Wie reagieren wir, wenn jemand abfällig über andere Menschen spricht? Allzu oft gar nicht, weil wir keine Diskussion vom Zaun brechen wollen, die am Ende vielleicht sogar in Streit mündet. Dabei leben wir in einer Gesellschaft, in der Menschen viel diverser denken, als es uns Demagogen in ihren Reden und Tweets weißmachen wollen, links wie rechts. Aber diese Wirklichkeit erschließt sich erst, wenn wir nachfragen und zuhören, kurz: mit anderen ins Gespräch kommen. Das kann zu Auseinandersetzungen oder Streit führen, dazu, dass wir unsere eigene Meinung infrage stellen oder sogar merken, dass Positionen unvereinbar sind. Wie das geht, erzählen ganz unterschiedliche Menschen in diesem Buch. Menschen, die Gespräche zugelassen haben, die daran glauben, dass eine Gesellschaft nur funktioniert, wenn wir unseren Mund aufmachen und miteinander sprechen. Manche sind mutig, andere neugierig - allen gemeinsam ist, dass sie an die Demokratie glauben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.09.2017
Robert Probst lernt in diesem von Caroline Eichenlaub und Beatric Wallis zusammengestellten Buch, wie wichtig es ist, der eigenen Meinung treu zu bleiben. Fünfzehn Menschen im Alter zwischen 16 und 64 Jahren erzählen in eigenen Texten oder Interviews , wie es ist sich zu engagieren, etwa für Europa, die Gleichberechtigung, das Bleiberecht von integrierten, aber abgelehnten Asylbewerbern oder jüdisches Leben in Deutschland, informiert der Kritiker. Zwar imponiert Probst die Buchidee, allerdings fühlt er sich beim Lesen ein wenig wie in einem "sprachtheoretischen Politologieseminar", so wenig farbig erscheint ihm der Text. Auch, dass man von den biografischen Hintergründen der Erzähler erst am Ende der Texte erfährt, findet der Rezensent ein wenig störend - dennoch kann er dieses Buch dank der enthaltenen Strategien zum Thema Einmischen gern empfehlen.
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