Aus dem Amerikanischen von Renate Orth-Guttmann. Detective Kathleen Mallory ist anders als die anderen. Seit sie als Kind ihre Mutter verloren hat und bei Pflegeeltern aufwuchs, ist sie eine ordnungssüchtige Einzelgängerin: Ihr Schreibtisch ist stets akkurat aufgeräumt, sie fährt ein frisiertes VW-Cabrio, und an den Wänden ihrer Wohnung hat sie akribisch endlose Reihen von Telefonnummern notiert, die mit ihrer Vergangenheit in Verbindung stehen. Denn Mallory ist davon besessen, ihren leiblichen Vater zu finden. Und nur einer bringt der eigenwilligen Ermittlerin Verständnis entgegen: ihr langjähriger Kollege Riker. Als Mallory Briefe ihres Vaters in die Hände gespielt werden, die wichtige Hinweise enthalten, macht sie sich auf eigene Faust auf, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen. Doch dann geschieht eine Serie von Morden. Der Täter ist offensichtlich auf Mallorys Spur - ohne, dass sie es ahnt. Und ihr Kollege Riker versucht verzweifelt, sie vor dem Schlimmsten zu bewahren ?
Süchtig nach mehr hat Tobias Gohlis dieser Krimi über New Yorks coolste, gefühlsärmste, penibelste und erfolgreichste Ermittlerin zurückgelassen. Die Szenerie mit ihren schnellen Schnitten zwischen New York, Chicago und der mythischen Route 66 beschreibt der Kritiker als in höchstem Maße surrealistisch. Im Wagen jener ermittelnden Mallory gerät der Kritiker mit dem Roman in Bewegung, rast an Tankstellen, Leichen, Imbissen und Eltern vorbei, die am Straßenrand Tafeln mit den Bildern ihrer verschwundenen Kinder hochhalten. Carol O'Connell inszeniere ihre Detektivgeschichte als traumatisch-groteske Wiederkehr des großen amerikanischen Reisetrecks nach Westen, schreibt Gohlis. Ziel: Erlösung durch Untergang.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.02.2010
Nach Empfinden der Rezensentin Sylvia Staude sind die Kriminalromane von Carol O'Connell um Klassen besser als Frank Schätzings Wälzer, weshalb sie froh ist, dass nach dem Goldmann Verlag nun der btb-Verlag sich darum bemüht, ihre Romane hierzulande bekannt zu machen. Auch in O'Connells neuntem Roman um die so beschädigte wie faszinierende Kathleen Mallory, in dem sie einen Serien-Kindermörder an der legendären Route 66 zur Strecke bringt, besticht vor allem durch die ambivalente Persönlichkeit der Polizistin, lobt die Rezensentin. Und so zeigt sie sich auch von der mit zwanghafter Ordnungsliebe und abweisendem Wesen ausgestatteten Protagonistin in Bann gezogen, der man nur mit Mühe Sympathie entgegen bringen kann und die wohl deshalb so reizvoll ist, wie Staude meint.
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