Claude Simon schreibt, "Geschichte" sei entstanden, weil er im südfranzösischen Familiensitz alte Ansichtskarten, Botschaften aus der Ferne, gefunden habe - Stimmen, "als wären sie niemals verstummt, würden niemals verstummen". An einem Sommermorgen sprechen die Ansichtskarten und Briefmarken, Fotos und andere Fundstücke zu ihm. Claude Simons Erzähler erinnert und ordnet Familiengeschichte, Erlebnisse und Ereignisse, Empfindungen und Erkenntnisse.
"Dieses Insistieren, diese sprachliche Dichte, diese Genauigkeit, Kompromisslosigkeit, dieser Ernst." Mit ehrlicher und glaubhafter Ergriffenheit berichtet Wolfgang Matz über dieses 1967 geschriebene und erst heute ins Deutsche übersetzte "atemberaubende Buch". Matz dankt dem DuMont-Verlag für die Übersetzung, denn Simon, obwohl Nobelpreisträger, habe sich als "sperriger" Autor in Deutschland nie durchgesetzt. Die beiden Weltkriege seien Simons einziges Thema, auch hier in "Geschichte". Fasziniert erläutert Matz den Zusammenhang von Zufall und strenger Komposition bei dem französischen Autor. Die Idee zum Buch beruht auf einer Sammlung von alten Postkarten, die der Autor fand, und die ihm das Ordnungsprinzip für sein Buch gaben. "Höchste sprachliche Schönheit" sagt Matz auch der Übersetzung Eva Moldenhauers nach.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Wer sich erst einmal auf dieses "Erzähl-Universum" eingelassen hat, meint Walter Klier über Claude Simons Roman "Geschichte", erlebt eine der "eigenwilligsten und farbigsten literarischen Landschaften, die man in diesem Jahrhundert finden kann". Simon erzählt - in Anlehnung an Joyce - die Geschichte des Jahrhunderts als Geschichte eines Tages. Sein großes Thema, so Klier, ist dabei die "überwältigende Diskontinutiät" - die Geschichte -, die mit dem persönlichen Schicksal zusammenprallt. Mit einer unglaublichen Präzision, mit fast "irrealer Überschärfe" beschreibt Simon laut Klier Menschen und Dinge, mit nachhaltiger Aufmerksamkeit schreite er die Grenze zwischen Ich und Welt ab. Der Roman, bereits 1967 auf Französisch erschienen, sei von Eva Moldenhauer mit geradezu "ehrfurchtgebietender Brillianz" ins Deutsche übersetzt worden.
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