Aus dem Spanischen von Klaus Laabs. "Wollen wir ficken?" Maos Liebeserklärung nach Punk-Art hält die blonde Marcia für einen schlechten Scherz. Sie hat gerade die Talsohle einer schweren Depression hinter sich, Übergewicht und wenig Lust auf derlei Angebote. So versucht sie, sich der aufdringlichen Mao zu entziehen. Vergeblich. Bald fühlt sich Marcia dem Gespött der Leute um sie herum preisgegeben. Doch es kommt schlimmer, auch Maos schweigsamer Schatten, die Punkerin Lenin, verliebt sich in die mollige Schülerin. Der lesbischen Ménage à trois bleibt nicht viel Zeit für philosophische Diskurse über die Liebe. Ein Beweis muss her, ein Liebesbeweis. Diesen inszeniert Aira als infernalischen Schlussakkord dieses gradlinigen, an einen Action-Thriller erinnernden Kurzromans, der unter dem Titel "Aus heiterem Himmel" kongenial verfilmt wurde: Die beiden Punks überfallen einen Supermarkt, der Plot eines rauschhaft lustvollen Splatters wird wahr.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.06.2015
Ralph Hammerthaler beginnt seine Besprechung von César Airas Novellen mit einer persönlichen Anekdote darüber, wie ihm ein Buch des argentinischen Autors einst eine Peinlichkeit ersparte. Auch aus diesem Grund scheint sich der Kritiker besonders darüber zu freuen, dass drei von Airas Kurzromanen nun den Auftakt zur "Bibliothek César Aira" vom Verlag Matthes & Seitz bilden. Der Beweis in der titelgebenden Erzählung sei der einer ungewöhnlichen und flüchtigen Liebe zwischen Frauen, inklusive Splatter-Finale im Supermarkt. Um "Alltag, Provokation, innehaltende Dringlichkeit" gehe es dabei eigentlich, so Hammerthaler. Doch wovon Airas Texte jeweils handeln, sei ohnehin weniger wichtig als die simple und zugleich elegante Sprache, die der Rezensent mit dem "kleinen Schwarzen in der Damengarderobe" vergleicht. Die gedanklichen Abwege machen für Hammerthaler den Reiz der Werke aus, deren Übertragung ins Deutsche durch Klaus Laabs er für eine beachtliche Leistung hält.
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