Mit 6 Abbildungen. Francisco Franco (1892-1975), der sich als Führer Spaniens von Gottes Gnaden stilisierte, beherrschte mit seiner Diktatur fast vier Jahrzehnte lang die Geschicke seines Landes. Seit den Anfängen der Diktatur im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) war der "Caudillo" eine umstrittene Persönlichkeit, auch in der deutschen Öffentlichkeit: Während er für die einen für die Zerstörung einer bürgerlich-demokratischen Ordnung, eine grausame Repression und die jahrzehntelange Spaltung der Gesellschaft in Sieger und Besiegte steht, sehen andere in ihm eine umsichtige und kluge Persönlichkeit, die Spanien die Kriegsleiden im Zweiten Weltkrieg erspart und für das Wohl seines Volkes gewirkt habe. Die vorliegende Darstellung beleuchtet die Biografie General Francos im Spiegel der aktuellen Forschungen und Debatten um seine Person.
Mit Gewinn liest Rezensent Reiner Wandler Carlos Collado Seidels neuüberarbeitete Version seines ursprünglich vor 10 Jahren erschienenen Buchs über Francisco Franco. Bereits in der damaligen Version habe sich der deutsch-spanische Historiker mit der Geschichtsschreibung über Franco auseinandergesetzt, die immer noch von rechten Meinungen durchsetzt sei, die den Diktator als Nationalhelden feiern und Mythen über sein politisches Wirken fortschreiben - etwa, dass Spanien im Zweiten Weltkrieg neutral gewesen sei, oder dass Franco Spanien vor einer "kommunistischen Machtübernahme" gerettet habe. Wie der Autor mit solchen längst falsifizierten Mythen aufräumt, findet der Kritiker überzeugend ausgeführt - lobend verweist er hier auf das 13 Seiten starke Literaturverzeichnis - und außerdem "gut zu lesen". Neu an der erweiterten Überarbeitung sei nun Collado Seidels Auseinandersetzung mit der in den letzten 20 Jahren entstandenen Erinnerungskultur, die Vieles aufarbeitet und Familienangehörigen der Opfer Respekt zollt, aber auch heute noch, 50 Jahre nach Ende der Diktatur, auf großen Gegenwind stößt, etwa bei der rechten Stadtverwaltung Madrids, wie Wandler liest. Eine angemessene und erhellende Neuausgabe, vermittelt er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2015
Leo Wieland fühlt sich gut informiert über den alten Diktator Franco bei Carlos Collado Seidel. Dessen Buch möchte mehr sein als Biografie, nämlich Streifzug durch die internationale Franco-Rezeption, meint Wieland und scheint nicht enttäuscht über den Mangel an Enthüllungen im Buch. Stattdessen erhält er ein ausgewogenes Bild durch differenzierte Quellenauswahl seitens des Autors, durch chronologische und systematische Ordnung des Materials. Und wenn Collado Seidel doch mal austeilt gegen eine unkritische Vergangenheitsbewältigung, so weiß er sich auf der sichern Seite, meint Wieland.
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