Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Christ. Politische Missstände, persönliche Tragödien, die Ironie des Schicksals oder moralische Konflikte, davon erzählt Doris Lessing in ihren Geschichten. Mal provokant, mal gefühlvoll und nachdenklich, in jedem Fall aber immer wahrhaftig entwirft die Autorin eine ganze Welt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2005
Auf Doris Lessing kann man sich nicht verlassen: Mal produziere ihr "scharfer sozialkritischer Blick" wahre Kostbarkeiten, mal kommt etwas heraus, "das besser in der Schublade geblieben wäre", stellt Bernadette Conrad fest, die diese Ungewissheit aber durchaus als "spannend" empfindet. Von den drei Erzählungen des Bandes gefällt ihr die zweite, "Victoria und die Staveneys", am besten. Die farbige Victoria taucht immer wieder in die Sphäre der reichen weißen Familie der Staveneys ein, bis sie sich am Ende zwischen ihrer Tochter und dem Leben in der weißen Oberschicht entscheiden muss. Die Rezensentin glaubt, die Autorin sei dann am Besten, wenn es um die Schilderung des Kleinen geht und sie die "Dimension des Schicksalhaften" ihrer Figuren einmal beiseite lässt. Die Titelgeschichte, in der Lessing sich nie auf eine Erzählperspektive festlegt und immer kurz "unter die Haut" der verschiedenen Personen schlüpft, genießt ebenfalls das Wohlwollen der Rezensentin. "Gründlich misslungen" sei allerdings das dritte Stück, eine "gespreizte Kopfgeburt", die den Anspruch der Autorin, nur Geschichten erzählen zu wollen, nicht im Ansatz einlösen könne. Dabei ist für die Rezensentin nicht das Thema - eine die gesellschaftlichen Schranken sprengende Sexualität - das Problem, sondern die "vergröberte" literarische Gestaltung in der Art eines "Laborexperiments". Die zahlreichen Druckfehler schließlich beschränken sich zum Leidwesen Conrads nicht nur auf jene Abschlusserzählung, sondern stören über den ganzen Band verteilt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2005
Ein Lob dem Lektor des Hoffmann und Campe Verlags: Er habe die schwächste der "four short novels" weggelassen und die beste zur Titelgeschichte befördert. Denn "Ein Kind der Liebe" macht nach Ansicht von Rezensentin Alexandra Kedves einer "Nobelpreisaspirantin" alle Ehre. Vor allem die literarische Umsetzung der "Nullerfahrung" der Soldatendaseins - die Mischung aus "Drill und Däumchendrehen", die der Protagonist James im Zweiten Weltkrieg erlebt, während er mittendrin die Liebe seines Lebens trifft, um sie dann, fortgeschleppt von der Kriegsmaschinerie zu mehr vom gleichen Einerlei, nie wieder zu sehen - hat die Rezensentin begeistert. Nur mäßig zufrieden war sie dagegen mit "Victoria und die Staveneys" ("ausfransendes Finale"), während sie "Die Großmutter" beinahe misslungen fand (melodramatisch, "holzschnitthaft"). Alles in allem: Kurzromane unterschiedlicher Qualität zu Lessings "klassischen Themen Krieg und Kolonialgeschichte, Frauenleben und Männertode".
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