Aus dem Amerikanischen von Martin Richter. Intelligent, ehrgeizig, skrupellos: Dr. Josef Mengele wurde zum Synonym des Bösen schlechthin. Er gilt als einer der berüchtigsten Kriegsverbrecher der NS-Zeit. An der Rampe des Konzentrationslagers Auschwitz II (Birkenau) begutachtete er die neu angekommenen Juden und pfiff während der Selektion Arien. Die Mehrheit der deportierten Juden wurde sofort in den Gaskammern ermordet. An unzähligen Gefangenen führte Mengele unmenschliche Experimente durch. Obwohl er seit 1945 auf internationalen Fahndungslisten stand, konnte er bis zu seinem Tod 1979 unbelangt in Südamerika leben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2021
Rezensent Oliver Pfohlmann schwankt zwischen Faszination und Entsetzen angesichts von David G. Marwells Mengele-Biografie. Dass der Autor den Mythos Mengele versachlicht, indem er Mengeles Leben und Wirken aus Briefen, Tagebüchern und Mossad-Dokumenten rekonstruiert und den Arzt als "im deutschen Wissenschaftsbetrieb gut vernetzte", anerkannte Koryphäe seines Fachs zeichnet, nicht als verrücktes Monster, löst bei Pfohlmann erst recht Schaudern aus. Mit Beklemmung liest der Rezensent auch über Mengeles Exil, das Justizversagen und Marwells eigene Rolle als Mitarbeiter der US-Justiz bei der Suche nach Mengeles Leiche.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.06.2021
Rezensent Claus-Jürgen Göpfert liest gebannt die Mengele-Biografie des amerikanischen Historikers David G. Marwell. Leider bleiben trotz Auswertung neuer Quellen des Mossad laut Göpfert Fragen offen. Etwa in Bezug auf die Rolle deutscher Juristen bei der Suche nach Mengele. Den mythischen Dunst um Mengele kann Marwell für Göpfert immerhin etwas klären, indem er die Banalität dieses Lebens schildert. Die nüchterne Beschreibung von Mengeles Tun in Auschwitz lässt Göpfert erschaudern. Eine restlose Erklärung für Mengeles Überschreitung moralischer Grenzen vermag Marwell aber auch nicht zu liefern, meint der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.05.2021
Rezensent Stephan Lehnstaedt erfährt bei David Marwell nicht nur Schockierendes über Mengeles Wirken in Auschwitz und in der Rassengenetik in Nazideutschland, sondern folgt auch den Spuren Mengeles auf der "Rattenlinie" nach Argentinien. Die Einordnungen des Autors findet er treffend, die Literaturbasis der Biografie überzeugend. Als Krimi erscheint Lehnstaedt der zweite Buchteil, in dem die Flucht Mengeles nachgezeichnet wird. Hier profitiert der Autor laut Rezensent von seiner Arbeit für die US-Justiz und seiner Mithilfe bei der Suche nach Mengele ab 1985. Dass man damals nur noch den Tod des Massenmörders feststellen konnte, nimmt Lehnstaedt als Aufforderung, die Verbrechensaufarbeitung zügiger voranzutreiben.
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…