Aus dem Französischen und mit einem Vorwort von Alexander Pschera. Mit einem Nachwort von Peter Trawny. "Die Welt hat sich seit Jesus Christus weniger verändert als in den letzten dreißig Jahren", musste Charles Péguy 1913 mit Schaudern feststellen. Gegen die kalte Rationalisierung und Ökonomisierung des Lebens im Zuge der Umwälzungen der Moderne verfasste er mit "Das Geld" eine ergreifende Ode an das verschwindende alte, volksnahe Frankreich, das über Jahrhunderte Bestand hatte. Er beschreibt das einfache, aber satte Leben zwischen Kirche und Dorfschule, das sich durch eine ganz eigene Würde jenseits des Glanzes des Überflusses auszeichnete. Und er schildert, wie die Beziehungen gegenseitiger Anerkennung bis in die Elementarschule Geltung hatten, eine Institution, die wie keine für die Überlieferung und Verankerung von Wissen und Werten stand und ebenfalls zu erodieren drohte. Péguys Schilderungen zwischen Nostalgie und Empörung berühren uns noch heute, sind sie doch von bleibender Aktualität.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.06.2017
Rezensent Joseph Hanimann freut sich über die "sorgfältige" Übertragung des kleinen Bandes von Charles Peguy aus dem Jahr 1913. Leicht und doch von Gewicht, kompakt und visionär findet Hanimann Peguys Darstellung des Epochenwechsels, als das Geld zum Spekulationsobjekt und das Volk zum Stimm- und Arbeitsvolk wurde. Peguys Schrift, die auch eine Definition der Freiheit enthält, scheint dem Rezensenten Ausdruck eines wilden Denkens aus der Vorgeschichte unserer Finanzkrisen zu sein.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2017
Michael Stallknecht hätte gern Charles Péguys Meinung zum französischen Wahlkampf gehört. Liest er diese Neuübersetzung von Péguys Text von Alexander Pschera, scheint ihm der Autor geradewegs die Gegenwart kapitalismuskritisch zu untersuchen, derart aktuell klingen die Fragestellungen, meint er. Dass der Autor in seiner Heimat von sämtlichen Lagern rezipiert wird, wundert ihn nicht. Und das Zeug, Péguy bei uns bekannt zu machen, hat das Buch, findet er.
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