Café Babylon
Berlin, Romanisches Café, 1913-1933

C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406836589
Gebunden, 352 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Der Glanz des Romanischen Cafés erstrahlte einst bis Paris, New York und Tokio. Hier traf man alle an: Bertolt Brecht, Mascha Kaléko und Joseph Roth, George Grosz, Marlene Dietrich und Albert Einstein. An den Marmortischen entstanden Bücher und Filmideen, wurden Kunstrichtungen geboren, wurde gestritten und geträumt - bis die Nazis die Lichter ausmachten. Christian Buckard erzählt die Geschichte der schillernden Cafébewohner in seinem mitreißenden Buch. In den Goldenen Zwanzigern war das "Romanische" das berühmteste Café der Hauptstadt: das "Industriegebiet der Intelligenz", das "Caféhaus der unbegrenzten Möglichkeiten". Durch seine Drehtür kamen Tag für Tag und Nacht für Nacht die Schriftsteller, Schnorrer und Journalisten, Maler und Bühnenstars, Prostituierte und Politaktivisten. Darunter auch viele Flüchtlinge und durchreisende Bohemiens aller Länder, mit denen sich Ideen von Stadt zu Stadt verbreiteten. Man träumte von einer besseren Zeit, einer neuen Kunst, von blitzschnellen Atomen und Filmkarrieren, einer warmen Mahlzeit oder der Liebe. Zu Beginn der Dreißigerjahre war das Café allerdings bereits ein gefährlicher Ort: Jederzeit mussten die Gäste mit Überfällen der Nazis rechnen. Christian Buckard hat zahlreiche bislang unbekannte Berichte von internationalen Gästen ausfindig gemacht. Er lässt die Atmosphäre dieser einmaligen Ideen-, Klatsch und Meinungsbörse spürbar werden. Dank des Romanischen Cafés fühlte sich Berlin - ein "paar leuchtende Jahre" lang - fast an wie das Zentrum der Welt.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.09.2026
Das Romanische Café war einer der "legendären Orte" im Berlin der 1920er-Jahre, so Rezensent Hans von Trotha, Erich Kästner nannte es den "Wartesaal der Talente", Erich Mühsam das "Industriegebiet der Intelligenz": Hier traf sich alles, was im Geistes- und Kulturleben der Weimarer Republik Rang und Namen oder zumindest den Wunsch nach Erfolg hatte. Christian Buckard hat nun ein anekdotenreiches Buch über diesen von der Bohème frequentierten Ort geschrieben, an dem sich auch Kurt Tucholsky, Joseph Roth und Albert Einstein getroffen und Ideen ausgeheckt haben. Für Trothas Augen erscheint bei der Lektüre nicht nur ein Anekdotengeflecht, sondern ein lebendiges Bild einer Zeit im Umbruch, die auch von den Kreativen geprägt wird, die hier weit vor der Zeit Sozialer Medien ein Netzwerk bilden. Manche Anekdote hätte vielleicht einen Faktencheck benötigt, so der Kritiker, aber insgesamt hat er das Buch gerne gelesen. Dass Regisseur Billy Wilder davon geträumt hat, einen Film über dieses Café zu machen, kann er gut nachvollziehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2026
Rezensentin Janka Zündorf sieht Christian Buckards Geschichte des "Romanischen Cafes" im Berlin der 1920er Jahre kritisch. Einerseits erhält sie ein "aufschlussreiches Panoptikum" der damaligen Berliner Kultur und ihres Personals von Einstein bis Liebermann, und vor allem die Einzelrecherchen zu den jüdischen Besuchern des Cafes erscheinen ihr aufschlussreich, andererseits machen ihr Buckards teils pathetischer, teils umgangssprachlicher Stil und ein Mangel an Struktur in der "materialreichen" Darstellung zu schaffen. Etwas weniger vertratschte und sprunghafte Andekdotenseligkeit hätte dem Buch gutgetan, findet Zündorf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.09.2026
Christian Buckard erzählt in der "Variante des Anekdotischen" die Geschichte des Berliner Romanischen Cafés und das funktioniert gut, findet Rezensent Paul Jandl. In dem Café, das Bruno Fiering gehörte, ließ sich in den 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre alles sehen, was in Berlin Rang und Namen hatte, lesen wir: Joseph Roth gehörte ebenso zum "menschlichen Mobiliar" wie Billy Wilder, der hier mit seinen Film-Freunden den Klassiker "Menschen am Sonntag" erdacht hat, der Journalist Egon Erwin Kisch legte sich hier mit dem Besitzer an, der auf feiner Kleiderordnung bestand. Erich Maria Remarque schrieb hier ebenso wie Wolfgang Koeppen, der den Ort sogar in einer Kurzgeschichte verewigte, freut sich Jandl über die vielen Details, mit denen Buckard das Café würdigt. 1933 stürmen di Nazis das Café und der Besitzer Fiering stirbt an einem Herzinfarkt. Ein Großteil des intellektuellen und jüdischen Publikums geht ins Exil, 1943 wird das Gebäude von alliierten Bomben getroffen. Jandl schließt seine positive Besprechung mit einem sarkastischen Zitat Döblins, der die Ruine 1947 in Augenschein genommen hat: "Das Romanische Café ist offen (…); es steht enorm weit offen."
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 26.08.2026
Wehmütig bespricht Rezensent Tilman Krause Christian Buckards Buch über das Berliner Romanische Café. Es war im Westen der Stadt gelegen und erlebte seine große Zeit zwischen 1913 und 1933. Wer in Berlin damals was sein wollte, insbesondere im künstlerischen Metier, musste sich dort blicken lassen, unten saßen die alten Hasen um den Maler Max Slevogt, etwas weiter oben vor allem Theater- und später Filmleute. Unter anderem war das Café außerdem ein wichtiger Treffpunkt für die ungarische exiljüdische Community. Ganz besonders wichtig war das Lokal für die Filmszene, wichtige Stumm- und später Tonfilme wurden hier auf den Weg gebracht, Billy Wilder war ein Stammgast. Ach, hätte Berlin doch immer noch so einen Ort, an dem sich die Kreativen ohne Rücksicht auf Herkunft, Ideologie und so weiter treffen könnten, seufzt Krause - schon in der Nachkriegszeit war das, meint er, kaum noch möglich, denn die neuen Szenetreffs wie etwa Diskotheken förderten nicht mehr in ähnlicher Weise die "Durschmischung". (Die Paris Bar wäre, merkt der perlentaucher an, in diesem Zusammenhang vielleicht eine Erwähnung wert gewesen.) Immerhin gibt es, so das Fazit der Besprechung, jetzt ein sehr lesenswertes Buch, das die große Zeit des Romanische Cafés, das gerade für die Unterhaltungskultur der Weimarer Zeit so wichtig war, wiederaufleben lässt.