Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2003
Ludger Lütkehaus begrüßt ein Buch zur rechten Zeit: Die tadellose Biografie des lange zu wenig gewürdigten Helmuth Plessner passe zur gegenwärtigen "Auferstehung der philosophischen Anthropologie". Der Autor Christoph Dejung habe noch bei Plessner studiert und beschreibe das Leben und Werk des Soziologen und Philosophen mit viel Sympathie, ohne sich aber unkritisch anzuschmiegen. Sein Buch, so Lütkehaus, "beeindruckt durch gründliche Recherche und umsichtige Darstellung". Plessner, erinnert der Rezensent, war der Philosoph des "kategorischen Konjunktivs", der die "exzentrische Positionalität" des Menschen mit Hilfe von Paradoxien begrifflich zu fassen suchte und "eine andere Fundierung der Anthropologie" jenseits des "Dualismus der cartesianischen Tradition von Körper und Geist" und, auf der anderen Seite, des Biologismus entwarf. Sein Biograf hat, wohl als Hommage an den exzentrischen Geist, die "geraden Kapitel den Werkinterpretationen gewidmet, die ungeraden dem Leben" - eine schöne Idee, wie Lütkehaus findet: "Ein langes, mäandrierendes, aus seiner Bahn gebrachtes, ein ex-zentrisches Leben findet so seine Form."
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…