Detlef Siegfried

Bogensee

Weltrevolution in der DDR 1961-1989
Cover: Bogensee
Wallstein Verlag, Göttingen 2021
ISBN 9783835350113
Gebunden, 296 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Junge Kommunisten aus aller Welt beim "internationalen Lehrgang" der FDJ - zwischen Toleranz und ideologischen Konflikten.Die DDR war eine bedeutende Drehscheibe des internationalen Kommunismus. An der Jugendhochschule "Wilhelm Pieck" am Bogensee nördlich von Berlin bildete die FDJ seit 1958 junge Revolutionäre aus aller Welt im Marxismus-Leninismus aus. Sie war Schnittstelle einer alternativen Globalisierung, die sich gegen den Kapitalismus richtete und Jugendliche aus den osteuropäischen Ländern, aus Westeuropa und dem globalen Süden vereinte. So sehr die FDJ die "internationale Solidarität" propagierte, so sehr wollte sie allzu enge Kontakte zu den Internationalen unterbinden, die eine Vielzahl politischer Überzeugungen und kultureller Praktiken mitbrachten. Auch ihr Erziehungsanspruch führte zu Konflikten, so dass die Schule ein Raum der internationalen politischen Diskussion war, aber auch von Anpassung und Kritik gleichermaßen - und von Liebe und Sexualität über Grenzen hinweg.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2021

Rezensent Joachim Scholtyseck reist mit Detlef Siegfried zurück in die Blütezeit der internationalen kommunistischen Kaderschule "Wilhelm Pieck" am Bogensee. So differenziert und quellennah als möglich zeichnet der Autor, der selbst auf einem Lehrgang dort war, laut Rezensent das Bild der Propagandaschule, ihrer Strukturen, Lehrpraxis und Ziele. Spannend findet Scholtyseck die Ausführungen über die Anziehungskraft des Marxismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und über die Liebesverhältnisse an der Schule. Dass eins der Ziele der Ausbildung dort die Entspannungspolitik war, wie es im Buch heißt, möchte Scholtyseck aber bezweifeln. Eine sehr wohlwollende Auslegung des Autors, findet er.
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