckhard sympathisiert mit der Grundthese dieses Buches, hat aber auch Kritik anzumelden, vor allem an dessen Form. Der Philosoph C. Thi Nguyen beschäftigt sich darin mit den Rollen von Rankings und Metriken in unserem Leben und argumentiert, dass dieselben tendenziell überhand genommen haben und unsere Wirklichkeit verändern, weil wir uns an ihnen und nicht an realer Komplexität orientieren. Rankings an sich sind schon in Ordnung für Nguyen, solange sie im Modus des Spiels verbleiben, oder auch sich auf rein Technisch-Wissenschaftliches beziehen. Problematisch wird es, wenn sie von Politik und Ethik aufgegriffen werden, etwa wenn der Staat in der Pandemie die Ausübung von Grundfreiheiten von Inzidenzwerten abhängig macht. All das leuchtet Eckhard durchaus ein. Ein Essay mit all den klugen Gedanken des Autors hätte dem Kritiker allerdings gereicht - so aber muss er sich immer mal wieder durch "anekdotisches Einerlei" ackern.